Lateranbasilik 1736
Lateransbasilika
Omnium urbis et orbis ecclesiarum mater et caput: Mutter und Haupt aller Kirchen der Stadt [Rom] und des Erdkreises.
Diese Inschrift zierte bereits die konstantinische Basilika. Nicht der Petersdom, wie vielfach angenommen wird, ist die Kirche des Papstes (in seiner Funktion als Bischof von Rom), sondern die Lateranbasilika. Ursprünglich war die Kirche allein Sanctissimi Salvatoris – dem Allerheiligsten Erlöser – geweiht. Die heutige Weihung an Johannes den Täufer erfolgte erst 905. Bei der Basilika des 4. Jahrhunderts handelte es sich um eine nach Westen ausgerichteten fünfschiffige Basilika, die sich in ihren Grundzügen noch heute erahnen lässt. Neben der Lateransbasilika gehen auch die Vorgängerbauten des Petersdoms, sowie Sankt Paul vor den Mauern (San Paolo fuori le Mura) und weitere Kirchen auf Kaiser Konstantin zurück. Mit dem Bau der Basilika wurde spätestens 314 begonnen. Vermutlich wurde sie 318 geweiht und vermutlich bis in das Jahr 324 fertig gestellt. Noch heute befindet sich in der Vorhalle der Basilika ein überlebensgroße Statue Kaiser Konstantins. Hier wurde einst von den Päpsten als Stadtherren Roms Recht gesprochen. Die Statue verweist auf die Legitimation über die sog. Konstantinische Schenkung. Nach dieser soll Kaiser Konstantin der Legende nach Papst Silvester das westliche Imperium geschenkt haben, nachdem dieser ihn von Lepra heilte. In eindrucksvollen Fresken ist die Legende um die Konstantinischen Schenkung noch heute in der nahen in der Basilika des Klosters Santi Quattro Coronati zu bestaunen.
Elemente der konstantinischen Basilika wurden beim barocken Umbau wiederverwendet. Die grünen Säulen, die heute die monumentalen Apostelfiguren einrahmen, trugen einst die Seitenschiffe der Basilika.
Mitte des 17. Jahrhundert wurde das Innere der Basilika von Francesco Borromini renoviert und im barocken Stil umgestaltet. Anfang des 18. Jahrhundert wurde die ursprünglich schmucklose Hauptfassade mit ihren über 7 Meter hohen Figuren errichtet. Die Inschrift Omnium urbis et orbis ecclesiarum mater et caput wurde dabei an den mittleren Säulenbasen angebracht.
Cola di Rienzo und die Gesetzestafel "Lex de imperio Vespasiani"
Cola di Rienzo war ein italienischer Staatsmann, Humanist und Notar. Als Politiker und Gegner der herrschenden Adelsfamilien und der Kirche hatte er seiner Zeit großen Einfluss auf das Bürgertum. Im Rom des 14. Jahrhunderts trat er als Gegner der Adelspartei im öffentlichen Leben Roms auf. Auf Empfehlung des Papstes wurde er zum Notar der städtischen Kammer in Rom berufen.
Di Rienzo hatte großes Interesse an den Inschriften antiker Überreste. Im Zuge seiner Neigung stoß er auf eine Inschrift, die „Lex de imperio Vespasiani“. Die aus der Antike stammende Gesetzestafel, welche ursprünglich in der Vorhalle der päpstlichen Residenz angebracht und zu Zeiten di Rienzos verkehrtherum im Altar verbaut war, geht in ihrem Ursprung auf den Kaiser Vespasian zurück. Die eingravierten Zeilen des Rechtsdokumentes beziehen sich auf die Anerkennung des kaiserlichen Herrschaftsanspruches. Di Rienzo nutzte die durch ihn wiederentdeckte Inschriftentafel geschickt aus, um mit ihr den stadtrömischen Anspruch auf die Verleihung der Kaiserwürde zu untermauern, da das antike Rechtsdokument scheinbar bezeugte, dass bereits in der römischen Antike die Macht des Kaisers durch den populus legitimiert wurde. In einer großangelegten Inszenierung stellte er die Tafel im Chor der Lateranbasilika dem versammelten populus vor und übersetzte zugleich den Inhalt in den stadtrömischen Dialekt (volgare). Für ihn war die Tafel historischer Beweis für die politische Macht des römischen Volkes.
Die Tatsache, dass er die Rede in der Lateranbasilika vor dem Volk gehalten hat, verdeutlicht den Stellenwert und die Bedeutung des Laterankomplexes in der damaligen Zeit. Er verknüpfte dabei (in Abwesenheit der Päpste, welch damals in Avignon residierten) sein zeitgenössisches politisches Vorhaben mit der mittelalterlich-christlichen Bedeutung des Laterans und der römischen Vergangenheit (v.a. anachronistisch mit der Zeit der „Römischen Republik“) – all diese Bedeutungseben nutzte er zur Legitimation seiner politischen Ansprüche.
Heutzutage ist die Inschrift in den kapitolinischen Museen aufbewahrt.
Diskussionsfragen:
Die Lateransbasilika ist die Hauptkirche des Papstes in seiner Funktion als Bischof von Rom. Welche Gründe könnte es gegeben haben, dass Cola di Rienzo seine Rede gerade hier hielt?
Wie wurde im Mittelalter die Antike aufgegriffen?
Wie begründeten die Päpste und wie Cola di Rienzo ihren Machtanspruch im Lateran?
Weiterführende Literatur:
Brandenburg, Hugo: Die frühchristlichen Kirchen Roms vom 4. bis zum 7. Jahrhundert. Der Beginn der abendländischen Kirchenbaukunst. Regensburg 2004.
Collins, Amanda: Cola di Rienzo, the Lateran Basilica, and the Lex de Imperio Vespasian, in: Medieval Studies 60 (1998), S. 159-183.
Diefenbach, Steffen: Römische Erinnerungsräume. Heiligenmemoria und kollektive Identitäten im Rom des 3. bis 5. Jahrhunderts n.Chr. (Millenium-Studien zu Kultur und Geschichte des ersten Jahrtausends n.Chr. 11), Berlin 2007.
Herklotz, Ingo: Der Campus Lateranensis im Mittelalter, in: Römisches Jahrbuch für Kunstgeschichte 22 (1985), S. 3-43
Krautheimer, Richard:Rom. Schicksal einer Stadt 312-1308, Darmstadt 21996, S. 340 – 358
Wallraff, Martin: Sonnenkönig der Spätantike. Die Religionspolitik Konstantins des Großen. Freiburg, Basel, Wien 2013.
Wehrens, Hans Georg: Rom. Die christlichen Sakralbauten vom 4. bis zum 9. Jahrhundert, ein Vademecum. Freiburg 2016.
| Ort | Roma |
| Autor | Romexkursion2018 |
| Kategorien | Kirche/Kloster |
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| Zugeordnete Touren | Konstantin und der Lateran |