Station 8 Wilhelmshöhe
Station 8 Die Wilhelmshöhe
Wir blicken auf die Wilhelmshöhe, auch Bastion Lauseck genannt. Sie ist Teil der ehemaligen Bastionärsbefestigung aus dem 17. Jahrhundert. Einst stand hier die imposante Villa von Adolf Wechsler. Ein Industrieller, der sich im Alter aufs Schreiben und Dichten verlegt hatte.
Er heiratete 1908 die 24-jährige Schauspielerin Emmy Gindorfer. Wechsler selbst war bei der Hochzeit 79 Jahre alt.
Später hat Emmy Gindorfer übrigens für die DDP von 1919-1933 im Stadtrat gesessen und galt als eine, die zupacken kann.
Ihr Motto: „Lieber a schaffige Sechzigerin, als zwei lahme und uninteressante Dreißigerinnen.“
Die Ware:
Die Ware um die es hier geht, wird auch als Rauchware bezeichnet. Es ist der Tabak. Die Tabakindustrie hatte sich in der Frühphase der Industrialisierung zu einem der wichtigsten Gewerbezweige in Ulm entwickelt. Schon in Napoleonischer Zeit um 1806 lässt sich in Ulm eine beachtliche Tabakproduktion nachweisen. Die Jahresberichte des Stadtkommissariats berichten von jährlich 12.000 Zentner verarbeitetem Tabak. Das war fast ein Zentner pro Ulmer, denn die Stadt zählte 1821 nur noch 11.575 Einwohner. Der Rohtabak kam größtenteils aus der Pfalz und Nordamerika.
Im Adressbuch von 1836 finden sich in Ulm vier Tabakmühlen, 300 Arbeiter sind in der Tabakindustrie beschäftigt, die wiederum 240.000 fl. jährlichen Umsatz abwirft.
Rauch- und Schnupftabak wurden vor allem von den Familien Bürglen und Wechsler bis in die Schweiz und nach Bayern exportiert.
Adolf Wechsler verkaufte schließlich seine Fabrikation an Bürglen und zog sich auf die Schlossähnliche Villa auf der Wilhelmshöhe zurück.
Die Währung (falls du dir nicht die Tasche mit Waren und Währungen abgeholt hast, schau mal in das Video rein):
Eine besondere Bedeutung bekam die Zigarette während der Weltkriege. Hier wuchs der Bedarf ungemein. Im letzten Kriegsjahr 1918, genauer gesagt 20 Tage vor dem Waffenstillstandsabkommen mit dem Deutschen Kaiserreich, druckte man in Ulm diesen Gutschein für 25 Pfennige. Das war in Ulm das geringste Notgeld, der höchste Wert lag bei 20 Mark. Man sieht auf der einen Seite die Ulmer Grabenhäuschen und auf der anderen den berühmten Ulmer Gulden unserer letzten Station. Wieder einmal war man in Not geraten und wieder einmal wünschte man sich nichts sehnlicher als Frieden.
Der Wert:
Im ersten Kriegsjahr 1914 hatte der Konsum an Zigaretten erstmalig den der Zigarren überholt. Eine billige Zigarette kostete 5 Pfennige das Stück. Es wären also rein rechnerisch 5 Zigaretten für diesen Notgeld-Gutschein zu bekommen gewesen, gleichzeitig aber war die Zigarette zur Mangelware geworden und wurde 1918 bereits zu Wucherpreisen gehandelt.
Das Quiz:
Was war der Grund für den Niedergang der Bürglenmühle im Jahr 1932, der letzten Tabakfabrik Ulms?
a Der Ulmer Raucherprozess von 1928
b Die Inflation von 1923
c Die Kinderlosigkeit des letzten Inhabers
Auflösung für Station 7:
Richtige Anwort: c (13 Stunden Arbeit)
Fabrikordnung für die Wieland-Mitarbeiter in Ulm:
Arbeitszeit Winter: 5 – 18 Uhr Sommer 6 – 19 Uhr
Pausen: ½ Std. Vormittags, 1 Std. Mittags
„Diese Führung ist in Kooperation mit dem Donaubüro Ulm/Neu-Ulm und durch die Finanzierung des Interreg-Projekts „Transdanube Travel Stories“ entstanden“
| Ort | Ulm |
| Autor | Ulm Touren App ... |
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