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Renaissanceholzdecke 1585
Cedernsaal - Decke und Funktion
Wer die steile Treppe von der Eingangshalle nach oben in den Cedernsaal steigt, dem bietet sich schon bei Hinaufgehen ein fantastischer Anblick der einzigartigen und namensgebenden Holzdecke. Der Saal hat eine Größe von 30,75 x 12,20 m und ist 10 m hoch. Er ist einer der größten und schönsten Profanräume der Renaissance nördlich der Alpen. Gestaltet wurde dieses Kunstwerk von dem Augsburger Meister Wendel Dietrich. Er fertigte die über 360 qm große Kassetten-Decke im Jahre 1585. Sie wurde mit 400 großen Schraubhaken am Dachstuhl befestigt, diese Art der Montage hielt sich bis in die heutige Zeit. Die Schrauben werden natürlich regelmäßig überprüft.
Die Decke besteht aus 11 verschiedenen Holzarten, es wurden Laub- und Nadelhölzer verwendet, unter anderem Linde, Eiche, Zwetschge, Eibe, Ahorn, Nuss, Zirbelkiefer und natürlich Ceder. Diese wurde wahrscheinlich aus dem Libanon importiert, schon zu Zeiten Hans Fuggers war das ein großer Luxus. Die Farbigkeit der Decke entsteht größtenteils durch die Kombination der verschiedenen Holzarten, es wurde nur ganz wenig mit einzelnen Lasuren die Farbigkeit verstärkt oder konserviert, insbesondere bei den Rot- und Weißtönen, die sonst mit der Zeit verblichen beziehungsweise vergilbt wären.
Das gesamte Werk ist in drei große Kassettenfelder unterteilt, welche wiederum in quadratische und ovale Kassetten unterteilt sind. Allen gemein ist ihre reiche Ausstattung mit geschnitzten Zierelementen. Wir finden hier sowohl geometrische Muster als auch Blumenranken, Rosetten, Masken oder Früchte. Ein Hauptelement des Dekors bildet die immer wieder auftauchende Fuggerlilie. Diese wurde dem Hause Fugger im Jahre 1473 von Kaiser Friedrich III. als Wappensymbol verliehen.
Dieser prächtige Saal war damals wie heute der wohl wichtigste Repräsentationsraum im ganzen Schloss. Wie viele Feste dieser schöne Raum wohl über die Jahrhunderte erlebt haben wird? Man mag es sich gerne vorstellen!
Zu Beginn des 20.Jahrhunderts entschied sich der damalige Schlossherr, Graf Carl Ernst Fugger von Glött, den Saal einem interessierten Publikum zu öffnen. Für die Kirchheimer Kinder gab es daraufhin lange Jahre die Tradition einer Bescherung bei Kerzenschein zu Weihnachten. In den 50er Jahren des 20. Jahrhunderts entdeckte man den Saal noch einmal neu und nutzte ihn aufgrund seiner hervorragenden Akustik für klassische Musikkonzerte.
Joseph Ernst Fürst Fugger von Glött war es, der diese Konzerte möglich machte und der mit viel Engagement eine Reihe von Kirchheimer Schloss Konzerten aufbaute.
Portale, Kamin und Figuren
Neben der Decke sind im Cedersaal noch weitere interessante Ausstattungsstücke zu sehen. Sehr prominent sind die beiden Portale an den kurzen Seiten des Saals, diese stammen ebenfalls aus der Hand von Wendel Dietrich. Die großen Türblätter werden je von zwei korinthischen Säulen gerahmt und nach oben hin von einem für die Zeit der Renaissance typischen sogenannten gesprengten Giebel abgeschlossen. Die beiden Portale haben eine Größe von 3,86 x 6,17 m. Die Portale führen in sogenannte Vorzimmer von denen man wiederum weitere Räume erreichen kann.
Ebenso wenig zu übersehen ist der große Kamin in der Mitte der Ostwand. Der Unterbau besteht aus Marmor und wird von zwei toskanischen Säulen getragen. Auf den hölzernen, marmorierten Aufsatz finden sich wieder einige kunstvoll gestaltete Figuren. Diese wurden im Jahr 1587 von Hubert Gerhard fertig gestellt und zur Vollendung des Kamins angebracht. Es handelt sich hierbei um die Darstellung des Kriegsgottes Mars, ihm gegenüber die Göttin der Liebe, Venus. Über den beiden schmiedet Vulcanus, der Gott des Feuers eine Kette. Darüber halten zwei Putten eine Girlande und schließlich wird das Ganze von zwei Engeln gekrönt, die das Wappenschild des Hauses Fugger in Händen halten. Ganz bestimmt hat der Auftraggeber dieser Statuen die Symbolik sehr bewusste gewählt, denn immer wieder kann man sowohl Stärke repräsentierende Charaktere als auch sanfte und weise Gestalten im Einklang finden.
Dieses Thema findet sich auch bei den insgesamt 12 überlebensgroßen Terrakotta Figuren wieder, die in den Wandnischen der Längsseiten aufgestellt sind. Sie entstanden in den Jahren 1582 - 1585 durch die beiden Künstler Hubert Gerhard und Carlo Pallago. Gleichberechtigung im heutigen Sinne hatte der Bauherr wohl noch nicht im Sinn, trotzdem ist es bemerkenswert,
dass in der damaligen doch stark männlich geprägten Weltanschauung zu gleichen Teilen Frauen- und Männergestalten dargestellt wurden, die für jeweils eine ehrenwerte Tugend oder Eigenschaft standen.
An der Westwand finden Sie Cyrus, König von Persien von 559 bis 530 v. Chr., Alexander den Großen, Gaius Julius Cäsar, Kaiser Augustus, Karl den Großen und Kaiser Karl V. .
Ihnen gegenüber stehen an der Ostwand: Judith mit dem Haupt des Holofernes, Lucretia, eine römische Adelige um 500 v. Chr., die für ihre Tugendhaftigkeit berühmt war; Kaiserin Helena mit dem Kreuz, die Mutter des Kaisers Konstantin, die in der katholischen Kirche als Heilige verehrt wird; Adelheid, die Gemahlin des Kaisers Otto des Großen, die 1097 heilig gesprochen wurde, die Heilige Elisabeth von Thüringen und Isabella von Spanien, die Gemahlin Karls V. .
Fenster, Gemälde und weitere Ausstattung
Zum heutigen Zeitpunkt befinden sich im Saal noch sechs große Gemälde. Ursprünglich waren es wohl weit mehr, ein altes Inventar aus dem 18. Jahrhundert zählt 25 Bilder auf, es könnte sich hier um jene Gemälde handeln, die Hans Fugger zur Bauzeit in Italien für die Ausstattung seines Schlosses bestellte.
Die beiden Portraits gegenüber des Kamins wurde bereits im Jahr 1566 fertiggestellt und bildenden den Schwager Hans Fuggers, Micheal von Eitzing und seine Frau Maria Fugger ab. Maria war eine Schwester von Hans Fugger.
An den beiden Stirnseiten befinden sich je zwei großformatige Darstellungen von Tätigkeiten, Fähigkeiten oder Sinnen der Menschen in allegorischer Art und Weise. Die Werke stammen von Paolo Franceschi aus den Jahren 1581 bzw. 1584.
An weiteren Ausstattungsgegenständen finden sich zum Stand heute noch einige Schränke und ein Schreibsekretär. Die Schränke stammen aus der Zeit um 1720, sind also barocke Stücke, die der Bauherr selbst also nicht mehr zu Gesicht bekommen hat. Ebenso verhält es sich mit dem hübschen Sekretär. Dieses aus Augsburg stammende Möbel wird auf die erste Hälfte des 18. Jahrhunderts datiert, ist also in etwa im gleichen Alter wie die Schränke.
Schließlich wenden wir uns den bunten Glasfenstern des Saales zu. Hans Fugger ließ zur Bauzeit große Kristallscheiben aus Venedig für den Cedernsaal anfertigen. Der Glasermeister Daniel Ott wurde seinerzeit mit der Abwicklung dieses Geschäfts betraut, aus seinen Archiven wissen wir auch, dass in diese Scheiben schon in der Renaissance Motive integriert wurden, wie zum Beispiel Wappen des Hauses Fugger und seiner Verwandten.
Die beiden ältesten noch erhaltenen Scheiben befinden sich hinter dem Treppenaufgang von der Eingangshalle her. Sie stammen noch aus dem 16. Jahrhundert und zeigen die Mutter Gottes bzw. ein Portrait Kaiser Karls V. . Die überwiegende Anzahl an Glasgemälden , wie sie heute zu sehen sind, geht auf die Initative von Fürst Carl Ernst Fugger von Glött zurück, der Anfang des 20. Jahrhunderts viele Fenster nach altem Vorbild gestalten ließ.
Musiktradition im Zedernsaal seit 1957
Aufgrund der Konzerttradition von über 40 Jahren im Zedernsaal war es für Angela Fürstin Fugger von Glött wichtig, die Tradition ihres Mannes Joseph-Ernst Fugger von Glött fortzuführen.
In Kirchheim gingen große musikalische Künstler ein und aus, unter anderem Carl Orff, Gustav Leonhardt, Paul Badura-Skoda, das Collegium Aureum mit Franzjosef Maier, Hans-Martin Linde, das Koeckert-Quartett, Deller Consort, Jörg Demus, Pro Cantione Antiqua, The Consort of Musicke mit Emma Kirkby, der Tölzer Knabenchor mit Gerhard Schmidt-Gaden, das Melos-Quartett und viele mehr.
Seit dieser Zeit findet in der warmen Jahreszeit der Kirchheimer Musiksommer statt.
Unter der Konzertreihe Fugger Classics traten von 2003 bis 2007 unter anderen folgende Künstler auf: Alfredo Perl, Julia Fischer, Milana Chernyavska, Christoph Hammer, Martin Bruns, Münchner Klaviertrio, Arnulf von Arnim, Kurt Guntner, Rimskij-Korsakow Quartett, Casal-Quartett, Dudi Mazmanishvilli, Arabella Steinbacher, Daniel Müller-Schott, Nicolas Koeckert, Julius Berger, Severin von Eckardstein, Georg Hörtnagel, David Garrett und andere.
| Ort | Kirchheim |
| Autor | Kirchheim |
| Kategorien | Tourismus Burg/Schloss |
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