Fähre Inseltreue um 2020
Für Grieth war der Rhein ab seiner Gründung 1250 von Lebensbedeutung. Er brachte der kleinen Stadt in seiner Blütezeit wirtschaftlichen Aufschwung und internationalen Verkehr. Die Einwohner lebten vom Rhein, in jeder Hinsicht. Er war Transportachse für die Schiffe, die Waren für den täglichen Bedarf brachten. Die Schiffsbesatzungen wollten essen, trinken und schlafen. Die Schiffe brauchten Handwerker für Wartung und Reparaturen und kamen ohne Treidelpferde (Grieth war Wechselstation) stromauf nicht voran. 100 Tonnen Fracht brauchten 10 bis 12 Pferde.
Griether Männer waren gefragt als Schiffsführer, Matrose, Treidler und Tagelöhner.Der Rhein barg auch “Speisevorrat”: die Griether fingen hier Fische für sich und ihre Absatzmärkte in Düsseldorf, den Niederlanden und Frankreich.
So war der Rhein für Grieth und seine Bewohner eine Chance auf ein unabhängiges Leben. Daran änderte sich nichts als Grieth im 16. Jahrhundert wirtschaftlich an Bedeutung verlor. Es gab zwar wirtschaftlich weniger zu tun, aber essen mussten die Griether auch dann. Und weil der Rhein noch immer da war, waren Berufe wie z.B. Fischer, Schiffsführer, Matrose, Seiler, Verkäufer von Schifffahrtsbedarf und Vermieter von Treidelpferden für viele Griether Männer und ihre Familien der naheliegende Berufsweg und sorgten für Sicherung ihrer Existenz.
Grundlegend änderte sich diese Beziehung zum Rhein ab Ende des 19. Jahrhunderts mit der Dampf- und später Motorschifffahrt. Diese neuen Schiffe waren nicht nur schneller, sondern konnten auch mehr Fracht über längere Strecken transportieren. Als Anlegestelle brauchten sie Grieth nicht mehr. Damit war Grieths Bedeutung als Schifferstädtchen so gut wie erloschen.
Von der Treidelschifffahrt waren viele Berufe an Land abhängig. Sie war über tausend Jahre für die Rheinanwohner Garant für ein geordnetes Leben gewesen. Die Dampfschifffahrt bedeutete darum ein wirtschaftliches und soziales Erdbeben.
Bis 1994 hielt sich in Grieth noch eine letzte sichtbare Verbindung mit den vorbeifahrenden Schiffen. Kamen die Schiffer nicht mehr nach Grieth, so kamen die Griether zu den Schiffen: Proviantboote versorgten die vorbeifahrenden Schiffe mit Essen, Getränken und anderen Bedarf.
Heute gibt es nur noch wenige Griether Schiffsführer mit großem Rheinpatent. Einer von ihnen ist Heinz Hell. Seine Fähre bringt jedes Jahr von Ostern bis November Fußgänger und Fahrradfahrer über den Rhein nach Grietherort und zurück. Zusammen mit der Fähre in Rees hat seine Fähre eine sehr große touristische Bedeutung für den Unteren Niederrhein. www.niederrheinfaehre.de
Text: Jan Kramer
| Ort | Kalkar |
| Autor | Grieth am Rhein |
| Kategorien | Tourismus Brücke/Fluss |
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