Synagoge Köln, Roonstr.50 1920
In der Reichspogromnacht wurde der Innenraum stark verwüstet. Das ganze Gebäude wurde zwar geschont, damit die Nachbarhäuser nicht mitzerstört werden, aber der AugenzeugeTheo Burauen hat folgenden Bericht hinterlassen:
„Als mich am Morgen der „Reichskristallnacht“ mein gewohnter Weg zur damaligen Arbeitsstätte an der Synagoge in der Roonstraße vorbeiführte, stand dort eine wildschreiende und gestikulierende Menge.
Übernächtigte, verdreckte Gestalten mit und ohne SA-Uniformen, berieten, sich in Großmäuligkeit gegenseitig überbietend, wie man wohl am besten den Davidstern von der Kuppel herunterholen könne.
Vor mir bot sich ein Bild der Zerstörung und des Grauens. Glas, Holz, Möbel, Gardinen, Bettzeug, Hausrat, Kleidung, alles lag wirr durcheinander, zum Teil zerschlagen und zerfetzt, zum Teil angesengt, im Vorhof und auf dem Bürgersteig. Aus leeren Fensterhöhlen zogen dünne Rauchschwaden – es roch nach kaltem Brand.
Auf einem mit angebrannten Ziegeln bedeckten Dach eines kleinen Anbaues neben dem rechten Eingangstor klebte eine große Blutlache. Hier hatte man einen Menschen kopfüber aus dem darüberliegenden Fenster auf die Straße geworfen.
Ich schloß meine Augen - es fror mich – meine Hände krampften sich zusammen. Ohnmächtig gegen diese randalierende Übermacht ging ich von dannen. Das Bild der Blutlache blieb vor meinen Augen stehen.
In der Mittagspause kam ich wieder dort vorbei. Es waren die letzten Minuten des Triumphes angebrochen.
Oben sägten Männer am eisernen Gestänge des Sterns. Unten zogen andere an einem langen Seil. Dann kam ein Aufschrei! Kratzend und polternd rutschte und schlug das Symbol des Gotteshauses über die Kuppel und an der Fassade des Gebäudes herunter auf die Straße.
Und dann begann der Veitstanz jener vertierten, entwurzelten Kreaturen ob ihres vermeintlichen Sieges.
Wieder schloß ich die Augen für einen Moment, aber dann nahm ich wahr, daß ich nicht allein stand. Es gab noch Bürger, die mit Abscheu, Ekel und Entsetzen still protestierend Zeugen dieses erbärmlichen Schauspiels gewesen sind. Ich bin sicher, daß sie mit mir dachten: Das also ist das Volk, das sich dünkt und den Anspruch erhebt, ein Kulturvolk zu sein.
Ich habe mich nie in meinem Leben so geschämt, wie an jenem Tag: Das Bild der Blutlache ist vor meinen Augen geblieben bis zum heutigen Tage.
Ich werde es nie verlieren.“
Stadt Köln (Hrsg.): Jüdisches Schicksal in Köln 1918 -1945 : Unterrichtsmaterialien, 12.2
Mehr über den Projektverlauf der Schülergruppe der Lise-Meitner-Gesamtschule Köln-Porz unter: Spurensuche ehemaliger Synagogen Kölns.
| Ort | Köln |
| Autor | LMG Porz |
| Kategorien | Synagoge |
| Suchbegriffe / Tags | |
| Lizenz | Unbeschränktes Nutzungsrecht (Public Domain) |
| Bildquelle | Pracht, Elfi: Jüdisches Kulturerbe in Nordrhein-Westfalen. Teil I: Regierungsbezirk Köln. Köln 1997. Seite 299, Abb. 158 |
| Urheber | Foto: August Kreyenkamp; Rheinisches Bildarchiv |
| Urheber Vergleichsbild | |
| Lizenz Vergleichsbild | Alle Rechte vorbehalten |
| Bildquelle Vergleichsbild | Foto |
| Zugeordnete Touren | WER KENNT SIE?-EHEMALIGE SYNAGOGEN KÖLNS |