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1910 2018
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Thalia um 1910

Marienplatz und Westernstraße

Das historische Bild zeigt das jüdische Kaufhaus Herzheim (heute Thalia). Schülerinnen und Schüler der Gesamtschule Verl setzten sich, nach einer Stadtführung durch ihre Heimatstadt Verl und Paderborn literarisch mit den Novemberpogromen auseinander. Dabei versuchten sie auf Grundlage von wahren Begebenheiten (Verler Jude Fritz Hope) den grausamen Alltag der Verfolgten wiederzugeben. 

                                                                                                                                                                                                                     11. November 1938

Liebes Tagebuch,

am Mittwoch ist etwas Schlimmes passiert. Gerade war ich dabei ins Bett zugehen, als ich unten Fensterklirren und laute Schreie hörte. Mit einem lauten Knall wurde die Tür eingetreten und man hörte lautes Getrampel. Ich bekam so viel Angst, dass ich mich auf dem Dachboden versteckte. SA-Leute schrien: ,,Fritz du Jude, komm raus!“ Plötzlich verfolgten sie mich, die Panik packte mich. Ich drehte mich hastig um und sah zum Fenster. Die einzige Lösung war aus dem Fenster zu springen, denn sonst würden sie mich verprügeln oder sogar verschleppen. Als ich am Fenster stand, stürmten sie herein und legten die Arme um mich, sie hielten mich fest. Ich hatte mich schon mit den Gedanken angefreundet gleich verprügelt zu werden, doch mit einen Mal ließen sie von mir ab. Ich drehte mich um und dort stand meine Schwester. Ich packte die Gelegenheit beim Schopfe und rannte los. Ich wusste, sie würden ihr nichts tun, da sie eine Frau war. Da rannte ich um mein Leben, doch wo sollte ich hin? Die kühle Nachtluft schlug mir ins Gesicht. Ich rannte los, kletterte über den Zaun und stand vor dem Schlafzimmerfenster von Herrn Schmalenströer. Dort hämmerte ich ans Fenster und rief, dass er mich rein lassen solle. Er öffnete sofort das Fenster und ich versteckte mich in Fines Schlafzimmer. Als ich ins Zimmer eintrat, lag sie schon schlafend im Bett. Leise schlich ich zu ihrem Kleiderschrank und versteckte mich dort bis zum nächsten Morgen. Die ganze Nacht konnte ich noch meinen schnellen Herzschlag spüren. Am Morgen schlich ich leise und heimlich über das Sägewerk nach Hause. Ich wollte nicht, dass die Schmalenströers meinetwegen Ärger bekamen. Aber da hatte ich die Rechnung ohne den wütenden Mob gemacht, denn irgendjemand  hatte an ihre Fensterscheiben in Rot Judenfreunde geschmiert. Für ihre Hilfe bin ich ihnen wirklich dankbar, denn ich verdanke ihnen mein Leben.

 

Ort Paderborn
Autor Gireaud
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