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Bohrprofil 1970

Hydrogeologische Aufschlussbohrung von Schnackenburg

English version below

Ein Archiv der Erdgeschichte der letzten 28 Millionen Jahre

Am 11. September 1970 wurde in Schnackenburg eine hydrogeologische Aufschlussbohrung bis in eine Tiefe von 187 Metern durchgeführt. Ziel solcher Bohrungen ist es, den geologischen Aufbau des Untergrundes sowie die wasserführenden Schichten zu erfassen. Gleichzeitig stellt das gewonnene Bohrprofil ein wertvolles geologisches Archiv dar, das Einblicke in die Umwelt- und Klimageschichte der Region über einen Zeitraum von rund 28 Millionen Jahren erlaubt. Die in der Bohrung aufgeschlossenen Sedimente reichen vom Eochatt des Oligozäns bis in das Holozän und dokumentieren den Wechsel mariner, küstennaher und kontinentaler Ablagerungsräume.

Das Tertiär: Oligozän und Miozän

Eochatt (unteres Oligozän, ab ca. 28 Mio. Jahre)

In 154 bis 187 Metern Tiefe beginnt die älteste in der Bohrung erfasste Einheit: das Eochatt des Oligozäns. Die Bohrbeschreibung weist hier dunkelgrüne, tonig-schluffige Sedimente mit Glaukonit auf, stellenweise fossilführend mit Molluskenresten wie Muscheln und Schnecken . Glaukonit ist ein typisches Mineral mariner Ablagerungen und bildet sich bei langsamer Sedimentation auf dem Meeresboden. Diese Schichten belegen, dass die Region zu dieser Zeit von einem flachen Meer bedeckt war. Das Klima im frühen Oligozän war gemäßigt warm.

Neochatt (oberes Oligozän)

Über den eochatten Schichten folgen die Neochatt-Sedimente, die von 136 bis 154 Metern Tiefe reichen. Im Bohrprofil werden feinsandige bis schluffige Sedimente beschrieben, teilweise mit hohem Glimmeranteil. Auch diese Ablagerungen sind marinen Ursprungs. Das obere Oligozän war durch weitere Abkühlung und Meeresspiegelschwankungen gekennzeichnet. Das Meer blieb jedoch in dieser Region präsent. Die Sedimente deuten auf ruhigere Ablagerungsbedingungen hin, möglicherweise in einem küstennahen Schelfmeer. Die marine Fauna ähnelte der des Eochatts.

Das Miozän: Übergang zu kontinentalen Bedingungen

Untermiozän (ca. 23–16 Mio. Jahre)

Ab einer Tiefe von 136 Metern beginnt das Untermiozän, das im Bohrprofil bis auf 30 Meter Tiefe erfasst ist. Die Sedimente bestehen überwiegend aus Sanden unterschiedlicher Korngröße (Fein-, Mittel- und Grobsande), häufig glimmerhaltig, teils mit Schlufflagen. Sie werden als „Untere Braunkohlensande“ angesprochen. Diese Ablagerungen markieren einen grundlegenden Umweltwandel: Das Meer zog sich zurück, und es dominierten nun deltaische, fluviatile und sumpfige Ablagerungsräume. Die Bezeichnung „Braunkohlensande“ weist auf ausgedehnte Moor- und Sumpfgebiete hin, in denen sich organisches Material anreicherte. Das Klima im Untermiozän war warm-gemäßigt bis subtropisch. Dichte Wälder mit Sumpfzypressen, Erlen und frühen Laubbaumarten prägten die Landschaft. Die Tierwelt umfasste zahlreiche Säugetiere, darunter frühe Nashörner, Pferdeverwandte und Rüsseltiere.

Das Quartär: Eiszeiten und nacheiszeitliche Entwicklung

Pleistozän (ab ca. 2,6 Mio. Jahre)

Über den miozänen Ablagerungen folgen die pleistozänen Schichten, die im Bereich von 2 bis 30 Metern Tiefe auftreten. Im Bohrprofil werden Geschiebemergel, sandige bis kiesige Sedimente sowie Lagen von Grobsand beschrieben. Diese Sedimente sind typisch für die wiederholten Vorstöße und Rückzüge der skandinavischen Inlandeismassen während der Eiszeiten. Das Pleistozän war geprägt von starken Klimaschwankungen zwischen Kalt- und Warmzeiten. Gletscher formten die Landschaft, lagerten Geschiebe ab und beeinflussten die Entwässerungssysteme. Die Flora wechselte zwischen tundrenartigen Vegetationen in Kaltzeiten und borealen Wäldern in Warmzeiten. Zur Fauna gehörten Großsäuger wie Mammuts, Wollnashörner und Rentiere.

Holozän (seit ca. 11.700 Jahren)

Die oberste Schicht bildet das Holozän, das die heutige nacheiszeitliche Entwicklung widerspiegelt. Es umfasst junge, meist lockere Sedimente, die unter dem Einfluss von Flüssen, Bodenbildung und menschlicher Nutzung entstanden. Das Klima stabilisierte sich auf dem heutigen Niveau, und es entwickelten sich Laub- und Mischwälder. Der Mensch wurde zum prägenden Faktor der Landschaft.

Die Bohrung von Schnackenburg dokumentiert den Wandel von einem marinen Ablagerungsraum im Oligozän über küstennahe und kontinentale Sumpf- und Flusslandschaften im Miozän bis hin zu den eiszeitlich geprägten Sedimenten des Quartärs. Besonders die marinen Eochatt- und Neochatt-Schichten mit Glaukonit und Fossilien belegen eine langanhaltende Meeresbedeckung vor etwa 28 Millionen Jahren. Die darüber folgenden Braunkohlensande des Untermiozäns zeigen den Übergang zu einem warmen, vegetationsreichen Festland. Schließlich spiegeln die pleistozänen und holozänen Sedimente die klimatischen Extreme der Eiszeiten und die heutige Landschaftsentwicklung wider.

Die Abbildungen rechts neben dem Bohrprofil wurden mit KI generiert.

© 2026 Stephan Prieß

 

An archive of Earth's history over the last 28 million years

On September 11, 1970, a hydrogeological exploration drilling was carried out in Schnackenburg to a depth of 187 meters. The aim of such drilling is to record the geological structure of the subsoil and the water-bearing layers. At the same time, the drilling profile obtained represents a valuable geological archive that allows insights into the environmental and climatic history of the region over a period of around 28 million years. The sediments exposed in the drilling range from the Oligocene to the Holocene and document the change in marine, coastal and continental depositional areas.

The Tertiary: Oligocene and Miocene

Eochatt (Early Oligocene, from about 28 million years ago)

The oldest unit recorded in the drilling begins at a depth of 154 to 187 meters: the Oligocene Eochatt. The drilling description here shows dark green, clayey-silty sediments with glauconite, in places fossiliferous with mollusk remains such as mussels and snails. Glauconite is a typical mineral of marine deposits and forms during slow sedimentation on the seabed. These layers show that the region was covered by a shallow sea at that time. The climate in the early Oligocene was moderately warm.

Neochattic (Upper Oligocene)

Above the Eochatten layers follow the Neochatte sediments, which range from 136 to 154 meters deep. Fine sandy to silty sediments are described in the drilling profile, some with a high proportion of mica. These deposits are also of marine origin. The Upper Oligocene was characterized by further cooling and sea level fluctuations. However, the sea remained present in this region. The sediments suggest quieter depositional conditions, possibly in an offshore shelf sea. The marine fauna was similar to that of Eochatts.

The Miocene: Transition to continental conditions

Lower Miocene (approx. 23–16 million years)

The Lower Miocene begins at a depth of 136 meters and is recorded in the drilling profile down to a depth of 30 meters. The sediments consist predominantly of sands of different grain sizes (fine, medium and coarse sands), often containing mica, sometimes with layers of silt. They are referred to as “lower lignite sands”. These deposits mark a fundamental environmental change: the sea retreated and deltaic, fluvial and swampy deposits now dominated. The term “lignite sands” refers to extensive moor and swamp areas in which organic material accumulated. The climate in the Lower Miocene was warm-temperate to subtropical. Dense forests with bald cypresses, alders and early deciduous tree species characterized the landscape. The fauna included numerous mammals, including early rhinos, equine relatives and proboscideans.

The Quaternary: Ice Ages and Post-Ice Age Development

Pleistocene (from about 2.6 million years ago)

Above the Miocene deposits follow the Pleistocene layers, which occur in the range from 2 to 30 meters deep. The drilling profile describes boulder marl, sandy to gravelly sediments and layers of coarse sand. These sediments are typical of the repeated advances and retreats of the Scandinavian ice sheets during the ice ages. The Pleistocene was characterized by strong climate fluctuations between cold and warm periods. Glaciers shaped the landscape, deposited sediment and influenced drainage systems. The flora alternated between tundra-like vegetation in cold periods and boreal forests in warm periods. The fauna included large mammals such as mammoths, woolly rhinos and reindeer.

Holocene (for about 11,700 years)

The uppermost layer is the Holocene, which reflects today's post-glacial development. It includes young, mostly loose sediments that were formed under the influence of rivers, soil formation and human use. The climate stabilized at today's level and deciduous and mixed forests developed. People became the defining factor of the landscape.

The Schnackenburg drilling documents the change from a marine deposit area in the Oligocene to coastal and continental swamp and river landscapes in the Miocene to the Ice Age-shaped sediments of the Quaternary. In particular, the marine Eochatt and Neochatte layers with glauconite and fossils provide evidence of long-lasting marine cover around 28 million years ago. The underlying lignite sands of the Lower Miocene show the transition to a warm, vegetation-rich mainland. Finally, the Pleistocene and Holocene sediments reflect the climatic extremes of the ice ages and today's landscape development.

The images to the right of the drilling profile were generated using AI.

© 2026 Stephan Prieß

Ort Schnackenburg
Autor Stephan
Kategorien
Erinnern
Rekonstruktion
Suchbegriffe / Tags
Schnackenburg
Geologie
Dinosaurier
Evolution
Bohrprofil
Lizenz Alle Rechte vorbehalten
Bildquelle
Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie Niedersachsen
Urheber
Unbekannt

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