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1937 2004
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Sicht auf den Borgo 1937

Sicht auf das Borgo vom Petersdom 1937

Die Via della Conciliazione sollte die architektonische Verkörperung der Lateranverträge sein, die am 11. Februar 1929 zwischen dem Vatikanstaat und dem faschistischen Regimes Mussolinis geschlossen wurden. Diese große Aussöhnung sollte ganz nach faschistischer Ideologie im Stadtbild Roms festgehalten werden. Die lange Prachtstraße verbindet nun Berninis Petersplatz, Symbol des Papsttums und die Engelsburg.

Die Via della Conciliazione ist jedoch keine vorhandene und umgetaufte Straße von Mussolini, sondern eigens zum Zwecke der „Versöhnungsdarstellung“ erschaffen worden. Das Viertel zwischen Petersdom und Tiber, das Borgo, war ein Komplex aus kleinen Straßen und Gasse aus dem Mittelalter und wurde ab 1936 ein Jahr lang abgerissen und abgetragen. Die faschistische Legende besagt, Mussolini habe im Jahr 1934 von der Engelsburg nach Westen geschaut und die Lösung eines langen städtischen Problems vor seinem Auge erblickt. Innerhalb eines Jahres wurde 729 Wohnungen zerstört und viele alte Bauten, die in Verbindung mit dem Christentum und somit dem Papsttum standen fielen diesem Prozess zum Opfer. Auch mussten vielen Anwohner umgesiedelt werden. In der faschistischen Ideologie waren dies Bauten, die die christliche Religion verherrlichten. In der kultischen Überhöhung des Faschismus hatte eine starke christliche Religion jedoch nur schwer Patz und gehörte nicht zu Mussolinis Romplänen. Auch wenn die zwei parallelen Straßenfronten, die auf einen trapenzförmigen Platz münden und von zwei Propyläen eröffnet werden, die Versöhnung, die Conciliazione, und Einheit zwischen Kirche und Italien darstellen sollte, sieht man schon im Umgang mit dem Altem (der historischen Bausubstanz), dass auch hier die faschistische Ideologie am Werk war. Denn die künstliche Verbindung zwischen Kirche und dem Ventennio, dem italienischen Faschismus, eine architektonische Darstellung der Lateranverträge, verstehen Historiker heute eher als ein Kontrollinstrument Mussolinis über den Vatikan. Die Via della Conciliazione ist nun auch eine direkte Sichtachse auf den Vatikan, nachdem mittelalterliche Bausubstanz (Mittelalter als Sinnbild für das Christentum) abgetragen wurde.
Die Abtragung des Borgos und die Einrichtung einer langen, breiten und modernen Prachtstraße im Centro Storico zeigen, dass Mussolini nicht nur die Antike und ihre Schauplätze nutzte, sondern auch andere (nicht per se Antike) Situationen und Konstellationen des Centro Storico instrumentalisiert werden konnten. Der Faschismus prägte das Stadtbild also nicht auf einer (antikenrezipierenden) Ebene, sondern durchdrang das Stadtbild im Allgemeinen, wodurch dieses bis heute faschistisch geprägt ist.

Erkundungsfragen:

  • Vergleiche diesen faschistischen Straßenbau im christlichen Kontext mit der eingangs besichtigten Via del Impero im antiken Kontext. Was fällt bei der Konstruktion der Straßen auf?  Lässt sich hier eine faschistisch idealtypische Straßenform ablesen? Wenn ja, warum könnte diese Form bei den Faschisten so beliebt gewesen sein?

 

Baxa, Paul : Roads and Ruins. The Symbolic Landscape of Fascist Rome, Toronto 2010.

Kent, Peter C. : The Pope and the Duce. The International Impact of the Lateran Agreements, London/Basingstoke 1981.

Kertzer, David I.: The Pope and Mussolini. The Secret History of Pius Xi. And the Rise of Fascism in Europe, Oxford 2014.

Ort Città del Vaticano
Autor Romexkursion2018
Kategorien
Stadtbild
Erinnern
Straße/Verkehr
Suchbegriffe / Tags
Petersdom
Via della Conciliazone
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Wikimedia Commons
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Unbekannt
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Lukask
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