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Station 7

Der vergessene Mantel

Mia: Jetzt stehen wir auf der Wiwilibrücke.Das ist aber komisch. Warum liegt denn
hier so ein großer Mantel aus Metall vielleicht hat der Mann diesen Mantel
gemeint.

Passant: Der Mantel erinnert an die Geschichte der Jüdinnen und Juden in
Freiburg.
Mia: Ein Mantel erinnert also an einen Menschen?
Passant: Dieser Mantel steht für die jüdischen Menschen, die hier gelebt haben –
und die plötzlich alles verloren haben.
Mia: Aber woher weiß man, dass der Mantel zu einer jüdischen Person gehört hat?
Passant: Auf dem Mantel ist ein Stern abgebildet, an dem man erkennt, dass der
Mantel einer jüdischen Person gehört hat.
Mia: Ah stimmt, das habe ich heute auch schon gelernt. Und viele jüdische
Menschen mussten Freiburg plötzlich verlassen, oder?
Passant: Ja. Sie wurden verfolgt, weit weg von ihrem Zuhause gebracht – man sagt
auch "deportiert" und völlig aus ihrem Leben gerissen.
Mia: Dann verstehe ich etwas nicht: Warum liegt der Mantel hier?
Passant: Vielleicht wurde er in der Eile zurückgelassen. Vielleicht durfte man ihn
nicht mehr mitnehmen. Der Mantel steht für all das, was zurückbleiben musste:
Zuhause, Erinnerungen, Sicherheit. So wie bei Ronja Reutlinger und ihrer Familie
zum Beispiel.
Mia: Moment mal ... Ronja Reutlinger – von ihr habe ich heute schon so viel gehört
und erfahren.
Passant: Ach, echt? Wie toll.
Mia: Dann gehört der Mantel also auch zu ihrer Geschichte?
Passant: In gewisser Weise schon. Ronja und ihre Eltern wurden 1940 nach Gurs
deportiert. Sie mussten alles zurücklassen – ihre Wohnung, ihre Sachen, ihr
ganzes bisheriges Leben.
Mia: Das ist so traurig. Und was ist dann mit ihnen passiert?

Passant: Zwei Jahre später konnten sie in die Schweiz fliehen. Das war ihre
Rettung. Und ein paar Jahre danach wagte die Familie einen großen Neuanfang
und wanderte nach Amerika aus.
Mia: Das ist ja ganz weit weg von hier.
Passant: Ja. Wenn man hier auf der Wiwilibrücke steht und in die Ferne schaut,
kann man sich das vielleicht vorstellen: weggehen müssen – aber auch neu
anfangen dürfen.
Ronja lebt heute noch in Amerika. Sie ist inzwischen etwa 90 Jahre alt. Und ihre
Tochter arbeitet heute sogar an einem Film über Ronjas Leben, damit ihre
Geschichte nicht vergessen wird – und damit auch junge Menschen, verstehen,
was damals passiert ist und wie viel Mut es gebraucht hat, Hoffnung zu haben und
neu anzufangen. Leider konnten nicht alle Jüdinnen und Juden fliehen. Deshalb ist
es umso wichtiger, sich zu erinnern.
Mia: Wow. Ich wusste gar nicht, dass manche Menschen von damals noch leben.
Ich dachte immer das wäre alles schon gaaanz lange her, aber so lange ist das
dann wohl doch noch nicht her. Ich finde es unglaublich, dass sie noch lebt.
Diesen Film möchte ich wirklich gerne sehen.
Passant: Geschichte ist näher, als man denkt. Sie wirkt bis heute nach.
Mia: Da haben Sie recht. Ich habe heute wirklich viel über jüdisches Leben gelernt.
Hier endet unsere Stadtführung. Kommt, wir schauen jetzt noch gemeinsam, ob
wir den Stern auf dem Mantel entdecken.
Ich danke euch schon mal für eure Hilfe und das Mitmachen! Ich hatte viel Spaß
mit euch! Zusammen haben wir viel gesehen, gelernt und entdeckt. Ich bin
wirklich dankbar, dass es heute nicht mehr so ist und wir alle zusammen in einer
Klasse sein dürfen.

Ort Freiburg im Breisgau
Autor ph.fr.studis
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Lizenz Alle Rechte vorbehalten
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Urheber
Urheber Vergleichsbild
Michael Schmalenstroer
Lizenz Vergleichsbild Creative Commons BY-SA
Bildquelle Vergleichsbild Das Denkmal für die nach Gurs deportierten Juden an der Freiburger Wiwilibrücke, von Birgit Stauch: Der vergessene Mantel, 2003
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