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1900 1938
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Werner-Blust Kaufhaus | um 1900

Kaufhaus vor heutigem Kaufhof

Diese Bilder zeigen das Gebäude der Galleria Kaufhof vor seiner Zerstörung 1944. Das erste zeigt die reich dekorierte Fassade des Kaufhauses “Werner Blust” wie es am Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts aussah. Es nutzte seinen distinguierten Standort um einen Überfluss an historistischen architektonischen Elementen zur Schau zu stellen. Dreieckige und halbkreisförmige Fronten, Säulen und sogar eine obere Balustrade. Um die Jahrhundertwende war die Kaiser Joseph Straße von wilhelminisch dekorierten Fassaden dominiert.

In den dreißiger Jahren versuchte Schlippe davon zu überzeugen, dass die einzige Möglichkeit zu einem ausgeglichenem Stadtbild zurück zu kehren, die Reinigung der protzigen Fassaden und die Ablehnung  des lauten Dekors war, um folglich die bürgerliche Bescheidenheit so weit wie möglich zurück zu erlangen. Die Ablehnung der historistischen Architektur hatte nicht nur ästhetische, sondern vor allem auch inhaltliche Gründe. Historistische Fassaden waren das Gewand, geradezu das Symbol der kapitalistischen Stadt. Einer Stadt geprägt von Kommerz, Spekulation, Konkurrenz und Individualismus. Die aus konservativer, wenn nicht gar reaktionärer Haltung entspringende Kritik an der kapitalistischen Stadt hat alte Wurzeln. Historistische Geschäftshausarchitektur als Gewand für internationales Kapital und jüdische Geschäftsleute, die ihre Kunden ausbeuten: ein Komplex von negativ besetzten Klischees, der gerade in den 30er Jahren erst recht Verbreitung gefunden haben dürfte.

Es gibt zwei Hauptströmungen der Sanierung. Die erste begreift Gebäude und städtische Strukturen als komplexe oder sich gar widersprechende Objekte und objektive, rationale Kriterien müssen in Betracht gezogen werden, um die einzelnen Fälle zu beurteilen. Manche Gebäude werden auch erhalten – nicht wegen ihrer Schönheit, sondern wegen ihrer Fähigkeit einen bestimmten Moment der Geschichte zu illustrieren.

Die zweite Strömung ist die auch im Freiburg der 20er und 30er Jahren propagierte und praktizierte Denkmalpflege. Sie verkörpert in besonders eindeutiger Weise die andere Tradition: hier wähnt sich der Denkmalpfleger in der Hauptrolle und maßt sich eine alles entscheidende, ordnende und gestaltende Rolle gegenüber den Objekten an. Seinen Vorstellungen davon, wie die Geschichte - eines Ortes, eines Bauwerks - eigentlich hätte verlaufen sollen, unterwirft er die materiellen Quellen; er korrigiert vermeintlich falsch Gelaufenes, arbeitet das ihm Wichtige heraus und schafft Verlorengegangenes einfach neu. Ganze Epochen, die aus weltanschaulichen oder ästhetischen Gründen für wertlos erklärt werden, können einer solchen „Denkmalpflege" zum Opfer fallen.

Das andere Bild zeigt das Resultat nach der Renovierung, die fünf Jahre vor der kompletten Zerstörung des Gebäudes stattgefunden hat. Abgesehen von persönlichen Ästhetik-Vorstellungen sollte es helfen zu verstehen wie sich ein Stadtbild verändert und Möglichkeiten aufzeigen unsere Gesellschaft und unsere gemeinsame Identität als Einwohner zus verstehen. Architektur als politisches und soziologisches Werkzeug.

 

Quellen: "Der Wiederaufbau der Freiburger Innenstadt nach dem Zweiten Weltkrieg: Denkmalpflege damals und heute", Leo Schmidt

 

Ort Freiburg im Breisgau
Autor arturoromero
Kategorien
Stadtbild
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Lizenz Alle Rechte vorbehalten
Bildquelle
"Der Wiederaufbau der Freiburger Innenstadt nach dem Zweiten Weltkrieg: Denkmalpflege damals und heute"
Urheber
Unbekannt
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arturoromero
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Bildquelle Vergleichsbild "Die Wiederaufbau der Freiburger Innenstadt nach dem Zweiten Weltkrieg: Denkmalpflege damals und heute"

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