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Misrach 2020

Karavan-Denkmal auf dem Neupfarrplatz

Ort der friedlichen Begegnung -  Misrach

Den Christen war es bis zum 15. Jahrhundert nach dem kanonischen Recht verboten, Geld gegen Zinsen zu verleihen. Nicht so den Juden. Da ihnen das Ausüben eines zunftgemäßen Gewerbes und die Beschäftigung mit dem Ackerbau verboten waren, verdienten sie sich ihren Lebensunterhalt im Handel, als Pfandleiher oder im Zins- und Wechselgeschäft. So kam es im Laufe der Zeit vermehrt zu antisemitischen Ausschreitungen und zu einer zunehmenden Unterdrückung der jüdischen Bevölkerung. Zu ersten großen europäischen Judenverfolgungen kam es zur Zeit des Ersten Kreuzzugs (1096–1099). Die jüdische Gemeinde in Regensburg blieb von diesen weitgehend verschont. Doch einen erneuten Höhepunkt fanden die Judenpogromen in den sogenannten Pestpogromen während der Pestwelle in den Jahren 1348 bis 1353. Den Juden wurde vorgeworfen, die Brunnen vergiftet zu haben, um alle Christen zu ermorden. Nach Judenpogromen und Vertreibungen wurden die von ihnen einbehaltenen Schuldscheine meist für ungültig erklärt.

Nach Lockerung des Zinsverbots der katholischen Kirche verloren die Juden im Spätmittelalter an wirtschaftlicher Bedeutung. Zunehmend waren jetzt auch Christen - nun von der Kirche geduldet - als Kaufleute und als Geldverleiher tätig. In der den Juden feindlichen, durch das Christentum geprägten Gesellschaft, wuchs der religiöse Hass gegen die Andersgläubigen, eng verbunden mit deren zunehmender wirtschaftlicher Bedeutungslosigkeit.

All diese Faktoren verstärkten den allgemeinen Judenhass, sodass im Heiligen Römischen Reich die Juden im 15. Jahrhundert aus den meisten Reichsstädten vertrieben wurden. So auch in Regenburg. Doch deren genaue Umstände werden später noch Teil dieser Tour sein. Am 21. Februar 1519 begann der Abriss der Vorhalle der Synagoge, am folgenden Tag wurde auch der Hauptraum zerstört.

Überraschend kamen 1995 bis 1997 auf dem Neupfarrplatz die Grundmauern der zerstörten Synagoge bei Ausgrabungen zum Vorschein. Diese war zuvor unter der heutigen Neupfarrkirche vermutet worden.

2005 errichtete der israelische Künstler Dani Karavan exakt an der Stelle der 1519 zerstörten mittelalterlichen Synagoge das Misrach-Denkmal, ein Bodenrelief aus weißen Granitblöcken, das den Grundriss und die Fundamente des Bauwerks nachbildet. Der hebräische Schriftzug מזרח im Vordergrund bedeutet „Ort des Aufstrahlens“ oder „Osten“. Heute soll es nicht nur als Gedenk- sondern auch als Begegnungsstätte dienen. Er erinnert an das Zusammenleben von Christen und Juden, das die Regensburger Stadtgesellschaft seit dem Jahr 981 prägte.

 

Fragen und Arbeitsaufträge

1) Das Denkmal vor Dir ist frei begehbar. Vollziehe den Aufbau der Synagoge nach. Suche die wichtigsten Elemente und benenne diese.

    Tipp: Der Eintrag davor kann Dir dabei helfen!

2) Inwiefern haben die Radierungen Albrecht Altdorfers zur Identifizierung der Synagoge beigetragen? Gebe deine Vermutungen ab.

3) Durch das Denkmal befindet sich mitten in der Stadt ein Ort der Begegnung und des zivilisierten Miteinanders. Wie wirkt das Denkmal auf Dich? Begründe deine Meinung.

 

Literaturhinweise

Codreanu-Windauer, Silvia: The Medieval Jewish Quarter of Regensburg and its Synagogue. Archaeological Research 1995–1997, in: Insoll, Timothy (Hg.): Case Studies in Archaeology and World Religion. The Proceedings of the Cambridge Conference, Oxford 1999, S. 139–152.

Dittscheid, Hans Christoph: Die Synagogenbauten der Oberpfalz vom Mittelalter zur Moderne, in: Brenner, Michael/ Höpfinger, Renate (Hg.): Die Juden in der Oberpfalz. München 2009, S. 27–52.

Stadt Regensburg: Kultur von A bis Z in der Regensburger Kulturdatenbank. Ort der friedlichen Begegnung "Misrach“, auf: <https://www.regensburg.de/kultur/kulturdatenbank/eintrag/119001>, abgerufen am 29.06.2020.

(CD)

Ort Regensburg
Autor Stadtgeschichte...
Kategorien
Stadtbild
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Synagoge
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Lizenz Alle Rechte vorbehalten
Bildquelle
Ort der friedlichen Begegnung - Misrach
Urheber
Christina Drexler
Zugeordnete Touren Jüdisches Regensburg

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