Pantheon 128
Vorangestellte Fragen:
1. Bei welchem anderen Pantheon handelt es sich bei dem hier hinzugezogenen Vergleichsbild zum römischen Pantheon?
2. Warum ist uns das Pantheon heute noch so gut erhalten?
3. Ist das Pantheon für dich persönlich eher ein antiker Tempel oder eine christliche Kirche?
4. Lässt sich vor dem Hintergrund der modernen Funktion eines "Pantheons" als Grablege für bedeutende Persönlichkeiten ein allgemeiner Säkularisierungs- bzw. Personifizierungsprozess erkennen, wenn man sich dessen ursprünglichen Zweck - Verehrung von antiken Göttern und dann des christlichen Gottes - vor Augen stellt und mit dem heutigen Personenkult vergleicht?
Das Pantheon gehört zu den am besten erhaltenen Bauten der römischen Antike und der Stadt Rom. Er besteht zum einen aus dem so genannten Pronoas, einer säulengesäumten Vorhalle, und zum anderen aus der Rotunde, einem kreisrunden Kuppelbau. Dieser Kuppelbau ist der einzig erhaltene der Antike. Gemessen am Innendurchmesser (43,45 m) war die Kuppel mehr als 1700 Jahre die größte der Welt. Gebaut wurde das Pantheon als ein vermutlich allen römischen Göttern geweihter Tempel (daher auch der Name: griech. pân = "alles", theós = "Gott"). Laut dem antiken Historiker Cassius Dio standen hier Götterstatuen; namentlich erwähnt er die Götter Mars und Venus sowie den vergöttlichten Caesar. Welche Götter genau im Pantheon verehrt wurden, ist jedoch umstritten, zumal nicht restlos geklärt ist, ob das Pantheon seiner ursprünglichen Bestimmung nach ein Tempel oder ein imperialer Repräsentationsbau war, welcher trotz seiner sakralartigen Architektur säkularen Zwecken diente.
Den ersten Bau an dieser Stelle veranlasste Agrippa, Freund und General des Kaisers Augustus, im Jahr 27 v. Chr. Dieser erste Bau nahm zwar bereits in Grundzügen den uns heute noch erhaltenen vorweg; doch seinen formgebenden Kuppelbau bekam das Pantheon erst durch seine umfassende Neugestaltung in trajanisch-hadrianischer Zeit (wohl 118-128 n. Chr.), nachdem es zuvor durch zwei Brände massiv beschädigt worden war.
Die gut zu erkennende lateinische Inschrift vorne auf dem Fries lautet: M(arcus) Agrippa L(uci) f(ilius) co(n)s(ul) tertium fecit. – "Marcus Agrippa, Sohn des Lucius, zum dritten Mal Konsul, hat (es) erbaut." Dass Kaiser Hadrian darauf verzichtete, statt seines Namens den von Agrippa als Bauherren zu nennen, ist typisch für die Politik Hadrians, der so seine tugendhafte Zurückhaltung inszenieren konnte.
Im Kontext der immer tiefgreifenderen Christianisierung und damit auch Umwidmung römisch-heidnischer Bauten wurde das Pantheon dann im Jahr 609 in eine christliche Kirche umgeweiht, nachdem der oströmische Kaiser Phokas das Pantheon ein Jahr zuvor Papst Bonifatius IV. zum Geschenk gemacht hatte. Seither handelt es sich bei dem antiken Heiligtum um die der heiligen Maria sowie allen christlichen Märtyrern geweihte Kirche Sancta Maria ad Martyres. Einer mittelalterlichen Legende nach hatte Bonifatius im Zuge der Umweihung 28 Wagenladungen mit Gebeinen von Märtyrern in die neue Kirche bringen lassen. Vor allem an hohen Feiertagen werden hier noch heute Messen gefeiert. Es ist besonders dieser christlichen Umwidmung zu verdanken, dass uns das Pantheon bis heute so gut erhalten geblieben ist.
Seit dem 16. Jahrhundert wurde das Pantheon zur Grablege bedeutender Künstlerpersönlichkeiten, später auch des italienischen Königshauses. Diese neue Funktion des Pantheons seit der Renaissance bewirkte, dass das Pantheon in den Folgejahrhunderten nicht nur zum architektonischen Vorbild für zahllose Kuppelbauten wurde, sondern auch zum Namensgeber für andere Grablegen, in denen national bedeutsame Persönlichkeiten bestattet sind. Der vielleicht bedeutendste dieser nationalen Erinnerungsorte ist das Panthéon in Paris.
Literatur:
Knell, Heiner: Vom Parthenon zum Pantheon. Meilensteine der antiken Architektur, Darmstadt 2013.
Sperling, Gert: Das Pantheon in Rom. Abbild und Maß des Kosmos, Neuried 1999.
Wallraff, Martin: Pantheon und Allerheiligen. Einheit und Vielfalt des Göttlichen in der Spätantike, in: Jahrbuch für Antike und Christentum, Band 47, 2004, S. 128-143.
| Ort | Roma |
| Autor | Romexkursion2018 |
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