Kirchenfeldbrücke 1882
Mit dem Bau der Kirchenfeldbrücke bahnte sich Bern den Weg in die Moderne. Die zweite Hochbrücke der Stadt zählt einerseits zu den Hauptwerken der Eisenbaukunst in der Schweiz und ebnete andererseits den Weg für eine Stadterweiterung im Süden von Bern.
In der zweiten Hälfte des 19. Jh. wurde geklagt, die Stadt wachse zu einseitig gegen Westen während Ländereien am rechten Aareufer noch fast unbebaut seien. So auch das südlich gelegene Kirchenfeld, das der Burgergemeinde gehörte, die das Land gerne zur Überbauung an vermögende Käufer abtreten wollte. Ohne Brücke war es jedoch schwierig, Interessenten für den schönen Flecken Land zu finden. Das war auch den burgerlichen Promotoren bewusst. Einer von ihnen, Bankier Friedrich Schmid, sah im Kirchenfeld „eine baumleere Fläche, auf welcher ein Einzelner nichts zuwege bringt; es ist eine Fläche, welche, durch eine Brücke mit der Stadt verbunden, Leben und Bewegung in dieselbe führt; die leere Fläche, welche gehörig verwandelt, den schönsten Vordergrund zu unserer herrlichen Alpensicht bildet. An das Kirchenfeld schliesst sich das Dählhölzlein an, ein liebliches Wäldchen, das (...) zum angenehmsten Park für das neue Quartier geschaffen werden kann.
Schliesslich kam aus London ein sehr interessantes Angebot: Englische Kapitalbesitzer wollten das Kirchenfeld als Bauland kaufen. Im Gegenzug für das Überbauungsrecht erklärten sie sich bereit, die Finanzierung einer Hochbrücke zu übernehmen. Zu diesem Zwecke wurde die Berne-Land-Company gegründet und mit dem Bau der Brücke konnte begonnen werden. Es lag im Interesse dieser Kapitalgesellschaft die Brücke möglichst kostengünstig zu erstellen und so kam statt teurem Stein preisgünstiges Eisen zum Einsatz. 1893 wurde die Kirchenfeldbrücke mit Kanonendonner, Volksfest und dem ersten bernischen Velorennen eröffnet. Da die Kirchenfeldbrücke von englischen Financiers in Auftrag gegeben wurde, nannte man sie im Volksmund lange Zeit ‚Englische Brücke‘. Sie steht aber durchaus auch in einer französischen Tradition: Der Entwurf der Brücke ist nämlich an die vom französischen Ingenieur Gustave Eiffel errichtete Brücke Ponte Maria Pia in Porto (1877) angelehnt.
| Ort | Bern |
| Autor | StattLand |
| Kategorien | Stadtbild Tourismus Brücke/Fluss |
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