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1930 2018
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Werthmannhaus 1930

Werthmannhaus, ehemalige Zentrale des Caritasverband

Das Werthmann-Haus, welches sich in direkter Nachbarschaft zur neu gebauten Universitätsbibliothek befindet, war in den 1930er Jahren der Hauptsitz des Deutschen Caritasverbands, dem Wohlfahrtsverband der Katholischen Kirche. Der Deutsche Caritasverband wurde 1897 vom katholischen Priester Lorenz Werthmann gegründet und setzt sich für den Schutz der Menschenwürde ein und unterstützt Menschen in Not. Nach ihm ist das Haus und die Straße, die Werthmann Straße, in der das Werthmannhaus steht, benannt. Heute wird das Gebäude nicht mehr vom Caritasverband, sondern von der benachbarten Universität Freiburg benutzt.

Nach ihrer Promotion 1938 in Caritaswissenschaften wurde Gertrud Luckner als Hauptamtliche Mitarbeiterin beim Caritasverband eingestellt, weshalb sie das Werthmannhaus regelmäßig aufsuchte. Die Anstellung beim Caritasverband führte sie bis zur Rente 1968 aus. Mit ihren Kontakten im Ausland und dem Netzwerk an Verbündeten im ganzen Deutschen Reich organisierte Gertrud Luckner Ausreisen für Juden. Im Jahr 1941 erhielt sie für diese Arbeit eine Vollmacht des damaligen Erzbischofs von Freiburg, Conrad Gröber, dem die Caritas unterstellt war.

Um sich einmal vorstellen zu können, wie das Netzwerk um Gertrud Luckner funktionierte, erläutern wir jetzt ein Szenario, welches von dem Autor Hans Josef Wollasch aufgearbeitet wurde, der die geheimen Ermittlungsakten der Gestapo aufarbeitete und in seinem Buch „Betrifft: Nachrichtenzentrale des Erzbischofs Gröber in Freiburg“ veröffentlichte:

Zusammenfassung eines Berichtes der Gestapoleitstelle in Düsseldorf vom Mai 1943.

Die Akte trägt den Bearbeitungsstempel "Geheim":

Es handelt sich in dem Fall um eine Rettung eines kleinen Kindes, welches vor dem NS-Regime in Sicherheit gebracht werden sollte.

Eine gewisse Frau Heidkamp, die als Fürsorgerin in Düsseldorf tätig war, befand sich für ein Kursus in Freiburg. Der Caritasdirektor Herr Mann machte Frau Heidkamp mit Gertrud Luckner bekannt und stellte so die Verbindung her. Herr Mann setzte Frau Heidkamp über ein jüdisches Kind aus Berlin in Kenntnis, dessen Mutter Selbstmord begangen hatte und dessen Vater evakuiert wurde. Er bat Frau Heidkamp um die gute Unterbringung des Mädchens. Gertrud Luckner hatte im Voraus Herr Mann von dem Kind erzählt. Luckner und Heidkamp konnten anschließend mit der Einwilligung des Caritasdirektors frei agieren und sich um das Kind kümmern. Das Kind wurde unter fingiertem Namen von Berlin nach Düsseldorf geschmuggelt und als Findelkind bei dem dortigen Caritasverband abgegeben. Frau Heidkamp nahm sich dort dem Kind an und organisierte eine deutschstämmige Pflegefamilie. Die Pflegefamilie wurde über die Herkunft des Kindes in Kenntnis gesetzt. Die Kosten der Überführung des Kindes wurde von Frau Luckner getragen, welche das Geld aus einem von dem Erzbischof Gröber bereitgestellten Budgets nahm.

 

Ort Freiburg im Breisgau
Autor GLGSFR
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