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Wappen der Orsini um 1550

Schildwappen Rose und Schlange - Der Bär als Helmzier

Innerhalb der Stadtmauern Roms brach im Mittelalter die Wildnis ein: Die prachtvollen antiken Monumente verfielen; in ehemaligen Theatern und Triumphbögen, in Villen und Arenen nisteten sich Pflanzen, wilde Tiere und zwielichtige Gestalten ein. Zu jedem Wohnhaus gehörte jetzt ein kleiner Garten, in dem man für den Eigenbedarf Nutzpflanzen pflegte. Die Bevölkerungszahlen gingen so weit zurück, dass ein großer Teil der Stadt nicht mehr bewohnt wurde – die Baumkronen dieses sogenannten Disabitato sind sogar noch auf Gemälden des 19. Jahrhunderts abgebildet.

Im Tiberknie, dem Gegenstand dieser Tour, war aber das Gegenteil der Fall: Durch den Verfall der Aquädukte wurde der Tiber zur bevorzugten Trinkwasserquelle der Stadtbevölkerung. Zudem wurde hier der gesamte Seehandel abgewickelt:  Der Fluss war zu flach für die großen Seeschiffe, deswegen wurden alle Waren im Hafen von Ostia auf kleine Schiffe umgeladen und zum Stadthafen in der Nähe der Tiberinsel transportiert. Wer diese Gegend beherrschte, hatte die Kontrolle über große Mengen Trinkwasser, Getreide, Öl und Wein. Diese Faktoren zogen die Menschen an: Hier fand sich der Siedlungskern im Mittelalter und die höchste Bevölkerungsdichte, hier lebte die Stadt, hier wurden die politischen Kämpfe ausgetragen. Derer gab es viele in Rom: Päpste, Adel, Stadtbevölkerung, römisch-deutsche Könige, andere italienische Mächte – viele Mächtige beanspruchten das Erbe des antiken Weltreiches für sich und mussten sich im Streit um dessen Nachfolge durchsetzen.

Innerhalb der römischen Stadtmauern trugen insbesondere drei Gruppen diese Kämpfe aus: Der Papst beanspruchte nicht nur die geistliche Hoheit, sondern trat auch in der weltlichen Politik zunehmend selbstbewusst auf. Doch erst im 15. Jahrhundert wurde er zum unangefochtenen Stadtherren. Zuvor standen weitere Gruppen neben ihm, die ihm mit ihrem Selbstbewusstsein in nichts nachstanden.

1143 jagte eine Mittelschicht – unter anderem bestehend aus Handwerkern, Juristen und Grundbesitzern – Papst Innozenz II. aus der Stadt und setzte einen Senat nach antikem (römisch-republikanischem) Vorbild ein. Symbolträchtig residierte dieser auf dem Kapitol und übernahm die Rolle des Stadtherren. Nach wenigen Jahrzehnten schlichen sich auf den Mitgliedslisten jedoch die Namen des Stadtadels ein und verdrängten nach und nach die Mittelschicht aus dem Gremium. Wie war dieser Adel beschaffen, woher nahm er seine Macht?

Der römische Stadtadel hatte im Mittelalter zwei Formen. Einerseits gab es niederen Adel. Dabei sprechen wir von etwa 100 Familien, die kleinere Gebiete im Stadtbereich kontrollierten und über mehrere Generationen Einfluss ausübten. Das Besondere an diesem Adel war, dass er nach unten sozial nicht klar abgegrenzt war: Prinzipiell konnte man auch ohne die richtige Herkunft in den Kreis der Adelsfamilien aufsteigen; ebenso gut konnte man als Adeliger aber auch wieder in die Kreise der Normalbürger absteigen.

Anders war das beim römischen Großadel, dem sogenannten Baronaladel: Die Familien dieses Standes hatten meist umfangreichen Besitz im Umland von Rom. Große Teile der bewohnten Stadt befanden sich in ihrer Hand. Ihren Untergebenen boten sie Schutz in den Kämpfen um die Stadt; dafür forderten sie deren Arbeits- und Kampfkraft. Nicht selten nutzen sie antike Bauwerke zur Befestigungszwecken: Die Arkaden der alten Theater musste man nur zumauern, schon waren die Gebäude zur Festung geworden und behielten gleichzeitig noch ihre Ästhetik. Triumphbögen konnten als Aussichtpunkte und zur Kontrolle der Straßen besetzt werden. Über viele Generationen hinweg finden sich die Namen der großen Familien in den wichtigen Positionen und Ämtern der Stadt: Colonna, Savelli, Gaetani, Conti...

Eine der wichtigsten unter diesen Familien waren die Orsini. Der Ursprung dieser „kleinen Bären“ – so lautet die Übersetzung ihres Namens – lässt sich auf den Beginn des 10. Jahrhunderts datieren, als sie noch unter dem Namen „Bobonen“ bekannt waren. Ihr späterer Name leitet sich vom Ahnherrn „Orso di Bobone“ ab – des Bären. Mit zunehmendem Einfluss kontrollierte die Familie große Teile des besiedelten Roms und lieferte sich mit der Kurie und anderen Adelsfamilien erbitterte Kämpfe um die Vorherrschaft in der Stadt. Ihre Namen finden sich auf den Listen des Senats und im Laufe der Zeit immer häufiger auch an der Kurie. Nicht wenige Kardinäle und sogar Päpste entstammten ihren Reihen. Das Kerngebiet der Orsini war über weite Strecken des Mittelalters das Tiberknie.

Noch heute sind Monumente erhalten, die die Handschrift der Orsini tragen. Diese Tour führt durch den mittelalterlichen Siedlungskern der Stadt Rom und gleichzeitig durch das ehemalige Einflussgebiet der Orsini. Sie orientiert sich an den großen Bauwerken und Plätzen, die heute noch von der Macht der „kleinen Bären“ zeugen. Insbesondere wird dabei aufgezeigt, wie die Orsini die antiken Monumentalbauten des Marsfeldes nutzten, um in diesen ihre herrschaftlichen Stadtresidenzen und Festungen zu errichten.

 

Leitfragen für die Tour:

1) Woran kann man die Unterschiede des Tiberniveaus erkennen? Welche Auswirkungen hat das auf die jeweilige Nutzung und den Erhaltungszustand der Gebäude?

2) Im Laufe der Zeit gab es viele unterschiedliche Bewohner und Nutzungsmöglichkeiten der einzelnen Gebäude sowie Orte. Inwiefern lässt sich das erkennen und wie führt sich das auch heute noch fort?

3) Diese Tour umfasst einen relativ großen Weg, der zu Fuß zu überbrücken ist. Dies ist auch in mittelalterlicher Zeit schon so gewesen. Wie hat man sich geholfen, diesen Raum zu überblicken und unter Kontrolle bekommen zu können? Besonders deutlich scheint dies an der ersten und letzten Station zu werden. (Vergleiche auch den Titel der Tour.)

4) Im Verlauf der Tour schaut man sich das Marcellustheater und das Pompeiustheater an. Gibt es Unterschiede in der Erhaltung und/oder der Nutzung? Welchen Grund könnte es dafür geben?

5) Die Tour zeigt insbesondere auf, wie stark antike Monumentalbauten von den Orsini für ihre Zwecke genutzt wurden. Warum bieten sich gerade diese Bauten besonders gut dafür an?

 

Weiterführende Literatur:

Baumgärtner, Ingrid: Städtischer Raum und kommunale Bauplanung im Rom des 12. Bis 14. Jh, in: Geotema 27 (2005), S. 30-39.

Baumgärtner, Ingrid: Rombeherrschung und Romerneuerung. Die römische Kurie im 12. Jahrhundert, in QFIAB 69 (1989), S. 27-79.

Esch, Arnold: Rom vom Mittelalter zur Renaissance, München 2016.

Krautheimer, Richard: Rom. Schicksal einer Stadt 318-1312, München 1996.

Shaw, Christine: The political role of the Orsini family from Sixtus IV to Clement VII: baron and factions in the papal state, Rom 2007.

Ort Roma
Autor Romexkursion2018
Kategorien
Erinnern
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Lizenz Unbeschränktes Nutzungsrecht (Public Domain)
Bildquelle
https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Orsini-Wappen.png
Urheber
Grafik erstellt von LeoDavid, Elemente nach Adolf Matthias Hildebrandt
Zugeordnete Touren Bären am Tiber: Römischer Adel im Mittelalter

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