Rom, Ansprache Mussolinis 1931
Die Repräsentation des
antiken Erbes im Faschismus und die faschistische Stadtumgestaltung im
centro storico
Sicherlich wären die meisten Touristen schockiert, würde man Sie darüber informieren, dass ihre Wahrnehmung der geschichtsträchtigen bzw. antiken Bauten der „Ewigen Stadt“ hauptsächlich durch die architektonischen Veränderungen des faschistischen Regimes geprägt ist. Dies sollte jedoch nicht die Schönheit eines Rom Urlaubes verringern, sondern eher dazu anregen sein Wissen zu erweitern. Deshalb fordern wir Sie auf, durch diese Tour die unterschiedlichen Orte wie die Via dell’Impero, die Pizza Venezia, die Piazza Augusto Imperatore und schließlich die Via della Conciliazione zu besuchen, in welchen die faschistische Repräsentation des antiken Roms sowie der Rom Mythos bzw. der Kult der Romanità und natürlich die Verbindung Mussolinis zum Vatikan deutlich. Die Tour dient somit dazu, diese städtebaulichen Eingriffe sichtbarer und zugleich begreiflicher werden zu lassen.
An dieser Stelle ist eine kurze historische Einordnung des faschistischen Regimes notwendig, um die urbanistischen Veränderungen dieser Zeit kontextualisieren zu können.
Zuerst beschäftigt sich die Tour vor allem mit den architektonischen Veränderungen der 20er bzw. 30er des 20. Jahrhunderts und ist somit stark mit der Person des „Duce“, Benito Mussolini sowie den die Maßnahmen ausführenden Architekten (Antonio Munoz, Vittorio Balo Morpurgo usw.) verbunden. Mussolini kam 1922 durch seinen Marsch auf Rom an die Macht und prägte fortan als „duce“ (Führer) die Geschicke Italien und Rom. Gerade die Hauptstadt Rom war Mussolini besonders wichtig, wollte er doch eine besonders prachtvolle Hauptstadt, welche auch im internationalen Vergleich eindrucksvoll sein sollte.
Außerdem ist für die Stadtumgestaltung zentral, den faschistischen Mythos der Romanità zu beschreiben und zu begreifen Die Romanità bezeichnete in der faschistischen Vorstellungswelt den Gedanken eines Gefühls von der Überlegenheit des Römertums, welches von der Antike bis in die Moderne aufzufinden sei, und somit auch eine starke Inszenierung des Römerseins an sich mit sich brachte. Der Faschismus verstand sich dabei als letzte Stufe der seit der römischen Antike vorherrschenden Überlegenheit der italienischen Bevölkerung gegenüber anderen. Gerade im Kontext der faschistischen Umgestaltung Roms darf man diesen "Mythos-Rom" bei der Interpretation und Betrachtung der Stadt Rom nicht außer Acht lassen, da durch den Mythos die gewünschte Verknüpfung zwischen der glorifizierte römisch-antiken Vergangenheit (insbesondere der Herrschaft des ersten Kaisers Augustus) und der Zeit des Faschismus und Mussolinis kommuniziert wurde. Gerade durch die Architektur und die Stadtplanung sollte dieser Mythos an die Öffentlichkeit getragen und den breiten Massen vor Augen geführt werden.
Zudem war auch das Motiv der „Befreiung“ (sventramento) für das Regime sehr wichtig. Dieses drückt das Vorgehen des Regimes aus, das centro storico (also den historischen Stadtkern) von der nachantiken Bebauung zu befreien, um somit zum einen moderne Straßennetze erschaffen zu können und zum anderen die antike Bebauung im direkten Kontext mit der neuen Faschistischen zeigen zu können. Antikenbezug und Modernisierungsanspruch gehen hier Hand in Hand. Damit verbunden waren jedoch großangelegte Abrissaktionen und somit der Verlust von tausenden Wohnungen. Es darf nicht vergessen werden, dass auch die Straßen, die bis zum heutigen Tage genutzt werden, Ergebnis der faschistischen Umgestaltung Roms sind (z. B. die via del Impero oder die via della conciliazione).
Zugleich soll diese Tour zu den folgenden Diskussions- und Erkundungsfragen einladen:
- Wie ging das faschistische Regime mit dem historischen Erbe um?
- Inwieweit / Warum nutzt das Regime den Mythos der Romanità in der Architektur und Stadtplanung?
- Warum war die dargestellte Augustus-Mussolini Parallelität für die Faschisten wichtig/nützlich?
- Kann jede „Befreiung“ antiker Monumente (aus faschistischer Sicht!) als Erfolg gesehen werden? – hier sollten zugleich die Kosten der Zwangsumsiedlung beachtet werden.
- Welche Bedeutung bzw. Symbolik haben Straßen im Faschismus?
- Welche Bedeutung hatte der Vatikan für Mussolini und das Selbstverständnis der Stadt?https://www.future-history.eu/de/user/3971/flag/lists/140
- Wie ging man im Faschismus mit der eigenen Geschichte im Allgemeinen um?
- Wie wird im Stadtraum mit dem Erbe des Faschismus umgegangen bzw. daran erinnert?
Abschließend möchten wir an dieser Stelle auf die Tour „Mussolinis Nuova Roma“ hinweisen, welche sich mit der urbanistischen Erweiterung der Stadt unter Mussolini am Beispiel der EUR beschäftigt.
Des Weiteren: falls noch Interesse an einer Vertiefung des Themas vorliegt kann folgende Literatur empfohlen werden:
- Schieder, Wolfgang: Rom – Die Repräsentation der Antike im Faschismus, in: Hölkeskamp, Elke-Stein/ Hölkeskamp, Karl-Joachim (Hrsg.), Erinnerungsorte der Antike. Die römische Welt, München 2006, S.701-721.
- Baxa, Paul: Roads and Ruins. The Symbolic Landscape of Fascist Rome, Buffalo/London/Toronto 2010.
- Visser, Romke: Pax Augusta and Pax Mussolniniana. The fascist cult of the romanitá and the use of “Augustan” conceptions at the Piazza Augusto Imperatore in Rome, in: Van Kessel, Peter (Hrsg.), The power of imagery: Essays on Rome, Italy and imagination, Oreste 1993, S.109-130.
- Bodenschatz, Harald: Städtebau für Mussolini. 2nd Aufl. Berlin: DOM Publishers. 2013
- Fugate Brangers, Susan: Political Propaganda and Archaeology: The Mausoleum of Augustus in the Fascist Era. In: International Journal of Humanities and Social Science, 2013, Vol.3 No. 16, S. 125 – 135.
| Ort | Roma |
| Autor | Romexkursion2018 |
| Kategorien | Erinnern |
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| Bildquelle | Das Bundesarchiv |
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| Zugeordnete Touren | Mussolinis Rom |