Ehemalige Lateinschule 2020
Hier ging unser kleiner Otto Müller also zur Schule. Er war zusammen mit seiner Familie ein Teil der evangelischen Gemeinde Freiburgs. Mit der Hitlerjugend (HJ) hatte er bis dahin wenig Berührungspunkte gehabt. Eben diese Hitlerjugend, wie auch der Bund deutscher Mädel (BdM) spielten vor 1933 in Freiburg keine große Rolle. Das hing damit zusammen, dass die NSDAP in Freiburg allgemein nicht sehr verbreitet war. Mit dem Verbot gewerkschaftlicher Jugendbewegungen ab Mai 1933 lösten sich diese Gruppen entweder auf oder gliederten sich nach und nach in die HJ ein. Hier nun die Schilderung eines Zeitzeugen aus Freiburg:
»1931 meldeten meine Eltern meinen Bruder und mich bei der evangelischen Jugend, dem damaligen Bibelkreis an. Diese Jugendgruppe hatte ein Jugendorchester unter der Leitung eines jungen Vikars. Unser Übungsraum lag am Ende der Herrenstrasse kurz vor der Einmündung zum Karlsplatz. [ ... ] Das Musizieren in diesem Jugendkreis war eine sehr gute und schöne Sache. Alle 14 Tage war Probe. Es kam das Jahr 1933. Gegen Ende dieses Jahres waren wir eines Abends zur Probe in unserem Übungsraum. Der Vikar war noch nicht da. Wir warteten. Nach einiger Zeit erschien der Vikar mit einem Hitlerjugendführer, ich glaube es war der Gefolgschaftsführer Weinbrecht, ein übler Bursche, später Offizier der Waffen-SS. Der Vikar erklärte kurz, seine Tätigkeit sei ab sofort beendet. Es gäbe auch keinen Bibelkreis mehr und wir seien nunmehr ein Orchester der Hitlerjugend. Der uniformierte Hitlerjugendführer sagte: Aufgrund einer Vereinbarung zwischen dem Reichsbischof Müller und dem Reichsjugendführer Baldur von Schirach seien alle evangelischen Jugendverbände, rund 800 000 Jugendliche, von der HJ übernommen worden. Er erklärte weiter: Wer nicht in der Hitlerjugend bleiben wolle, müsse sich von den Eltern abmelden lassen. Im übrigen könnten wir ja auch als Hitlerjugendorchester weiterhin als Musikgruppe bestehen bleiben. Die HJ könne uns als Orchester brauchen. [...]"
(Brief von Dr. Hans Kiskalt, Baden-Baden, an Bernd Hainmüller, 05.08.1998)
Der Sitz des Übungsraumes des Jugendorchesters war der Beschreibung nach auch in einem dieser Häuser hier. Dieser kann aber leider nicht genau zugeordnet werden.
Literaturangaben:
Hainmüller (2000): Jugend unterm Hakenkreuz. Freiburgs Hitler-Jugend. In: Schelle-Wolff/Zoche (Hrsg.): Kinder spielen in ihrer Stadt – Spielräume in Freiburg 1900-2000, Freiburg 2000, S. 106- 135.
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Arbeitsauftrag für schulische Nutzung:
Was könnte unser noch sehr junger Otto in diesem Moment gedacht haben?
Was veränderte sich für Otto durch die Übernahme des Orchesters in die Hitlerjugend?
Welche Aspekte der Gleichschaltung seht ihr in der Übernahme des Jugendorchesters durch die Hitlerjugend?
| Ort | Freiburg im Breisgau |
| Autor | Digitalisierung... |
| Kategorien | Erinnern Schule/Bildung |
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| Lizenz | Unbeschränktes Nutzungsrecht (Public Domain) |
| Bildquelle | Ehemalige Lateinschule |
| Urheber | Moritz Dröse |
| Zugeordnete Touren | Alltagsleben während des NS in Freiburg |