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Platz der Alten Synagoge 2020

Platz der Alten Synagoge

Pogromnacht und Deportationen 

In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 brannten in Freiburg und in vielen anderen Städten Deutschlands jüdische Geschäfte und Synagogen. So auch die Synagoge am Werderring, neben dem Kollegiengebäude der Universität Freiburg. In dieser Nacht wurden tausende Juden misshandelt, verhaftet oder getötet. Angehörige der Sturmabteilung (SA) und der Schutzstaffel (SS) waren hauptsächlich verantwortlich für diese grausame Nacht.

In Freiburg wurden in dieser Nacht 137 Juden gefangen genommen und nach Dachau deportiert. Unter anderem auch Max Mayer. Dieser wurde von zwei Detektiven verhaftet. In ganz Deutschland wurden am 10. November mehr als 30.000 männliche Juden in Konzentrationslager verschleppt.

Die Bevölkerung wurde während des Pogroms eingeschüchtert und sah unter schockiertem Schweigen dabei zu. Nur wenige Menschen, die nicht der SA oder SS angehörten, beteiligten sich der Zerstörungen. Andere wenige boten ihren jüdischen Nachbarn ihre Hilfe an.

Max Mayer kehrte nach einigen Wochen wieder nach Hause zurück. Viele andere Juden allerdings nicht. Zudem folgten weitere Deportationen.

 

Aufgabe:

Beschreibe die Auswirkungen der Haft im KZ Dachau auf Max Mayer.

Lotte Mayer beschreibt:

„Obwohl das Nichts den Vater verschlungen zu haben schien, spieß ihn nach einigen Wochen wieder aus. Im noch frühen Dämmern eines Morgens kam er an vor dem Haus […]. Ich sah den Vater wieder. […] Er zog die Jacke aus, weil er etwas tun wollte. Er sah uns in die Gesichter und wir sahen ihm in sein Gesicht. Sein Gesicht zeigte uns Knochen mit Haut darüber. Die Zähne waren länger geworden. Die Augen standen eng beisammen in Angst und in geduckter Unterwürfigkeit. In das Gesicht waren Prügel geschrieben. Und über dem geprügelten Blick stand der Schädel, kahl. Der Mann war kahlgeschoren. Er sah in unsere Gesichter und bat uns um Verzeihung. Er bat um Verzeihung wegen seines veränderten Wesens. […]An jener Stelle Mitleid in mir riss etwas. Es entstand eine radikale Verletzung, die den Fluss des Lebens zwang, eine andere Richtung zu nehmen. Himmel und Erde, Nacht und Tag hatten sich verändert. Es wurde alles anders für immer. Die Wahrheit hatte eingeschlagen. (…) Die nächste Wochen ohne Haar waren schwierig zu überbrücken. Der Vater konnte außerhalb des engsten Freundeskreises den Hut nicht abnehmen. Denn das gab es ja nicht in Deutschland, dass einer kahlgeschoren herumlief. Das gab es bei Strafgefangenen, aber nicht bei unbescholtenen Bürgern. Und auf solche Weise, die es in Deutschland nicht gab, herumzugehen, war Anklage, war Widerstand und lebensgefährlich. Von einer Reise, die man gemacht hatte, kam man nicht mit nacktem Schädel zurück. Aber es wuchsen Stoppeln, und sie wurden länger, und das Haar legte sich schließlich, weiß geworden, wieder über den Kopf. Die ins Gesicht geschriebenen Prügel und anderes nicht Ausgesprochenes überwuchsen nach Jahren. Es blieben jedoch kahle Stellen bis zum Tod.“ (https://www.schule-bw.de/faecher-und-schularten/gesellschaftswissenschaftliche-und-philosophische-faecher/landeskunde-landesgeschichte/module/epochen/zeitgeschichte/ns/freiburg/ab0.pdf (02.06.2020))

 

Quellen:

https://www.lpb-bw.de/reichspogromnacht (03.06.2020)

https://www.dhm.de/lemo/kapitel/ns-regime/ausgrenzung-und-verfolgung/novemberpogrom-1938.html (02.06.2020)

Das Schicksal der Freiburger Juden 1933 bis 1945 https://www.schule-bw.de/faecher-und-schularten/gesellschaftswissenschaftliche-und-philosophische-faecher/landeskunde-landesgeschichte/module/epochen/zeitgeschichte/ns/freiburg/ab0.pdf (02.06.2020)

HAUMANN, Heiko, et al., Hakenkreuz über dem Rathaus. Von der Auflösung der Weimarer Republik bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges (1930–1945), in: HAUMANN, Heiko, SCHADEK, Hans (Hg.), Geschichte der Stadt Freiburg im Breisgau, (Von der badischen Herrschaft bis zur Gegenwart 3), Stuttgart 2001, S. 325–339.

Ort Freiburg im Breisgau
Autor Digitalisierung...
Kategorien
Erinnern
Synagoge
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Lizenz Unbeschränktes Nutzungsrecht (Public Domain)
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Zugeordnete Touren Das Schicksal einer jüdischen Familie (Mayer)

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