Mittelalterliche Synagoge um 1519
Zentrum des jüdischen Lebens
Spätestens seit dem 9. Jahrhundert beginnt eine Epoche des kaiserlichen Judenschutzes. Deutsche Kaiser, Könige und Bischöfe fördern die Ansiedlung jüdischer Kaufleute im Reichsgebiet. Kaiserliche Privilegienbriefe ermöglichen Juden, im Fernhandel tätig zu werden. Auslöser sind handfeste Wirtschaftsinteressen.
Die Einwanderer sollen den Warenaustausch mit dem Orient organisieren und den Binnenhandel ankurbeln. Diese Rechnung geht auf – reichliche Abgaben und Zölle aus dem florierenden Handel beschleunigen die Stadt- und Landesentwicklung. Und so gelangen über das Handels- und Verkehrsnetz der großen Flüsse auch jüdische Kaufleute nach Regensburg. Zehn Prozent ihrer Einkünfte führen Juden an den kaiserlichen Hof ab. Da die Juden als Minderheit zu ihrem Schutz einen engen gemeinschaftlichen Zusammenhalt pflegten, entstanden in den Städten eigenen Wohngebieten, sogenannte Judenviertel, umgeben von einer ihnen häufig feindlichen durch das Christentum geprägten Bevölkerung.
Bereits 981 wird erstmals urkundlich eine jüdische Gemeinde in Regensburg erwähnt, die älteste auf bayerischem Boden. Mitglieder ihrer Gemeinde zogen als Pelzhändler bis nach Russland. Das Regensburger Judenviertel siedelt sich im Bereich des heutigen Neupfarrplatzes an. In jüdischen Siedlungen waren Gebäude, die zur Erfüllung der religiösen Pflichten dienten, von besonderer Wichtigkeit. Daher bildet das Zentrum, wie in jeder jüdischen Gemeinde, eine Synagoge. Ihr Standort in der Mitte der Gemeinde sollte den zentralen Stellenwert der Religion im Leben unterstreichen. Darum gruppiert befanden sich eine Talmudhochschule, eine Schule, ein rabbinisches Gericht, ein Gemeindehaus, ein Hospital sowie ein Ritualbad. Die Stadt war im 12. und 13. Jahrhundert eines der wichtigsten Zentren jüdischer Gelehrsamkeit. An der berühmten Talmud-Schule studierten alle großen Rabbiner der Zeit. Kaiser Heinrich IV. und Friedrich I. Barbarossa sicherten den Regensburger Juden schriftlich ihre Rechte zu. Letzterer stattete sie 1182 mit einem Privileg für den Silber- und Goldhandel aus.
1227 wurde die Synagoge fertiggestellt. Sie war nach Köln, Trier, Speyer und Worms erst die fünfte im Reich.
Fragen und Arbeitsaufträge
Betrachte deine Umgebung. Wie wirkt der Ort auf Dich? Kannst du dir vorstellen, wieso genau hier eine Synagoge errichtet wurde? Diskutiere Standpunkte der jüdischen als auch der übrigen mittelalterliche Stadtbevölkerung.
Tipp: Denk daran, wer alles in einer mittelalterlichen Stadt lebte und welche Aufgaben damit verbunden waren!
Literaturhinweise
Bauer, Karl: Regensburg. Regensburg 41988.
Meyer, Isaak: Zur Geschichte der Juden in Regensburg. Gedenkschrift zum Jahrestage der Einweihung der neuen Synagoge, Berlin 1913.
Dittscheid, Hans Christoph: Die Synagogenbauten der Oberpfalz vom Mittelalter zur Moderne, in: Brenner, Michael/ Höpfinger, Renate (Hg.): Die Juden in der Oberpfalz. München 2009, S. 27–52.
(CD)
| Ort | Regensburg |
| Autor | Stadtgeschichte... |
| Kategorien | Stadtbild Erinnern Synagoge Platz/Park |
| Suchbegriffe / Tags | |
| Lizenz | Alle Rechte vorbehalten |
| Bildquelle | Außenansicht der mittelalterlichen Synagoge (nach einer vermutlich von Albrecht Altdorfer stammenden Skizze; im Hintergrund die Kirche des Augustinerklosters, 1838 abgebrochen) |
| Urheber | Isaak Meyer |
| Zugeordnete Touren | Jüdisches Regensburg |