Station 6 Die Münz
Station 6 Die Münz
Hier wundert es, dass die Häuser ja noch stehen. Rechts, das weltbekannte Schiefe Hotel, hatte bereits 1443 sein heutiges Aussehen. Links die sehr heruntergekomme Fassade der Ulmer Münz, um die es bei dieser Station vornehmlich gehen soll.
Venediger Macht, Augsburger Pracht, Nürnberger Witz, Straßburger G'schütz und Ulmer Geld regiert die Welt
Dieser Spruch aus dem 15. Jahrhundert meint aber eigentlich nicht die bare Münze aus Ulm, sondern das berühmte Ulmer Tuch: den Barchent.
Die Ware:
Der Barchent, was ist das eigentlich? Gehen wir einmal auf Tuchfühlung.
Die Ulmer stellten ab dem 14. Jahrhundert ein stabiles, angenehm zu tragendes und leicht zu färbendes Tuch her: den Barchent.
Er setzt sich zusammen aus Leinen und Baumwolle.
Letztere importierte man aus dem östlichen Mittelmeerraum über Venedig und Zypern. Man musste den Faden beim Spinnen mehrmals drehen um eine gute Stabilität zu gewährleisten.
Der Leinen kam aus der unmittelbaren Umgebung.
Im 15. und 16. Jahrhundert florierte der Barchenthandel. Ulmer Kaufleute waren beispielsweise auf Messen in Frankfurt, Lyon und Barcelona vertreten.
Streit gab es beispielsweise mit den Fuggern, die im nahegelegenen Weißenhorn, welche ebenfalls Barchent produzierten.
1507 lehnten die Ulmer diesen als zu minderwertig ab. Daraufhin veranstalteten die Fugger in Weißenhorn ihre eigene Barchentschau, schnitten die Ulmer von den Flachsanbaugebieten an der Mindel, Günz und Kammlach ab und nutzten ihr Privatmonopol für den Englandhandel.
Mißmutig gestatteten die Ulmer 1555 den Weißenhorner Webern wieder ihren Barchent in Ulm zu verkaufen.
Um 1600 produzierte man in Ulm jährlich 60.000 Barchenttücher.
1631 waren es nur noch 7912
Bis zuletzt 1643 der Stadtrat feststellen muss: „Das allhie vast kein barchet mehr gewürckt und gemacht wird.“
Das Ulmer Leinen war von besonders guter Qualität. Nachdem die Leinweberzunft das Garn gesponnen hatte, wurde es in einer Lauge aus Holzasche und Wasser erhitzt. Die Reste einer solchen Garnsiede habt ihr eben in der Schwörhausgasse 3 gesehen. Eine derartige Garnsiede ist in ganz Baden-Württemberg nicht mehr erhalten.
Nachdem das Garn zwölf Stunden gesotten worden war, wurde es mehrmals im Wechsel mit klarem Wasser und heißer Lauge übergossen und auf dem Dachboden aufgehängt. Dadurch verlor das Leinen seine spröde Oberfläche und wurde, je öfter man den Vorgang wiederholte, immer heller.
Nach dem Niedergang des Barchents waren die Produktion von Leinen immer noch das stärkste Handwerk in Ulm.
Im Jahr 1587 gibt es 421 Weber in der Stadt.
Als 1813 die Aufhebung der Ulmer Leinwandschau eingeläutet wurde, die Stadt war inzwischen in Württembergischen Besitz übergegangen, entfiel das Ulmer Gütesiegel.
Die Währung (falls du dir nicht die Tasche mit Waren und Währungen abgeholt hast, schau mal in das Video rein):
Im dreißigjährigen Krieg erbaute man 1620 ein Münzhaus in der Schwörhausgasse. Seit langem wurden wieder Münzen in der Stadt geprägt. Es wurden zunächst Reichstaler und Dreibätzner geprägt, ab 1621 auch Pfennige, Kreuzer, Sechskreuzerstücke und Sechsbätzner.
Dies fiel allerdings genau in die berüchtigte Kipper- und Wipper Zeit. Allerorts betrog man und stellte unter Verwendung von Billon, also schwach silberhaltigem Kupfer, minderwertige Münzen her. In Ulm nahm die Qualität des geprägten Geldes rapide ab, so dass der Reichsfikal in Speyer gegen Ulm Prozess führte. Schließlich wurde Ulm die Münzprägung untersagt.
Hier ist ein halber Batzen, also 2 Kreuzer. Die Zahl zwei ist deutlich im doppelköpfigen Reichsadler zu erkennen. Er stammt aus dem Jahr 1624 und wurde genau in dieser Münz geprägt.
Der Wert:
1548 wird vom Rat der Stadt verlangt, dass die Zunftmitglieder ihr Vermögen angeben.
Dies tun sie sowohl in Gulden, als auch in Barchent gerechnet.
Das Quiz:
Welche Umschreibung bekam die beste Qualität des Barchent (die beiden anderen sind übrigens die Begriffe für die schlechtere Qualtität)?
a „Ochse“
b „Traube“
c „Löwe“
Die Auflösung von Station 5:
So kurios es klingt, aber der Krieg, sprich Napoleons Truppen, bekannt als große Schneckenliebhaber, machten die Gegend unsicher und die Ulmer überlegten sich zweimal, ob sie sich ganze Bootsladungen von den Franzosen kapern lassen sollten.
„Diese Führung ist in Kooperation mit dem Donaubüro Ulm/Neu-Ulm und durch die Finanzierung des Interreg-Projekts „Transdanube Travel Stories“ entstanden“
| Ort | Ulm |
| Autor | Ulm Touren App ... |
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