Konstantinsbogen 315
Konstantinsbogen
IMP(eratori) CAES(ari) FL(avio) CONSTANTINO MAXIMO| v P(io) F(elici) AVG(usto) S(enatus) P(opulus)Q(ue) R(omanus) v | QVOD INSTINCTV DIVINITATIS MENTIS| MAGNITVDINE CVM EXERCITV SVO| TAM DE TYRANNO QVAM DE OMNI EIVS|| FACTIONE VNO TEMPORE IVSTIS| REM PVBLICAM VLTVS EST ARMIS| ARCVM TRIVMPHIS INSIGNEM DICAVIT|
Dem Imperator Caesar Flavius Constantinus, dem frommen (und) erfolgreichen größten Augustus hat der Senat und das Volk von Rom diesen Bogen, geschmückt mit Triumphen geweiht, da durch Eingebung der Göttlichkeit (und) Größe des Geistes mit seinem Heer, sowohl vom dem Tyrannen als auch von dessen Anhängern zur selben Zeit das Gemeinwohl mit gerechten Waffen gerächt worden ist.
So lautet die Inschrift des Konstantinsbogens in Rom, welcher dem Kaiser für dessen Sieg über Maxentius, in der Schlacht an der Milvischen Brücke von Senat und Volk von Rom geweiht worden war. In der Antike waren die noch sichtbaren Vertiefungen mit goldenen Lettern ausgelegt und der Bogen wurde von einer Quadriga geschmückt. Beides ist heute nicht mehr erhalten. Auch wenn der Senat der Inschrift zufolge als Stifter auftrat muss dennoch davon ausgegangen werden, dass die Bildprogramatik mit dem kaiserlichen Hof abgestimmt war. Ein Großteil der Reliefs sind Spolien aus dem 2. Jahrhundert n. Chr. Diese wurden leicht umgearbeitet und die Köpfe frühere Kaiser durch den des Konstantin ersetzt. Aus dem frühen 4. Jh. stammt der auf mittlerer Höhe angebrachte Relieffries, der den Verlauf des Krieges gegen Maxentius zeigt. Dazu kommen die Medaillons an den Schmalseiten des Bogens. Für die Verwendung von Spolien gibt es unterschiedliche Interpretationen, von denen die geläufigste ist, dass Konstantin sich mit den Spolien bewusst in eine Nachfolge der ‚großen Kaiser‘ der 2. Jahrhunderts stellen wollte.
In der modernen Konstantinforschung gibt es einen großen Disput über die Worte instinctu divinitatis. Welche Gottheit oder zutreffender Göttlichkeit (divinitas) hier gemeint ist wird offengelassen. Die Interpretationen gehen von Sol oder Christus, hin zu einer abstrakten, nicht näher bestimmbaren Gottheit oder sogar zu einer göttlich-menschliche Doppelnatur des Kaisers.
Der christlichen Überlieferung zufolge wurde Konstantin der Sieg durch Christus gewährt. Im Traum wurde der Kaiser aufgefordert das Christogramm XP auf die Schilde der Soldaten malen lassen.[1]
[1] Vgl. Lact. Mort. Pers. 44,5.
Eus. Vit. Const. 1,28,2
Diskussionsfragen:
Wie wirkt der Bogen wenn man sich ihm nähert? Wie wirkt er wenn man davor steht und ihn genauer betrachtet?
Welche Götterdarstellungen und Verweise finden sich auf dem Bogen? Warum befinden sich auf dem Bogen keine direkten Verweise auf Christus?
Welche Gründe könnte die Wiederverwendung früherer Reliefs und Statuen haben?
Literaturhinweise:
Clauss, Manfred: Instinctu divinitas – Aber welche divinitas?. ZPE 185 (2013), 294-296.
Ehling, Kay: Vultus horror (Eutrop. 9,27,1) und divus vultus (Pan.lat. IV[X],12,2). Beobach-tungen zum Porträt der Tetrarchen und Konstantins des Großen, Gymnasium 123 (2016), 375-397.
Girardet, Klaus Martin: Die Konstantinische Wende. Voraussetzungen und geistige Grundla-gen der Religionspolitik Konstantins des Großen, Darmstadt 2006.
Engemann, Josef: Der Konstantinsbogen. In: Demandt, Alexander, Josef Engemann (Hrsg.): Konstantin der Große. Darmstadt 2007, 85–89
| Ort | Roma |
| Autor | Romexkursion2018 |
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