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PNF ('Partito Nazionale Fascista')

Grundlagen Informationen - Der Umbau Roms zur Metropole des Faschismus

  1. Der Faschismus und Rom

Der Faschismus hatte ursprünglich nichts mit Rom zu tun. Tatsächlich war Rom für die frühen Faschisten sogar der Inbegriff des parasitären und korrupten Italiens, gegen das sie sich auflehnten.[1] Denn Rom war die Stadt der Kleriker und Kirchen, der reaktionären Adligen und korrupten Politiker. Es vereinte also für die Landbevölkerung und das Kleinbürgertum alle Missstände.[2]

Während der provinzielle Faschismus auch nach der Machtergreifung seine antirömische Haltung beibehielt, erkannte Mussolini schon früher, dass er Italiens nationalmonarchische, nationalliberale und katholische Elite nur dann für sich gewinnen konnte, wenn er Rom und die Antike in sein politisches Programm miteinband.[3]

Daher nutzte Mussolini die Stadt bereits unmittelbar nach der Eroberung der Regierungsgewalt mit dem als Staatsstreich inszenierten ‚Marsch auf Rom‘ im Oktober 1922. Dieser erinnerte unweigerlich alle Beteiligten an Sullas und Caesars Züge nach Rom.[4]

Diese geschichtspolitisch begründete Vereinnahmung der römischen Vergangenheit erfolgte im Zeichen der ‚Romanitá‘. Diese suggerierte eine mythische Vergangenheit von imperialer Größe im Mittelmeerraum (bezogen auf das Imperium Romanum) und legitimierte zugleich deren Erneuerung. Die Beschwörung einer ‚Romanitá fascistá‘ diente Mussolini sowohl zur Rechtfertigung seines imperialistischen Aktionismus als auch dazu sich selbst als ‚duce del fascismo‘ zu inszenieren und zu legitimieren.[5]

Rom wurde zum zentralen Ort der Selbstinszenierung des Regimes und des faschistischen Liktorenkultes, zur Aufmarsch- und Paradebühne, wo motorisierte Kolonnen und tausende uniformierter vor der Kulisse der Kaiserforen und des Kolosseums die Schlagkraft und Kampfbereitschaft des ‚neuen Italien‘ demonstrieren sollten.[6]

Auch bei der Erschaffung einer eigenen faschistischen Symbolwelt setzte man auf die Übernahme römischer Elemente. Das Liktorenbündel mit dem Beil wurde zum Zeichen der Partei und später sogar zum offiziellen Staatswappen erhoben. Seit 1928 mussten alle öffentlichen Gebäude, aber auch Straßen, Brücken und Brunnen mit dem fascio littorio geschmückt werden.[7]

Wichtig: Trotz der Rückbesinnung auf die römische Antike sollte diese nicht wieder erneuert werden, vielmehr sollte sie in der Gegenwart übertroffen werden. Dieser Umstand ist nirgendswo deutlicher zu sehen, als in der faschistischen Umgestaltung der Stadt Rom.

Im ersten Schritt sollte die bestehende Stadt umgestaltet werden, im zweiten Schritt ging der Faschismus über die Stadtbegrenzung hinaus und umgab Rom mit einem in sich geschlossenen Mantel von Trabantenstädten, welche jeweils einer bestimmten Funktion dienten.[9] In einem dritten Schritt gab es Pläne die Stadt mit einem breiten Straßennetz und gigantischen Bauwerken zu durchdringen. Diese hätten Rom alle anderen europäischen Hauptstädte überragen lassen - er wurden jedoch nie realisiert.[10]

 

         2.  Faschistischer Stadtumbau

Am wichtigsten für die urbanistische Entwicklung Roms war Mussolinis Absicht Rom der ganzen Welt als eine weitläufige, geachtete, geordnete und mächtige Stadt zu präsentieren – so wie Rom zur Zeit des Imperiums von Augustus war.

Auch hier ist wieder zu betonen, dass es dem Faschisten nicht um eine rückwärtsgewandte Antikenbegeisterung ging – Mussolini träumte von einer hochmodernen Stadt mit historischer Analogie zum kaiserlichen Rom.[11]

Bei der Umgestaltung sollten zunächst antike Monumente wie beispielsweise das Pantheon von allen späteren Überbauten befreit werden, um dann alleinstehend an die Zeiten des großen römischen Imperiums erinnern. Außerdem dienten die isolierten antiken Monumente als Hintergrund für faschistische Gewaltinszenierungen, für politische Aufmärsche und militärische Paraden.[12] Die antiken Monumente fungierten also als Akteur und Bühne zugleich.

Außerdem wurden die modernen Bedürfnisse nach Hygiene und einem guten Verkehrsnetz berücksichtigt.[13]

Das Regime verwandelte Rom in eine Baustelle mit gewaltigen Schuttbergen von insgesamt ca. 3 Millionen Kubikmeter Bausubstanz.[14]

 

 

[1] Vgl. Wolfgang Schieder: Der Umbau Roms zur Metropole des Faschismus, in: Für den Faschismuss bauen. Architektur und Städtebau in Italien Mussolinis, hrsg. v. Aram Mattioli/Gerald Steinacher, Zürich 2009, S.65-86, S. 65.

[2] Vgl. Martin Baumeister: Eine Hauptstadt für ein Imperium, S. 175.

[3] Vgl. Wolfgang Schieder: Der Umbau Roms zur Metropole des Faschismus, S. 65.

[4] Vgl. Martin Baumeister: Eine Hauptstadt für ein Imperium, S. 174 und 176.

[5] Vgl. Wolfgang Schieder: Der Umbau Roms zur Metropole des Faschismus, S. 65 und Martin Baumeister: Eine Hauptstadt für ein Imperium, S. 175 f.

[6] Vgl. Martin Baumeister: Eine Hauptstadt für ein Imperium, S. 174.

[7] Vgl. ebd. S. 177.

[8]  Vgl. Wolfgang Schieder: Der Umbau Roms zur Metropole des Faschismus, S. 67 und Baumeister S. 178.

[9] Vgl. Wolfgang Schieder: Der Umbau Roms zur Metropole des Faschismus, S. 67 f.

[10] Vgl. ebd. S. 68.

[11] Vgl. ebd.  S. 69.

[12] Vgl. ebd.  S. 73.

[13] Vgl. Martin Baumeister: Eine Hauptstadt für ein Imperium, S. 180.

[14] Vgl. ebd. S. 181.

 

Ort Roma
Autor Romexkursion2018
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Shalom
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