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Stadtbild Rom 1843

Der abitato und der disabitato

Rom im Mittelalter – abitato und disabitato

Spricht man vom Mittelalter, dann heißt es meist, im Mittelalter gingen das Wissen und die Errungenschaften der Antike verloren. Erst die Renaissance löste diese dunkle Epoche ab und ließ die Antike in Kunst, Kultur und Gesellschaft wiederaufleben. Dennoch fand eine kleine Renaissance bereits im Mittelalter statt. Die Menschen befuhren nach wie vor dieselben Straßen und sie bauten in denselben Stadtmauern und auf demselben Untergrund wie zuvor die Römer. In Deutschland wurden aus den römischen Siedlungen Colonia Claudia Ara Agrippinesium und Augusta Treverorum die Städte Köln und Trier. Auch im einstiegen Mittelpunkt des Römischen Reiches fanden die Baumeister des Mittelalters eine innovative Verwendung für die antiken Monumente und Überreste. Rom als Palimpsest - eine mittelalterliche Stadt aufgebaut auf den Ruinen des antiken Imperiums. Hier spielten sich mindestens 3000 Jahre Menschheitsgeschichte ab und noch immer existiert in Rom eine große Anzahl von Gebäuden, die sämtliche Zeiten in sich vereinen. Die eindrucksvollsten Bauten werden jährlich von Millionen Touristen und Geschichtsinteressierten besucht. Sie geben ihnen Zeugnis von der Bevölkerung und der Besiedlung Roms. Ab etwa dem 7. und 8. Jahrhundert kam es zu einer starken Entvölkerung, die aus der einstigen Millionenmetropole eine unbedeutende Kleinstadt machte. Während im Jahr 300 n.Chr. noch eine Millionen Menschen Rom bevölkerten, waren es bis in das Jahr 1400 n.Chr. nur noch knapp 25000 Einwohner. Der Zerfall des Römischen Reiches ging mit Raubzügen der Langobarden, Sarazenen, Normannen und der politischen Bedeutungslosigkeit der Stadt einher. Wo früher Menschen lebten, verfielen nun ganze Stadtteile. Die zurückbleibende Bevölkerung zog sich zunehmend in die Gebiete bis hinter die Aurelianische Mauer zurück. In der Antike lag das Zentrum der Stadt um die Hügel des Kapitols und des Kaiserpalastes, dem Palatin sowie dem Forum Romanum und dem Colosseum. Die mittelalterliche Siedlung verlagerte sich in Richtung des Marsfelds und an die Ufer des Tiber. Ausgangspunkt waren die übriggebliebenen und bewohnten Viertel um das Pantheon und dem Kapitol. Die Stadtteile wuchsen ab dem 11. Jahrhundert weiter zusammen und breiteten sich in Richtung des ummauerten Borgo aus. Im Gegensatz zum mittelalterlichen Rom war die antike Stadt nicht auf den lokalen Handel und Anbau angewiesen, da den Römern ausreichend Importwege und Straßen zur Verfügung standen. Mit dem Verfall der Aquädukte und Straßen nahm der Tiber wieder seine lebensspendende Funktion ein und versorgte die Stadtbevölkerung mit Wasser und Gütern. Schaut man heute auf den Tiber hinab, so mag es unvorstellbar sein, dass die Stadtbevölkerung bis in das 19. Jahrhundert aus dem braunen Fluss ihr Trinkwasser schöpfte. Neben dem Tiber hatten die Kirche und das Papsttum maßgeblichen Einfluss auf die Besiedlungsstruktur Roms. Die Kirche gab der Stadt einen Teil der Struktur und Organisation zurück, die nach dem Fall des Römischen Reichs verloren ging. Zwischen dem 11. und 12. Jahrhundert errichtete man unzählige Kirchen und Klöster. Rund um die christlichen Bauwerke entstanden überall bewohnte Viertel, sodass sogar am inneren Rand der Aurelianischen Mauer, weit vom Tiber entfernt, eine kleine Satellitenstadt um den Lateran entstand. Fortan teilte man Rom in zwei Bereiche auf. Die besiedelten Gebiete bezeichnete man als den abitato und die unbesiedelten als disabitato. Zu den Zentren des abitato gehörten im Westen der Borgo und die Konstantinische Basilika St. Peter sowie der Kapitolshügel im Osten. Der disabitato begann hinter dem Hügel des Kapitols auf der Höhe des Forum Romanum. Von dort breitete er sich über das gesamte antike Zentrum aus, bis er schließlich den abitato umschloss. Bis ins 19. Jahrhundert bedeckte er einen Großteil der Fläche hinter der Aurelianischen Mauer. Erst die Einigung Italiens und die Rehabilitation Roms als Hauptstadt führte zu einer vollständigen Rückbesiedlung des disabitato. Bis dahin war die Landschaft mit den Ruinen antiker Gebäude nahezu gänzlich überzogen. Lediglich die Ärmsten bauten ihre Baracken in die Ruinen und die Bewohner des abitato pflegten ihre Weingärten oder führten hier ihr Vieh aus. Die antiken Gebäude verfielen zunehmend und verkamen zum Steinbruch. Letztendlich eroberte über die Jahrhunderte die Natur den disabitato zurück. Das vom Grün überzogene Mauerwerk wurde zu einem beliebten Motiv vieler Landschaftsmaler, deren Gemälde nicht erahnen lassen, dass hier das antike Zentrum Roms in der Neuzeit abgebildet wurde.

Ort Roma
Autor Romexkursion2018
Kategorien
Stadtbild
Suchbegriffe / Tags
Lizenz Unbeschränktes Nutzungsrecht (Public Domain)
Bildquelle
Nouva Pianta de Roma Moderna estratta dalla grand del Nolli corretta ed acccresciuta de nomi delle contrade indicati al loro rispettivo sito in Roma.
Urheber
Zugeordnete Touren Rom als Palimpsest

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