Station 5 Die Stadtmauer
Station 05 Die Stadtmauer
Die heutige Grasfläche zwischen den Mauern war einst ein kleiner Hafen. Dadurch, dass die Mauer 1480 in die reissende Flut der Donau gebaut wurde, wie es beim Fischerplätzle auf einer Plakette geschrieben steht, ursprünglich also keine Uferanlage besaß, war sie auch wehrfähiger.
Im 19. Jahrhundert verlor sie mit dem Bau der Bundesfestung die Abwehrfunktion und die Zwinger wurden trocken gelegt.
Hier blickt man die Donau hinunter. Sie verbindet 10 Länder miteinander. An ihren Ufern reihen sich neben 4 Hauptstädten auch allerlei Klöster. Diese begehrten als Fastenspeise ein Ulmer Exportgut.
Ware:
Die Schnecke!
Der Ulmer Gelehrte Johann Herkules Haid schreibt im Jahre 1786: „So bringt dieses verachtete Insekt immer noch zehn bis fünftausend Gulden bares Geld ins Land.“ Er bringt also dem Weichtier durchaus Respekt entgegen, wobei er es fälschlicherweise den Insekten zuordnet.
Im stärksten Exportjahr waren es wohl vier Millionen Schnecken, die den Ulmer Raum in Fässern verliesen.
Im Spätherbst wurden die eingedeckelten Schnecken, die sich so auf den Winter vorbereiteten, in Fässer getan, eingebettet in Moos. Am rechten Donauufer warteten sie auf Ihre Verschiffung. War allerdings die Herbstsonne allzu mild, krochen die Schnecken wieder hervor und sprengten im schlimmsten Fall durch ihre Ausbreitung sogar das Fass.
Bleiben wir im Kulinarischen Bereich und beleuchten eine weitere Exportware:
Der Ulmer Spargel! Er entwickelte sich im 18. Jahrhundert zu einem Exportschlager und wurde bald auch in Frankreich und Rußland verzehrt. Noch 1856 schreibt der Gärtner Kölle aus Ulm: „An essbaren Spargeln werden in Ulm jährlich viele hundert tausend Pfeifen gezogen, welche im Umkreis von 60 Stunden von Gutshofbesitzern und Spargelfreunden begierig besucht werden.“
Ulms Gärtnerzunft reicht zurück ins 13. Jahrhundert. Damals gab es eine solche nur in Lübeck, Hildesheim und Frankfurt.
Zuletzt noch ein bisschen Käse: In Ulm lag im 19. Jahrhundert auch das Zentrum des württembergischen Käsehandels. 5000 Tonnen, mehrheitlich Limburger, wurden jährlich von elf Großhandelsfirmen verkauft.
Die Währung (falls du dir nicht die Tasche mit Waren und Währungen abgeholt hast, schau mal in das Video rein):
An dieser Station begegnen wir einer äußerst kuriosen Währung, die gut zu den engen Stadtgrenzen passt. Betrachtet man das Geldstück von der einen Seite, zeigt es den Wert von 7 Kreuzer, wendet man es aber, sind es nur noch 5 Kreuzer. Über der lateinischen Zahl 7 zeigt die Prägung das Ulmer Wappenschild. In Ulm hatte die Münze aus dem Jahr 1758 also eine Kaufkraft von 7 Kreuzern. Verlies man allerdings die Stadt, verminderte sich der Wert um 2 Kreuzer. Die arabische Zahl 5 geht demnach einher mit dem Doppeladler des Reiches, sowie der Krone und dem Reichsapfel. Hier wird einmal mehr deutlich, wie sich zusehends die Ulmer Wirtschaft verschlechterte.
Der Wert:
Nach den Angaben von Haid wurden für ein Fass mit rund 10.000 Schnecken 25-40 Gulden verlangt. So kann man sich für einen Kreuzer im besten Fall ein Dutzend Schnecken leisten.
Spargel war zunächst eine Herrenspeise und für den Normalbürger unerschwinglich. Da half es auch nichts, wenn die Münze 7 Kreuzer statt 5 Wert war. 60 Kreuzer ergaben übrigens einen Gulden. Ein Tagelöhner verdiente Mitte des 18. Jahrhunderts am Tag um die 20 Kreuzer.
Das Quiz:
Kommen wir zum Rätsel:
Welcher Umstand trug maßgeblich dazu bei, dass der Schneckenhandel zum Erliegen kam?
a Krieg: Napoleons Truppen, bekannt als große Schneckenliebhaber, machten die Gegend unsicher und die Ulmer überlegten sich zweimal, ob sie sich ganze Bootsladungen von den
Franzosen kapern lassen.
b Klima: Die kleine Eiszeit sorgte für eine verminderte Vermehrung der Schnecken, so dass sich die Zucht fortan nicht mehr lohnte.
c Krankheit: Die Krankheit „cochlea inepteas“ befiel die Schneckenfarmen des 18.
Jahrhunderts raffte über zwei Drittel des Bestandes dahin.
Die Auflösung:
Das letzte Rätsel hat als richtige Antwort die Religionsfreiheit. Gemäß dem Wunsch von Maria Theresia durften nur gutgläubige Katholiken die Reise ins Ungarland antreten.
„Diese Führung ist in Kooperation mit dem Donaubüro Ulm/Neu-Ulm und durch die Finanzierung des Interreg-Projekts „Transdanube Travel Stories“ entstanden“
| Ort | Ulm |
| Autor | Ulm Touren App ... |
| Kategorien | Stadttor/-mauer |
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| Bildquelle | Stadtarchiv Ulm |
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| Zugeordnete Touren | Handel - Ulmer Geld regiert die Welt |