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Wilhelm Loewy

Wilhelm Loewy in seiner Buchhandlung

Auf dem Bild siehst du Bennos Vater in seiner Buchhandlung. Ich habe dir ja vorhin schon vom Modehaus Knopf erzählt und dass der Besitzer gezwungen wurde, sein Geschäft abzugeben. Bennos Vater musste das nicht. Jetzt wunderst du dich wahrscheinlich, denn ich habe vorhin gesagt, alle jüdischen Ladenbesitzer und Ladenbesitzerinnen verloren durch die Nationalsozialisten ihre Geschäfte, und das stimmt auch. Bennos Vater war aber zu schlau für die Männer der Regierung, die alle Juden aus Deutschland heraus haben wollten. Er bat nämlich eine Bekannte, sein Geschäft zu übernehmen. Diese Bekannte hieß Margarete Jung und mit Margarete verabredete Bennos Vater, dass das Geschäft offiziell zwar ihr gehören sollte, er aber das Geschäft führen würde. So wurde Herrn Loewy sein Geschäft nicht weggenommen und er konnte weiterarbeiten. Mit der Zeit bekamen trotzdem viele Freiburger mit, dass Herr Loewy Jude war, und weil inzwischen sehr viele Menschen in Freiburg der Regierung glaubten und Juden für gemein und böse hielten, kauften immer weniger Menschen Bücher bei Bennos Vater. Irgendwann hatten Benno und sein Vater kaum noch Geld. Zum Glück gab es eine jüdische Gemeinde in Freiburg, die Benno und seinem Vater helfen konnte und letztes Jahr dafür gesorgt hat, dass Benno und sein Vater Chanukka feiern konnten.   Was Chanukka ist, weiß ich, weil Benno mich letzten Dezember zum Chanukkafest zu sich eingeladen hat. Als ich abends bei Benno zu Hause ankam, fiel mir sofort der neunarmige Kerzenleuchter auf. Es brannten sechs Kerzen. Da habe ich verstanden, warum Chanukka auch Lichterfest heißt. Benno hat mir dazu erklärt: „Das ist eine alte jüdische Tradition. Jeden Tag ab dem 25. November zünden wir eine Kerze an und stecken sie in den Kerzenleuchter. Wir tun das, weil wir uns an ein Wunder erinnern wollen. Damals, noch bevor Jesus auf die Welt gekommen ist, hat Gott dafür gesorgt, dass die Menschen in Jerusalem für acht Tage Lampenöl für ihren Tempel hatten, obwohl ihre Vorräte eigentlich nur für einen einzigen Tag gereicht hätten.“ Ich fand, dass Bennos Geschichte sehr viele Gemeinsamkeiten mit den Geschichten hatte, die ich aus der Bibel und vom Religionsunterricht kannte. Nachdem wir die siebte Kerze angezündet hatten, aßen wir zusammen und spielten mit dem vierseitigen Chanukka-Kreisel, den du auf dem Bild sehen kannst. Das Geld für das Essen hatte Bennos Vater von netten Menschen aus der jüdischen Gemeinde bekommen. Komm mit, es wird Zeit, dass wir uns Bennos Synagoge anschauen.

 

Ort Freiburg im Breisgau
Autor BL
Kategorien
Erinnern
Suchbegriffe / Tags
Lizenz Unbeschränktes Nutzungsrecht (Public Domain)
Bildquelle
Heiko Wegmann: Dunkle Wolken über Freiburg (2023/S.32)
Urheber
Jüdisches Museum Hohenems
Urheber Vergleichsbild
Panther Media/tomert
Lizenz Vergleichsbild Alle Rechte vorbehalten
Bildquelle Vergleichsbild Channukka und Dreidel
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