Station 2 Der Weinhof
Station 02 Der Weinhof und das Steuerhaus
Die Sattlergasse, wie wir sie heute nicht mehr kennen. Wieder hat nur ein einziges Gebäude die Zeit überdauert. Der Giebel des Steuerhauses, welches auch zeitweise als Lateinschule diente, ragt immer noch links am Ende der Straße hervor. Das schmale Fachwerkhaus, welches sich bereits auf dem Weinhof befindet, war einst eine sehr bekannte Weinhandlung.
Kaiser Barbarossa, wohl einer der berühmtesten Vertreter aus dem Herrschergeschlecht der Hohenstaufer, weilte oft in seiner Lieblingspfalz in Ulm. Eine Pfalz war eine Königsunterkunft, also eine Burganlage, wo dieser sich mit großem Gefolge sicher versorgt wußte. Diese befand sich einst genau hier auf dem Weinhof und gerade Kaiser Barbarossa blieb oft für Wochen in Ulm.
Die Ware:
Die schwäbischstämmigen Könige bemühten sich vor allem in den heimatlichen Landen um den Weinanbau.
Vor allem am Michelsberg und am Kuhberg gediehen die Ulmer Weinreben.
Wein wurde importiert, umgeladen, konsumiert. Im 15. und 16. Jahrhundert wurden am Weinhof bis zu 800 Fässer pro Woche umgeschlagen
Wein wurde auch aus der Gegend um Stuttgart nach Ulm gebracht und von dort über Land nach Baiern, Oberschwaben, auf Schiffen bis Österreich und Ungarn transportiert. Bald galt Ulm als wichtigster Platz für den Weinhandel in Süddeutschland.
Der Ulmer Wirt Erasmus Rauchschnabel hatte in der Mitte des 16. Jahrhunderts seinen Weinhandel sogar bis an den Kaiserlichen Hof Maximilians II. ausgedehnt.
Ab dem 15. Jahrhundert gab es auch einen vorgeschriebenen Schwur der Weinhändler, dem Getränk keinen Senf, Speck, Kalk, keine Lauge, kein Scharlachkraut, Bleiweiß, Quecksilber, Vitriol o. ä. zuzusetzen. Brach man den Weineid durch Meineid, standen darauf die härtesten Strafen. Der gute Ruf der Reichsstadt stand schließlich auf dem Spiel.
Bei Zuwiderhandlungen schlug es dem Fass den Boden aus.
Die Währung (falls du dir nicht die Tasche mit Waren und Währungen abgeholt hast, schau mal in das Video rein):
Kommen wir zu unserer Münze, die den frühen Handel auf dem Weinhof, der Keimzelle der Stadt, symbolisieren soll. Während wir noch bei der Müllerfiliale relativ nah an unserer Zeit geblieben sind, haben wir es hier mit der ältesten, in Ulm geprägten, Münze zu tun.
Seit Karl dem Großen durften Münzen nur in Kaiserlichen Pfalzen geprägt werden. Diese Voraussetzung konnte Ulm also erfüllen. In Ulm wurde vom 11. bis zum 13. Jahrhundert der sogenannte Reichspfennig geprägt, welcher beidseitig mit einer Prägung versehen war. Die Abbildung auf der einen Seite erinnert sehr an das Haus vom Nikolaus.
Der Wert der Münzen wurde nicht durch den Herrscher garantiert, sondern durch das Münzgewicht, also den Feingehalt an Edelmetall definiert. Naja, schwer ist sie nicht gerade, die Währung.
Vom richtigen Ulmer Geld spricht man aber erst ab 1398. Durch ein Privileg König Wenzels geht die Hellermünzstätte in Städtischen Besitz über.
Der Wert:
Was war er nun Wert, der Reichspfennig?
Das ist unglaublich schwer zu ermitteln und variiert von Jahr zu Jahr, von Region zu Region.
Außerdem lässt es sich in kein Verhältnis mehr zu unserer Währung setzen. Gab man damals noch den Großteil seines Einkommens allein für die Nahrung aus, waren es im Jahr 2022 im Deutschen Durchschnitt nur noch 14,7 % der gesamten Konsumausgaben.
Dennoch gibt es ein paar Daten durch die örtlichen Chroniken.
Im Jahr 1256, dem Ausklang der Stauferzeit, kostete ein Eimer Frankenwein zwischen 55 und 75 Pfennigen.
Der Wert des Weines variiert außerdem mit den Erträgen. Das weinreiche Jahr 1539 prägte den Spruch: „Tausend Fünfhundert Dreissig und Neun galten die Fass mehr als die Wein.“
Das Quiz:
Was war denn nun eigentlich ein „Eimer“ für eine Maßeinheit?
Diese variierte auch wieder von Stadt zu Stadt.
In Ulm war der Eimer umgerechnet 164,6 l.
Da aber die Händler aus allen Richtungen kamen bestand bis 1626 in Ulm das Problem, dass für Eichungen und Kalibrierungen unterschiedliche Urmaße eingesetzt wurden, was zu erheblichen Problemen bei Abrechnungen im Handel führte.
Welcher berühmte Astronom wurde mit der Konzeption eines Kessels betraut, der fünf städtische Hohlmasse in sich vereinen sollte und der vor allem dem Betrug beim Weinhandel Einhalt gebieten sollte?
a Johannes Kepler
b Nikolaus Kopernikus
c Tycho Brahe
Die Auflösung:
Aber wir wollen nicht die Auflösung des Rätsels von Station 1 vergessen.
Es waren Hellmut Hattler und Joo Kraus, welche mit Tab Two die Jazz-Szene aufmischten.
Kraus an der Trompete, also dem T, und, oder AND, Hattler am Bass, dem B.
Trumpet and Bass = TAB Two.
„Diese Führung ist in Kooperation mit dem Donaubüro Ulm/Neu-Ulm und durch die Finanzierung des Interreg-Projekts „Transdanube Travel Stories“ entstanden“
| Ort | Ulm |
| Autor | Ulm Touren App ... |
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