Stadtamhof um 1900
Stadtamhof oder Willkommen in Bayern
Vor einigen hundert Jahren hätte man bei der Überquerung der Steinernen Brücke noch gesagt, man ginge nach Bayern hinüber. Warum? Dazu kommen wir noch!
Bereits 981 entstand sozusagen die Geburtsurkunde der einstigen Kleinstadt als das Kloster St. Emmeram ein Gut namens Scierstadt erwarb. Auch wenn Stadtamhof selbst nicht so genannt wurde, erinnern heute noch die Straße „An der Scierstadt“ und ein Café nicht weit von hier an das ursprüngliche Gut. Bis ins 15 Jahrhundert waren die Bezeichnungen „Vorstadt von Regensburg“, „an der Stetten“ oder „Vorstadt am Hof“ geläufig, bis sich schließlich „Stadt am Hof“ durchgesetzt hat.
Die 200 m lange Hauptstraße von Stadtamhof (siehe Bilder) hat sich bereits im 12. Jahrhundert angedeutet. Sie wurde nicht nur als Verlängerung der 1146 fertiggestellten Brücke angelegt, sondern war auch Schnittpunkt der beiden „Siedlungskerne“ des Ortes - Das 1138 gegründete Kloster St. Mang zu ihrer Linken (sie sehen den Kirchturm) und das 1212 erbaute St. Katharinen Spital rechts von Ihnen.
Etwa Mitte des 13. Jahrhunderts änderten sich die Machtverhältnisse am nördlichsten Punkt der Donau grundlegend. Während Regensburg zur Freien Reichsstadt erklärt worden war und somit direkt dem Kaiser unterstand, fiel Stadtamhof in den Herrschaftsbereich der bayerischen Herzöge (Wenn sie mehr Informationen über freie Reichsstädte haben wollen, hören sie dich die Audiodatei an). Das bedeutete auch, dass man beim Überqueren der Steinernen Brücke einen Zoll zu verrichten hatte, da man auf der anderen Seite nach Bayern „einreiste“, wo übrigens auch eine andere Währung, Maßeinheit und Kalender galten.
Stadtamhof war nun aus territorialer Sicht höchstinteressant geworden und wurden vermutlich auch deshalb von den bayerischen Herzögen stets gefördert. Nachdem es zur Marktgemeinde erhoben und mit einer ersten Befestigung umgeben worden war, erhielt Stadtamhof 1496 die rechtliche Stellung einer Stadt. Aber auf das Glück folgte das Elend. In den folgenden Jahrhunderten hielt nicht nur die Pest Einzug, die Stadt wurde auch zum Schauplatz des Spanischen Erbfolgekriegs, des Dreißigjährigen und dem Napoleonischen Krieges, bei welchem die Kleinstadt nahezu vollständig zerstört wurde.
Sein heutiges Erscheinungsbild ist Ergebnis des 1810 begonnenen Wiederaufbaus. Doch Stadtamhof konnte sich nur langsam von den vielen Jahren der Zerstörung erholen und galt auch noch einige Zeit nach der Eingemeindung nach Regensburg 1924 als Glasscherbenviertel der Stadt. Das hier einst Arbeitslose und Kriminelle gelebt haben sollen ist bei dieser charmanten Hauptstraße heute jedoch kaum mehr zu glauben.
Um zur nächsten Statione der Tour zu kommen, müssen wir nur ein paar Meter die Hauptstraße entlang schlendern.
Jetzt bist du dran! (Didaktische Fragen GS):
Zunächst muss der Text auf Grundschul-Niveau gebracht werden!
- Stadtamhof hat ein eigenes Stadtsiegel. Erklärt einem Partner wieso das so ist. Sucht nach dem Siegel und mal es ab. (Tipp: Sucht nach einer Steinsäule) Kennt ihr noch ein Stadtsiegel mit Schlüsseln? (Tipp: Das Bruckmandl sitzt darauf) Wenn ihr Lust habt, könnt ihr zurückgehen und auch dieses Siegel abmalen.
- Erklärt die Aussage „nach Bayern hinüber gehen“.
- Auf dem Weg nach Stadtamhof gab es einen Zoll und war man dann drüben, galten andere Maßeinheiten und eine andere Währung. Womit könnte man das Verhältnis der beiden Städte heute vergleichen. Tipp: denkt daran, wie es ist, wenn ihr in den Urlaub fliegt/ fahrt.
- Welche Rolle hatte die Donau zwischen den beiden Städten?
Sie war wie eine ______________.
- Erklärt, was mit einem „Glasscherbenviertel“ gemeint sein könnte. Lagen dort nur Scherben auf dem Boden? Denkst du, dass Stadtamhof heute noch das Glasscherbenviertel von Regensburg ist? Begründet eure Antwort.
- Gibt es einen Ort, den ihr als „Glasscherbenviertel“ bezeichnen würdet?
Didaktische Überlegungen – was können die SuS hier lernen:
Der Außerschulische Lernort Stadtamhof ermöglicht den Schülerinnen und Schülern (SuS) die Nähe von Stadtamhof zu Regensburg mit eigenen Augen zu sehen. Gleichzeitig wird ihnen klar, dass die Donau als schwer zu überwindende Grenze zwischen den beiden einstigen Städten fungiert hat. Die Aufgaben müssen nicht nur schriftlich beantwortet werden sondern enthalten auch Erkläraufgaben, Malaufträge und die Suche nach zwei Siegeln, die den Unterrichtsgang interessanter machen.
Die Aufgaben sprechen vor Allem den Wissenstransfer und den Lebensweltbezug der Kinder an. Bei der Komplexität des Themas erscheinen diese Punkte besonders wichtig um das Verständnis, Interesse und die Nachhaltigkeit zu sichern.
Im Lehrplan der Grundschule wäre das Thema mit den Lernbereichen aus HSU Dauer und Wandel oder Räume wahrnehmen und sich orientieren zu vereinbaren.
Literatur:
Bauer, Karl: Regensburg. Kunst-, Kultur- und Alltagsgeschichte, Regenstauf 2014⁶, S. 693 f.
Dr. Schmid, Diethard: Stadtamhof – ein Gang durch die Geschichte, in: Heimatverein Stadtamhof (Hrsg): Stadtamhof, Regensburg 1981, S. 12 ff.
Lang, Peter: Regensburg. Gestern und heute, Regenstauf 2017, S. 84 ff.
Audio:
Bauer, Karl: Regensburg. Kunst-, Kultur- und Alltagsgeschichte, Regenstauf 2014⁶, S. 13 f.
Hanna Christl
| Ort | Regensburg |
| Autor | Stadtgeschichte... |
| Kategorien | Stadtbild Straße/Verkehr Wiederaufbau |
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| Bildquelle | Lang, Peter: Regensburg gestern und heute, Regenstauf 2017 |
| Urheber | Peter Lang |
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| Bildquelle Vergleichsbild | Lang, Peter: Regensburg gestern und heute, Regenstauf 2017 |
| Zugeordnete Touren | Regensburg und die Donau |