Päpste des 15. Jh.s um 1420
Wie der Titel schon vermuten lässt, beschäftigt sich diese Tour mit der Rückkehr der Päpste nach Rom in Folge des Konstanzer Konzils.
Historischer Kontext:
Zunächst muss aber geklärt werden, wohin die Kurie gegangen war. Dazu ist ein Rückblick in die Geschichte des Papsttums nötig: Während des 13. und frühen 14. Jahrunderts gab es zum einen wiederholt Bemühungen - zunächst seitens der Stauferkaiser - den Universalanspruch des Papstes einzuschränken. Aus dem Konflikt mit den Staufern ging der Papst siegreich hervor, dieser Sieg war aber auch ein Faktor für die Enthebung Kaiser Friedrichs II. und mit seinem Ende dem Ende der Stauferdynastie. Das folgende Machtvakuum füllte das französische Königtum. Philipp IV. von Frankreich griff in der Folge ebenfalls die Ansprüche des Papstes an und übte erheblichen Druck aus. Bonifaz VIII. war diesem Druck nicht gewachsen und verstarb 1303. Bei der folgenden Papstahl machte sich der starke Einfluss französischer Kardinäle bemerkbar und mit Clemens V. wurde schließlich auch ein Franzose gewählt. 1309 verlegte er den Sitz der Kurie nach Avignon. Dort sollte der ungeteilte Papstsitz bis 1377 bleiben. Auch während des Abendländischen Schismas zwischen 1378 und 1417 blieb ein Teil der Christenheit unter der Obödienz Avignons. Erst dem Konzil von Konstanz gelang es, die Einheit des abendländischen Christentums unter einem Papst wiederherzustellen. Dieser Papst war Martin V. Die Abwesenheit der Kurie hatte sich indes deutlich auf Rom und sein Stadtbild ausgewirkt. Die Pilger, die für Rom Reichtum bedeuteten, hatten sich in dieser Zeit mehrheitlich nach Avignon gewandt. Ebenso fehlte den römischen Bürgern die Möglichkeit, ihre Waren an die Kurie zu verkaufen, sodass wichtige Einkünfte fehlten. Auch kümmerten sich die Päpste während ihres Aufenthalts in Avignon wenig um die Ewige Stadt und ihre Gebäude. Dies führte zu einem Niedergang der Bevölkerungszahlen, sodass Rom um die Wende vom 14. zum 15. Jahrhundert nur noch um die 25.000 Einwohner hatte. Gleichzeitig fand auch ein baulicher Niedergang statt: Nicht nur verlassene Stadthäuser, sondern auch Kirchen, Brücken und Mauern wurden baufällig. Das Bild, das Rom dem neugewählten Konzilspapst Martin V. bei seinem Einzug bot, war dementsprechend wenig erhebend. Hundert Jahre später hatte sich das Stadtbild Roms vollkommen gewandelt. Rom war neben Florenz zu einem Zentrum der Renaissance geworden und berühmte Künstler wie Raffael oder Michelangelo schufen beeindruckende Gebäude und Kunstwerke in der Metropole.
Leitfragen:
- Wie veränderten die Päpste des 15. Jahrhunderts Roms Stadtbild?
- Wie veränderte die Bautätigkeit die römische Gesellschaft und wie zeigen sich diese Änderungen im Stadtbild?
- Was lässt sich hieraus über die Bedeutung der Kurie für die Stadt Rom sagen?
Tourverlauf:
Martin V. erkannte, dass der Sitz des Papsttums keine heruntergekommene Provinzstadt sein konnte. Um dies zu ändern, gab er gezielte Baumaßnahmen in Auftrag. So veranlasste er Ausbesserungsarbeiten am Aurelianischen Mauerring und begann, heruntergekommene Kirchen wiederherstellen zu lassen. Im Verlauf des 15. Jahrhunderts setzte sich die Bautätigkeit unter der Schirmherrschaft der Päpste in Rom fort. Besonders Nikolaus V. und Sixtus IV. gaben umfangreichere Baumaßnahmen in Auftrag. Papst Sixtus etwa beauftragte den Bau der Sixtus-Brücke, die die rechts des Tibers gelegenen Gebiete zwischen dem Vatikan und dem Viertel Trastevere an der Tiberinsel erschloss. Vor allem verbindet man mit seinem Namen aber den Bau der Sixtinischen Kapelle, auch wenn die weltberühmten Fresken Michelangelos erst später hinzugefügt wurden.
Die Tour führt von der Villa Farnesina, an der gesellschaftliche Veränderungen im Rom des 15. Jahrhunderts exemplarisch verdeutlicht werden, zum Petersdom, der Krönung des päpstlichen Baubooms und schließlich zur Engelsburg als wichtige Sicherung des Vatikans und des reichen Händlerviertels jenseits des Tibers (näheres hierzu in der Tour "Bären am Tiber: Römischer Adel im Mittelalter" https://www.future-history.eu/de/user/3971/flag/lists/143).
Weiterführende Literatur:
- Dendorfer, Jürgen: Die Kurie kehrt zurück. Das erneuerte Rom der Päpste und Kardinäle im Quattrocento, in: Johrendt, Jochen/Schmitz-Esser, Romedio (Hg.): Rom - Nabel der Welt. Macht, Glaube, Kultur von der Antike bis heute, Darmstadt 2010, S. 103-117.
- Krautheimer, Richard: Rom. Schicksal einer Stadt 312-1308, Darmstadt 1996 (2. Auflage), S. 287-296.
- Reinhardt, Volker: Geschichte Roms. Von der Antike bis zur Gegenwart, München 2014 (2. Auflage).
| Ort | Roma |
| Autor | Romexkursion2018 |
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| Zugeordnete Touren | Die Rückkehr der Päpste |