Der "Böse Ort" 1694
English version below
Der „Böse Ort“ bezeichnet einen markanten und über Jahrhunderte gefürchteten Abschnitt der Elbe bei Schnackenburg und dem gegenüberliegenden Wustrow. Der Name geht ursprünglich auf schwere Deichbrüche in den Jahren 1654, 1658 und 1659 zurück. Wiederholte Hochwasserkatastrophen, die das kollektive Gedächtnis prägten und zur dauerhaften Bezeichnung als „Böser Ort“ führten.
Flussgeometrie und Rolle des Flügeldeichs
Die besondere Gefährdung des „Bösen Ortes“ resultierte aus seiner ungünstigen topographischen Lage: Die Elbe beschreibt hier einen 90-Grad-Bogen, gegen dessen Außenseite der Strom mit hoher Kraft drückt. Der linksseitige Elbedeich sprang weit in das Strombett vor und verengte das Hochwasserabflussprofil erheblich. Zusätzlich wirkte ein abzweigender Flügeldeich auf Schnackenburger Seite wie ein Leitbauwerk, das Wasser und treibendes Eis gezielt auf den vorspringenden Deichteil lenkte. Bei Hochwasser und Eisgang entstand dadurch Rückstau, starke Strömung und erhöhte Deichbruchgefahr.
Bedeutung für Schifffahrt und Deichschutz
Durch den besonders starken hydraulischen Druck betroffen galt der „Böse Ort“ zusätzlich als einer der kritischsten Abschnitte für die Elbschifffahrt. Historische Karten zeigen am „Bösen Ort“ Sandbänke und Untiefen sowie eine stark wechselnde Stromführung, die besonders bei ungünstigen Wasserständen als schwer passierbar galten.
Deichrückverlegung und Bedeutungswandel im 20. Jahrhundert
Die anhaltenden Gefahren führten bereits Anfang des 20. Jahrhunderts zu Planungen für eine Deichrückverlegung, um den vorspringenden Deich und den Flügeldeich in Schnackenburg zu entschärfen und den Abflussraum zu verbreitern. Die Umsetzung zog sich bis 1957 hin, weil mehrere aufeinanderfolgende technische, organisatorische und historische Faktoren, wie der Zweite Weltkrieg, den Bau immer wieder verzögerten.
Großes Naturschutz- und Hochwasserschutzprojekt in den 2000er Jahren
Nach dem verheerenden Jahrhunderthochwasser von 2002 wurde das Thema Hochwasserschutz am „Bösen Ort“ neu aufgegriffen. Zwischen 2002 und 2011 wurde auf der gegenüberliegenden Elbseite ein groß angelegtes Naturschutz- und Deichrückverlegungsprojekt realisiert. Im Rahmen dieses Projekts wurde der dortige Elbdeich ins Hinterland verlegt, während der alte Deich an mehreren Stellen geöffnet wurde. Dadurch gewann die Elbe zwischen altem und neuem Deich etwa 420 Hektar Überflutungsfläche zurück.
© 2026 Stephan Prieß
The “Bad Place” refers to a striking and feared section of the Elbe near Schnackenburg and Wustrow opposite, which has been feared for centuries. The name originally goes back to serious dike breaches in 1654, 1658 and 1659. Repeated flood disasters that shaped the collective memory and led to the permanent designation as a “bad place”.
River geometry and role of the wing dike
The particular danger of the “bad place” resulted from its unfavorable topographical location: the Elbe describes a 90-degree bend here, against the outside of which the current presses with great force. The Elbe dike on the left side protruded far into the riverbed and significantly narrowed the flood flow profile. In addition, a branching wing dike on the Schnackenburg side acted like a guiding structure that directed water and floating ice specifically towards the projecting part of the dike. During floods and ice drifts, this resulted in backwater, strong currents and an increased risk of dike failure.
Importance for shipping and dike protection
Affected by the particularly strong hydraulic pressure, the “Bad Place” was also considered one of the most critical sections for shipping on the Elbe. Historical maps show sandbanks and shoals in the “Bad Place” as well as a strongly changing stream flow, which were considered difficult to pass, especially when the water levels were unfavorable.
Dike relocation and change in meaning in the 20th century
The ongoing dangers led to plans to move the dike back at the beginning of the 20th century in order to defuse the projecting dike and the wing dike in Schnackenburg and to widen the drainage area. The implementation dragged on until 1957 because several successive technical, organizational and historical factors, such as the Second World War, repeatedly delayed construction.
Major nature conservation and flood protection project in the 2000s
After the devastating flood of the century in 2002, the topic of flood protection in the “Bad Place” was taken up again. Between 2002 and 2011, a large-scale nature conservation and dike relocation project was implemented on the opposite side of the Elbe. As part of this project, the local Elbe dike was moved into the hinterland, while the old dike was opened in several places. As a result, the Elbe regained around 420 hectares of flooded area between the old and new dikes.
© 2026 Stephan Prieß
| Ort | Schnackenburg |
| Autor | Stephan |
| Kategorien | Erinnern Straße/Verkehr Brücke/Fluss |
| Suchbegriffe / Tags | |
| Lizenz | Creative Commons BY-SA-NC |
| Bildquelle | Archivinformationssystem Niedersachsen und Bremen |
| Urheber | Unbekannt |
| Urheber Vergleichsbild | |
| Lizenz Vergleichsbild | Alle Rechte vorbehalten |
| Bildquelle Vergleichsbild | © GeoBasis-DE/LGLN 2024 |
| Zugeordnete Touren | Leben an den Flüssen/Life Along the Rivers |