Friedrichsbau
Du stehst jetzt vor dem Friedrichsbau. In diesem riesigen Gebäude war auch damals schon ein Kino. Wir haben damals Lichtspieltheater zu Kino gesagt, aber eigentlich bedeuten beide Wörter dasselbe. Der Friedrichsbau war aber nicht nur wegen des Kinos so ein toller Ort für Benno und mich, sondern vor allem wegen der Fasnachts-Kinderbälle, die hier jedes Jahr stattfinden. Meine Mutter und ich haben immer schon Wochen vor Rosenmontag an meinen Kostümen gebastelt. Einmal haben Benno und ich sogar ein Doppelkostüm mit meiner Mutter und Bennos Tante gebastelt. Wir sind als Schlange gegangen. Ich war der Kopf und Benno der Körper. Weil wir aber nicht den ganzen Nachmittag zusammengeklebt auf der Fasnachtsfeier verbringen wollten, sind wir irgendwann nur noch als Körper und Kopf herumgelaufen. Als Herr Loewy das gesehen hat, musste er lachen und hat gemeint: „Das ist ja eine ganz schön kopflose Feier für dich gewesen, Benno.“ Erwachsene haben manchmal echt einen seltsamen Humor!“ Das Lustigste für mich an diesen Fasnachtsfeiern war immer das Ende, als alle Kinder im ersten Stock auf der Empore stehen durften und gleichzeitig Luftschlangen in den Saal pusteten. Als Benno und ich letzten Februar an Rosenmontag wieder hier im Friedrichsbau Fasnacht gefeiert haben, sind mir drei Jungen aufgefallen, die als Fliegenpilze verkleidet waren. Auf die Pilzstile hatten sie komische Köpfe mit langen Nasen gemalt. Irgendwann habe ich einen der Jungs gefragt: „Warum seid ihr denn als Fliegenpilze verkleidet und warum habt ihr so hässliche Gesichter auf eure Kostüme gemalt?“ Er hat geantwortet: „Wir sind als Juden verkleidet und Juden sind wie Giftpilze, mit denen darf man nichts zu tun haben.“ Ich habe damals noch nicht so viel über die Pilzkostüme nachgedacht, denn Kinder mit blöden Kostümen gab es immer wieder. Heute weiß ich, dass immer mehr Leute in Deutschland jüdische Menschen damals genau so gesehen haben. Nämlich als Giftpilze, die sie entweder nicht beachten oder dafür sorgen, dass sie nicht mehr wachsen. Jetzt schau mal bitte nach rechts neben den Kinoeingang. Genau dort hatte Bennos Vater, Herr Loewy, seine Buchhandlung. Ich habe immer noch den tollen Duft von frischen neuen Büchern in der Nase, wenn ich an Herrn Loewys Buchhandlung denke. Hier gab es eine kleine Abteilung mit Büchern extra für Kinder und Bennos Vater hatte nichts dagegen, wenn wir Bücher, die uns gefielen, vorsichtig aus den Regalen nahmen und ein bisschen darin lasen. Er sagte immer: „Bücher schenken heißt Freude schenken!“, und ich finde, damit hat er absolut recht. Komm mit in die Friedrichsbau-Passage!
| Ort | Freiburg im Breisgau |
| Autor | BL |
| Kategorien | Stadtbild |
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| Lizenz | Unbeschränktes Nutzungsrecht (Public Domain) |
| Bildquelle | |
| Urheber | unbekannt |
| Zugeordnete Touren | Ernst Benjamin (Benno) Loewy |