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Furtwanger Rathaus

Anlaufstelle für Bürger direkt nach Kriegsende

Hunger, Angst, Schrecken und Veränderung: Das prägte den Alltag der Menschen in der unmittelbaren Nachkriegszeit in Furtwangen.

Furtwangen wurde zunächst von französischen und amerikanischen Soldaten besetzt, außerdem blieben befreite sowjetische Zwangsarbeiter noch in der Stadt. Dabei stachen vor allem die Umgangsform mit sowohl französischen als auch sowjetischen Besatzern heraus. Während die Beziehung zu den französischen Truppen sich zwar als angespannt, aber trotz allem als grundlegend respektvoll erwies, waren die Beziehungen zu den sowjetischen Soldaten und Zwangsarbeitern deutlich konfliktbehafteter. Es kam immer wieder zu Auseinandersetzungen und Plünderungen sowohl von Lebensmittelgeschäften als auch von naheliegenden Höfen. Zeitgenössische Beobachter bezeichneten diese Situation als die sogenannte „Russenplage”.

Durch die Besatzung war der Alltag der Furtwanger stark durch ihre Verordnungen geprägt. Darunter versteht man vor allem Lebensmittel- und Kleiderabgaben, aber auch verwaltungstechnische Angelegenheiten. Zum Beispiel mussten Fahrräder abgegeben werden, nur mit einer Genehmigung durfte man es behalten. Hinzu kamen Ausgangssperren und die Bestrafungen von Unterstützern des NS-Regimes.

Des Weiteren litten die Furtwanger stark unter der Lebensmittelknappheit. Das wurde durch die Besatzung und ihre Plünderungen verstärkt. Der Zeitgenosse Ludwig Zier beschreib die Situation mit folgenden Worten: „Was sie genießen, auf das müssen wir verzichten.” Diese Worte machen die Verzweiflung und die Frustration der Bevölkerung in der Zeit nach dem Krieg deutlich.

Das Furtwanger Rathaus war die Anlaufstelle für die Sorgen und Wünsche der Bürger. Es lief auf Hochbetrieb. Bürger belagerten geradezu das Dienstzimmer des französischen Kommandanten. Der 1945 noch amtierende Bürgermeister war völlig überfordert mit dem Ansturm von Bitten aller Art. Menschenmassen sammelten sich vor den Türen des Rathauses. Doch es ging nur schleppend voran. Die Leute wollten ihre Radios und Fahrräder zurück. Ausreden beschönigten den langsamen Prozess. Die Lage war sichtlich angespannt.

Besonders die Höfe litten unter der Situation mit den Besatzungsmächten. So wurde bei den Bauern im Hohtal, Mäderstal und Schnapelstal immer wieder geplündert. Gestohlen wurden vor allem Vieh, Eier und manchmal auch Speck. Darüber hinaus kam es auf dem Ganterhof zu einem Extremfall, nämlich einer Vergewaltigung.

Ort Furtwangen im Schwarzwald
Autor Uhrenmuseum Fur...
Kategorien
Erinnern
Rathaus
Suchbegriffe / Tags
Lizenz Creative Commons BY-SA
Bildquelle
Deutsches Uhrenmuseum, 100736
Urheber
Zugeordnete Touren Furtwangen im Nationalsozialismus

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