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Zitat 1: „Von den nachdenklichen Menschen waren viel eingeschüchtert; unzählige waren überhaupt nicht mehr geneigt, nachzudenken; sie konnten sich ein solches Ausmaß von Verworfenheit und Verlogenheit einfach nicht vorstellen, oder sie verschlossen sich aus Angst vor der Unruhe, die das eigene Gewissen ihnen sonst bereitet hätte. So geriet jeder, der gerade der Wahrheit zu dienen suchte, in den Verdacht, Gräuellügen zu verbreiten, aus gefährlicher Leichtgläubigkeit oder gar aus verwerflicher Absicht.“ (Der Zerfall der Wahrheit im Dritten Reich, S.4)
Zitat 2: „Die Deutschen befanden sich fast ausschließlich unter einer ständig wiederholten Flut von Verlogenheit. Viele ergaben sich ihr nach dem beliebten Worte „rückhaltlos“, und wer freie Meinungsäußerung nicht selbst in vorausgegangenen Zeiten erlebt hatte, konnte sich gar nicht mehr vorstellen, dass es so etwas jemals gegeben hatte.“ (Der Zerfall der Wahrheit im Dritten Reich, S.8)
Aufgabe: Hört euch zunächst die Audiodatei zu diesem Bild an. Von Dietze verweist am Ende seines Vortrages auf die Inschriften der Universität. Lest euch die hier abgetippte, letzte Seite des Vortrages durch und formuliert in einem Satz die Hauptaussage dieser Seite.
"Wir müssen wieder ein richtiges Menschenbild gewinnen und danach handeln. Was darin liegt, kann uns, wie mir scheint, ein Blick in die Inschriften des Kollegiengebäudes unserer Universität andeuten. Zunächst entnehmen wir von dort eine Warnung, wenn wir lesen: "Dem ewigen Deutschtum". Diese Inschrift, die unter dem Dritten Reiche angebracht wurde, ist so unwahr, wie dieses Dritte Reich selbst. Das Deutschtum ist eben nicht ewig und kann es ebensowenig sein, wie irgendein anderes Volk der Erde. Und was das Dritte Reich erfüllte, das war vorwiegend ganz undeutsch. Wohl am undeutschesten war Hitler selbst, über dessen Herkunft und Werdegang ja auch heute noch schier undurchdringliche durch planmäßige Lügen geschaffene Geheimnisse liegen. An der anderen Seite des Universitätsgebäudes lesen wir aber noch, was 1911 dort eingemeißelt, und in den Ansprachen bei der Feier zur Eröffnung des neuen Hauses besonders beton wurde: "Die Wahrheit wird euch frei machen." Viele verstanden diese Inschrift zwar losgelöst vom reilgiösen und kirchlichen Ursprung. Der Rector Magnificentissimus forderte jedoch auf, dies hehre Wort "in seiner höchsten und heiligsten Beudeutung" aufzufassen. Auch wir müssen es so verstehen, wie es aus dem Munde dessen gekommen ist, der als einziger von sich selbst sagen durfte: "Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben." Dann werden wir aber auch die rechte Grundlage und die unbesiegbare Kraft haben, eine dirtte Inschrift recht zu verstehen und zu beherzigen; sie ist in der Nachbarschaft unseres Kollegiengebäudes, an den ausgebrannten Mauern des Bertholdsgymnasiums, zu lesen: "Iuventuti ad humanitatem publice informandae". Sie besagt die Widmung an die Jugend, die zur Humanität, zur Menschlichkeit, zur Gewinnung und Bestätigung des rechten Menschenbildes erzogen werden soll. Es gibt keine wichtigere und keine schönere Aufgabe in der deutschen Erziehungsarbeit. Gerade nach den Jahren, in denen unsere Jugend systematisch in Rechtlosigkeit, Unmenschlichkeit und Unwahrhaftigkeit hinein gelockt und gezwungen wurde, kann auch unsere Universität unserem geliebten deutschen Volke und seiner Zukunft keinen besseren Dienst erweisen als durch die Erziehung zur Menschlichkeit, in wissenschaftlicher Wahrhafitgkeit und in Ehrfurcht vor dem Blick auf die höchste, auf die ewige Wahrheit."
Quelle: VON DIETZE, Constantin. Der Zerfall der Wahrheit im Dritten Reich. Das Menschenbild. Freiburg im Breisgau, 1945.
>> Unter dem Portrait von Constantin von Dietze findet ihr noch eine letzte, abschließende Audiodatei. <<
| Ort | Freiburg im Breisgau |
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