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Mussolini-Obelisk 1932

Der Obelisk als Machtsymbol Mussolinis auf dem Foro Italico

Mussolinis "NUOVA ROMA"

Der gegenwärtige Anblick des historischen Roms beruht im Wesentlichen auf den baulichen Maßnahmen zur Zeit des italienischen Faschismus.[1] Dies bedeutet, dass unsere Wahrnehmung der antiken Baudenkmäler, ganze Stadtviertel, aber auch unser Blick auf den Petersdom maßgeblich durch die damaligen Bauarbeiten bestimmt werden. Wir sehen also viele der historischen Stätten genauso, wie es die städtebaulichen Akteure des faschistischen Regimes gewollt und eingerichtet haben.[2]

In der Nachkriegszeit wurden zwar zahlreiche faschistische Symbole wie das Liktorenbündel wieder entfernt (wenn auch nicht flächendeckend), aber an manchen Fassaden kann man die Spuren noch heute entdecken. Wesentliche Teile der faschistischen Bausubstanz sind heute ein fester Bestandteil des städtischen Raumes und haben sich für die Mehrheit der Passanten, ob Einheimische oder Touristen, aus ihrem ursprünglich politischen Kontext herausgelöst. Einige Gebäude erfüllen sogar weiterhin ihre damalige Funktion wie beispielsweise die Universitätsstadt.[3]

Der Faschismus

Ursprünglich eine 1919 von Benito Mussolini in Mailand gegründete politische Bewegung der ‚Fasci di combattimento‘ und ihre Ideologie. Der Ausdruck ‚Fasci‘ stammt von dem lateinischen ‚fasces‘ ‚Rutenbündel‘, dem altrömischen Symbol der Amtsgewalt.

Ideologie:  Die neue Bewegung war nationalistisch-militant mit imperialen Tendenzen (das Mittelmeer sollte als ‚mare nostro‘ unter italienischer Vorherrschaft stehen) sowie antiliberal und antimarxistisch zugleich.

Entstehung: Die politische Bewegung entstand aus einer allgemeinen wirtschaftlichen und sozialen Krise der Nachkriegszeit heraus, die von den Parteien des überkommenen parlamentarischen Systems nicht gemeistert wurde. Zudem entstand sie auch aus der Enttäuschung nationaler Kreise darüber, dass Italien im Ersten Weltkrieg nicht alle seine Ziele erreicht hatte (der „verstümmelte Sieg“ im ersten Weltkrieg erscheint hier als italienisches Pendant zur nationalsozialistischen Dolchstoßlegende).

Im Faschismus verbanden sich soziale Reformideen mit einer Heroisierung der Tat und des Kampfes, das Recht des Stärkeren und der Elitenherrschaft (Sozialdarwinismus). Die Bewegung fand ihre Anhänger vor allem in der Landbevölkerung und dem Kleinbürgertum, also jenen, die von den herrschenden Missständen besonders betroffen waren. Durch die Unterstützung bürgerlicher Kreise und der Kirche gelangte die faschistische Bewegung 1922 mit dem ‚Marsch auf Rom‘ an die Macht.

Herrschaftsordnung: Die Herrschaftsordnung des Faschismus beruhte vor allem…

  • auf dem Einparteiensystem und auf dem strenge Unterordnung einforderndem Führerprinzip
  • auf dem Gedanken des totalitären Staates, der keine Grundrechtsgarantien und Gewaltenteilung kennt und totalitär in alle Lebensbereiche eingreift – bis hin zur Freizeitgestaltung.

Ausstrahlung: Die neue Herrschaftsordnung fand in der Zwischenkriegszeit viel Beachtung. Sie schien in dieser krisenhaften Zeit Stabilität, Ordnung und nationalen Zusammenhalt zu gewährleisten. Auch in anderen Staaten Europas kam es zu ähnlichen politischen Bewegungen. Selten allerdings sind diese Bewegungen an die Macht gelangt. Außer der italienische Faschismus ist hier vor allem der Nationalsozialismus in Deutschland zu nennen. [4]

Teil (und zugleich anschauliches Beispiel) der faschistischen totalitären Durchdringung aller Lebensbereiche war die komplette und radikale Umgestaltung der Hauptstadt Rom. Das Symbolbild dieser Führung zeigt von daher den Mussolini-Obelisken auf dem heutigen Foro Italico, der mit seiner Inschrift MVSSOLINI DVX (‚Mussolini, der Führer‘) exemplarisch für den Anspruch des Duce steht. Zudem ist der Obelisk zugleich verweis auf die zahlreichen und Rom bis heute prägenden faschistischen Trabantenstädte und neue Stadtviertel, die Rom im Faschismus enorm wachsen ließen (u.a. die Garbatella, die Universitätsstadt in der die Universität la sapienza ist, das Sportzentrum Foro Italico [damals Foro Mussolini – Ort des Olympiastadions] oder eben die EUR [Esposizione Universale di Roma], welche Ziel dieser Tour ist).

Warum wurde das Stadtbild Roms so maßgeblich verändert? Was wurde damit bezweckt? 

 

Arbeitsaufträge:

  • Nennen Sie die grundlegenden Merkmale des Faschismus.
  • Vergleichen Sie den gegenwärtigen Umgang mit faschistischen/nationalsozialistischen Symbolen und Überrest in Italien (Rom) und Deutschland.
  • Bewerten Sie folgende These: „Ziel von Mussolinis Baupolitik war es das antike Rom wieder vollständig herzustellen.“

Weitere Tourempfehlung, die sich mit der Umgestaltung Roms im Faschismus befasst:

  • Mussolinis Rom, von Romexkursion 2018

 

 

[1] Vgl. Martin Baumeister: Eine Hauptstadt für ein Imperium. Rom unter dem Faschismus, in: Rom – Nabel der Welt. Macht, Glaube, Kultur von der Antike bis heute, hrsg. v. Jochen Johrendt/Romedio Schmitz-Esser, Darmstadt 2010, S. 173-190, S. 173.

[2] Vgl. ebd. S. 174.

[3] Vgl. ebd. S. 186.

 [4] Vgl. Schülerduden Geschichte. Das Fachlexikon von A-Z, 5.Auflage, Mannheim [u.a.], 2006, S. 170 f.

Literatur:

  • Baumeister, Martin: Eine Hauptstadt für ein Imperium. Rom unter dem Faschismus, in: Rom – Nabel der Welt. Macht, Glaube, Kultur von der Antike bis heute, hrsg. v. Jochen Johrendt/Romedio Schmitz-Esser, Darmstadt 2010, S. 173-190.
  • Schieder, Wolfgang: Der Umbau Roms zur Metropole des Faschismus, in: Für den Faschismuss bauen. Architektur und Städtebau in Italien Mussolinis, hrsg. v. Aram Mattioli/Gerald Steinacher, Zürch 2009, S.65-86.
  • Schülerduden Geschichte. Das Fachlexikon von A-Z, 5.Auflage, Mannheim [u.a.], 2006.

 

Ort Roma
Autor Romexkursion2018
Kategorien
Stadtbild
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Bildquelle
Le Foro Italico
Urheber
Jean-Pierre Dalbéra
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