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Gefängnisturm 1994

Südwestlicher Eckturm der Stadtbefestigung

Gefängnisturm

Der Gefängnisturm war der südwestliche Eckturm der Stadtbefestigung der Stadt Unkel. Die Anlage von Stadtmauer, Türmen, Toren und Graben wird auf etwa 1550 datiert. Bereits 1547 schloss Unkel mit den Nachbarstädten und Gemeinden ein Schutz- und Trutzbündnis. Erpel hatte bereits seit Längerem eine Befestigungsanlage ohne formell „Stadt“ zu sein. Das kann auch auf Unkel zutreffen. Der erste urkundliche Nachweis datiert aus 1578, als Unkel dem kurkölnischen Städtetag angehört. Auf der Rheinseite baute man eine hohe und starke Mauer, die nicht nur Feinde abschrecken sollte, sondern auch gegen extreme Hochwasser schützen sollte. Dem Gefängnisturm kam dabei eine besondere Rolle zu; er sollte auch als Eisbrecher dienen, denn in früheren Jahrhunderten fror der Rhein im Winter häufig zu. Das brechende Eis konnte bei plötzlichem Tauwetter sehr gefährlich werden. Daher ist die Südwand des Turmes aus 1,20 Meter langen liegenden Basaltsäulen aufgemauert worden. Bis in das 17. Jahrhundert hatte der Turm einen offenen Wehrgang rundum und ein spitzes Kegeldach. Als der Turm wegen der mittlerweile sehr wirksamen Artillerie um 1650 militärisch nutzlos war, wurde er nicht mehr gepflegt und der obere Teil verfiel. Um 1700 setzte man daher ein niedrigeres, geschlossenes Dach im Stil der damaligen Barockzeit auf den Turm, eine sogenannte „welsche Haube“. Da Unkel Gerichtsort war, benötigte man ein Gefängnis. Im Inneren des Turmes schuf man eine Gefangenenzelle, die durch eine dicke Holztür verschlossen wurde. Durch eine kleine Durchreiche konnte der Gefangene versorgt werden. Gefährliche Verbrecher wurden durch ein Loch in ein acht Meter tiefes Verlies hinabgelassen. Der Turm ist so solide gebaut, dass auch bei Hochwasser die Turmsohle trocken bleibt. Lange Zeit verharrte der Turm ungenutzt in einem Dornröschenschlaf. Erst zur 1100-Jahr-Feier der Stadt Unkel 1986 gelang es dem Kur- und Verkehrsverein und örtlichen Handwerkern, den Turm zu sanieren und zugänglich zu machen. Urkunden, Schrifttafeln, Grenzsteine und Figuren bilden ein kleines Museum. Die Mitglieder des Geschichtsvereins Unkel bieten im Sommerhalbjahr regelmäßige Öffnungszeiten für Besucher und veranstalten Nachtwächterführungen. Der Gefängnisturm ist dabei eine spektakuläre Station mit Kiesewetter, dem „letzten Gehängten“.

Ort Unkel
Autor Unkel
Kategorien
Stadttor/-mauer
Suchbegriffe / Tags
Eckturm
Stadtbefestigung
Eisbrecher
Gefängnis
Lizenz Alle Rechte vorbehalten
Bildquelle
eigene, Bild HG009
Urheber
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