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Mit U-Boot durch die Elbe 1976

Spektakulärer Fluchtversuch bis kurz vor Schnackenburg

English version below

Mitte der 1970er-Jahre unternahm ein Ehepaar aus der DDR einen außergewöhnlichen Fluchtversuch: Mit einem selbst konstruierten U-Boot wollten sie über die Elbe in die Bundesrepublik Deutschland gelangen. Der Plan scheiterte im eisigen Winter 1976 kurz vor der westdeutschen Grenze nahe Schnackenburg.

Das Ehepaar fühlte sich über Jahre hinweg politisch und persönlich stark eingeschränkt. Beide verfügten über eine fundierte Ausbildung und waren beruflich etabliert. Der Mann war Maschinenbauingenieur mit zusätzlichem Studium der Thermodynamik und arbeitete an der Entwicklung von Dieselmotoren. Die Frau leitete einen staatlichen Handelsbetrieb für Industriewaren.

Ungefähr sechs Jahre planten und bauten sie ihr U-Boot: Der Mann studierte Fachliteratur über Konstruktion und Wasserung von Tauchbooten, fertigte Berechnungen an und bezog über dienstliche und private Kontakte Materialien und Hilfe. Teilweise kamen optische Bauteile aus Jena, Stahlbleche aus Österreich, und Kollegen führten Arbeiten wie Schweißarbeiten aus, ohne den wahren Zweck zu kennen. Die aufwendigen Arbeiten blieben Polizei und Staatssicherheit völlig unentdeckt.

Das fertige U-Boot war rund sieben Meter lang, etwa 4 Tonnen schwer und hatte einen Durchmesser von fast einem Meter. Es wurde von einem Verbrennungs- und einem Elektromotor angetrieben und sollte eine geplante Tauchzeit von bis zu zwei Stunden ermöglichen. Der Transport zur Elbe erfolgte mittels Tieflader und Traktor, ohne dass die Behörden Verdacht schöpften.

Im Januar 1976 begann der Fluchtversuch. Wegen winterlicher Bedingungen und eines sowjetischen Militärmanövers mussten sie den geplanten Startort wechseln. Beim Versuch das U-Boot zu Wasser zu lassen, riss ein Seil und das U-Boot rollte unkontrolliert ins Wasser. Danach trieb das U-Boot ab, blieb aber nach wenigen hundert Metern zwischen Eisschollen stecken. Das Ehepaar setzte den Plan fort, brach allerdings beim Versuch zum U-Boot zu gelangen ins eiskalte Wasser ein und musste sich zunächst umziehen.

Als sie das U-Boot starten wollten, stellte sich heraus, dass Manövrierfähigkeit und Motorantrieb durch Beschädigungen ausgefallen waren. Sie entschieden sich dazu, sich in dem U-Boot treiben zu lassen. Doch bei Wittenberge wurde das U-Boot von Arbeitern des Wasserstraßenbauamtes entdeckt, die zunächst dachten, es handele sich um ein unidentifiziertes Treibgut. Nach der Feststellung, dass sich ein Ehepaar darin befand, informierten sie die Wasserschutzpolizei.

Kurz vor Erreichen der westdeutschen Seite nahe Schnackenburg griffen DDR-Sicherheitskräfte zu. Die Stasi beschlagnahmte das Boot und fertigte eine umfangreiche Fotodokumentation an. Experten des Ministeriums für Staatssicherheit kamen später zu dem Schluss, dass der Fluchtversuch mit hoher Wahrscheinlichkeit erfolgreich gewesen wäre, hätte das U-Boot keinen Schaden erlitten.

Wenige Monate später folgte die Verurteilung wegen versuchten ungesetzlichen Grenzübertritts. Der Mann erhielt eine Haftstrafe von sieben Jahren und die Frau von vier Jahren in unterschiedlichen Haftanstalten. Im Rahmen einer Amnestie kamen sie 1979 vorzeitig frei. 1982 durften sie in die Bundesrepublik ausreisen. Das selbst gebaute U-Boot wurde nach der Untersuchung durch die Staatssicherheit verschrottet.

© 2026 Stephan Prieß

 

​In the mid-1970s, a couple from the GDR made an extraordinary attempt to escape: They wanted to cross the Elbe into the Federal Republic of Germany in a submarine they had constructed themselves. The plan failed in the icy winter of 1976 just before the West German border near Schnackenburg.

The couple felt severely restricted politically and personally for years. Both had sound training and were professionally established. The man was a mechanical engineer with additional studies in thermodynamics and worked on the development of diesel engines. The woman ran a state-owned industrial goods trading company.

They planned and built their submarine for about six years: the man studied specialist literature on the construction and launching of submersibles, made calculations and obtained materials and help through official and private contacts. In some cases, optical components came from Jena, steel sheets from Austria, and colleagues carried out work such as welding without knowing the true purpose. The extensive work went completely undetected by the police and state security.

The finished submarine was around seven meters long, weighed around 4 tons and had a diameter of almost one meter. It was powered by a combustion engine and an electric motor and was intended to allow a planned diving time of up to two hours. The transport to the Elbe was carried out using a low loader and tractor without the authorities becoming suspicious.

The escape attempt began in January 1976. Due to winter conditions and a Soviet military maneuver, they had to change the planned launch location. While attempting to launch the submarine, a rope broke and the submarine rolled uncontrollably into the water. The submarine then drifted away, but after a few hundred meters got stuck between ice floes. The couple continued with the plan, but fell into the ice-cold water while trying to get to the submarine and had to change clothes first.

When they wanted to launch the submarine, it turned out that the maneuverability and engine propulsion had failed due to damage. They decided to drift in the submarine. But near Wittenberge, the submarine was discovered by workers from the waterway construction authority, who initially thought it was unidentified flotsam. After discovering that there was a married couple inside, they informed the water police.

Shortly before reaching the West German side near Schnackenburg, GDR security forces attacked. The Stasi confiscated the boat and created extensive photo documentation. Experts from the Ministry of State Security later concluded that the escape attempt would most likely have been successful had the submarine not suffered any damage.

A few months later he was convicted of attempting to cross the border illegally. The man received a prison sentence of seven years and the woman four years in different prisons. They were released early in 1979 as part of an amnesty. In 1982 they were allowed to leave the Federal Republic. The self-built submarine was scrapped after an investigation by state security.

© 2026 Stephan Prieß

Ort Lanz
Autor Stephan
Kategorien
Erinnern
Stadttor/-mauer
Brücke/Fluss
Suchbegriffe / Tags
Flucht
DDR
Grenze
Elbe
Schnackenburg
U-Boot
Historie
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Lizenz Alle Rechte vorbehalten
Bildquelle
Bundesarchiv Stasi-Unterlagen (BStU)
Urheber
Unbekannt

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