Platz der Alten Synagoge um 1930
Der Platz der Alten Synagoge wurde vor einigen Monaten umgestaltet. Der Brunnen befindet sich an der Stelle, an der die alte Synagoge stand und ist nach ihrem Grundriss gestaltet. Der gelbe Wegweiser erinnert an das schreckliche Schicksal von 375 Freiburger Juden, die am 22. Oktober 1940 in das Internierungslager Gurs, in den Pyräenen, deportiert wurden. Der Wegweiser zeigt in Richtung des Lagers.
Nicht alle Bewohner der Stadt Freiburg sind aber mit dem umgestalteten Platz zufrieden. Die Israelitische Gemeinde Freiburg stört sich daran, dass der Brunnen auf dem Platz nicht mit dem einer Gedenkstätte nötigen Respekt genutzt wird. Der nun folgende Artikel gibt diesen Sachverhalt wieder.
Brunnendebatte: Platz der alten Synagoge
Seit dem 02.August 2017 ziert Freiburgs neue Mitte nun der Gedenkbrunnen an die alte Synagoge, welche damals in der »Reichspogromnacht« (9.-10. November 1938) von den Nationalsozialisten niedergebrannt wurde. Schon immer war dieser Platz ein Ort für Demos, Feste und einer des Gedenkens. Der Brunnen auf dem Grundriss der alten Synagoge zog sofort viele Passanten an, zur Freude der Stadträte und der israelischen Gemeinde in Freiburg. Oberbürgermeister Dieter Salomon erwähnte in seiner Ansprache: »Dieser Platz soll leben!«. Die Idee, die hinter der Aufmachung der Gedenkstätte steckt, ist den Brunnen zu beiden Teilen als ein Mahnmal, aber auch als einen lebendigen Ort erscheinen zu lassen. »Denn Wasser symbolisiert Leben«, so der Oberbürgermeister. Welche Ausmaße die Lebendigkeit dort und Nutzung dieses Brunnens annehmen würden, war den Stadträten und Mitgliedern der israelischen Gemeinde in Freiburg bis zu diesem Zeitpunkt noch nicht bewusst. Planschende Kinder im Gedenkbrunnen stören die Besucher zunächst nicht – wohl aber rücksichtslose Erwachsene, die in Einzelfällen Liegestühle aufstellen oder sogar Fahrradreifen abwaschen. Der Brunnen, welcher zum Gedenken an die vielen Opfer des Holocaust errichtet wurde, wird bei schönem Wetter in kurzer Hand zur Freizeiteinrichtung umfunktioniert. Unlängst wurde beobachtet, wie jemand mit dem Rad durchs Wasser fuhr; sogar Breakdance–Vorführungen und Partys sollen in und am Brunnen sattgefunden haben, was den Gemeindemitgliedern der israelischen Gemeinde missfällt. Bei genauerem Betrachten des Sachverhaltes, stellt man sich schnell die Frage: War diese Problematik angesichts der stark veränderten Stadtgesellschaft und den dadurch teilweise auffälligen Verhaltensweisen zuvor nicht zu erahnen?
»Es gab Leute, die das schon befürchtet haben«, so die Vorsitzende der Israelitischen Gemeinde Irina Katz. Für viele Einwohner mit jüdischem Glauben sei der Anblick, wie der Gedenkbrunnen als Planschbecken genutzt wird, nur schwer erträglich. Auf der einen Seite ist es schön, dass die Menschen den Platz freudig nutzen, nur müsse dies in Zukunft in Einklang mit der Geschichte der jüdischen Gemeinden und dem Gedenken daran gebracht werden. Empörung und Trauer machen sich in der Israelitischen Gemeinde gegenüber der rücksichtslosen Nutzung des Brunnens vor allem von Erwachsenen breit. Das mangelnde Bewusstsein und die Partylaune beim Betreten der Gedenkstätte sei in den Augen der Mitglieder der Israelitischen Gemeinde das größte Problem. Irina Katz bereut die Entscheidung, den Bau des Gedenkbrunnens nicht gestoppt zu haben, als die Fundamentstücke der zerstörten Synagoge gefunden wurden. Sie beteuert: »Wenn man auf uns gehört hätte, hätte man mehr Zeit für grundsätzliche Überlegungen gehabt.«
Die Stadträte schauen mit geteilter Meinung auf die Debatte um den Gedenkbrunnen. Stadtrat Michael Moos zeigt sich heute als einer der Ersten selbstkritisch. »Der Platz ist gut gelungen, aber einen möglichen Konflikt zwischen Erinnerungsort und urbanem Leben haben wir nicht auf dem Schirm gehabt. Wir waren alle fasziniert von der Idee, Wasser im Umriss der Synagoge einzusetzen, von dieser hohen ästhetischen Qualität.« Er sieht den Fehler in der Planung, denn dort wurde immer von einem »Wasserfilm« gesprochen. Dieser Ansatz lässt zunächst nicht an ein Becken denken. Moos ist es wichtig, Ideen zu sammeln, wie man den Platz und so seine Nutzung sinnvoll verbessern könne, ohne ihn zu beschädigen, denn er ist und bleibt durch seinen Umbau der neue Mittelpunkt Freiburgs.
Auch die ironisch selbsternannte »Vorzeigebürgerin« Hanne Beyermann-Grubert war bei einigen Planungssitzungen vertreten. Rückblickend spricht sie von einem Wasserbecken, welches fast im Boden versinke und über welches Wasser laufe, damit sich niemand hineinsetzen würde, so war zumindest ihre Vorstellung, nach den etlichen Vorträgen der Architekten und Bauleitung. Der Platz sollte eine stille Fläche darstellen, in dem sich im Wasser der Himmel spiegelt. Sie selbst gibt später zu: »Da haben wir alle gepennt.« Der Architekt Volker Rosenstiel sieht hinter der Brunnendebatte ein ganz anderes Problem. Er verbindet die rücksichtslose Nutzung der Gedenkstätte mit der »Stadtgesellschaft, die sich stark verändert«. Vor zwölf Jahre wäre so was nicht passiert. Allein die Verschmutzung auf dem Platz ist enorm. Den Gedenkbrunnen abzusperren, kommt für ihn nicht in Frage.
Ein Interview der Badischen Zeitung zeigt, dass die Stadtbevölkerung mit der Nutzung des Brunnens durch spielende Kinder gelassen reagiert. Viele Bewohner empfinden das freudige Spektakel auf dem Brunnen als sehr lebensbejahend. Für die soll der Platz nicht nur ein Ort der Trauer sein, sondern auch einer, auf dem sich das öffentliche Leben abspielt, denn erst so erlangt er und auch die Geschichte, welche dahinter steckt, die Aufmerksamkeit, die der Platz und seine Geschichte auch bekommen sollen. Nur das rücksichtslose Verhalten erwachsener Besucher stört die Stadtbevölkerung ebenso, wie die Israelitische Gemeinde. Ein Besucher begründet sein Verhalten auf der Unwissenheit darüber, dass der Brunnen eine Gedenkstätte sei. Sie sei absolut nicht als solche zu erkennen.
Nun kündigt die Stadt Freiburg Lösungsvorschläge an, die zu einen würdigeren Umgang mit dem Gedenkbrunnen führen sollen. Um mehr über den Platz der Alten Synagoge und die Geschichte, die dahinter steckt, erfahren zu können, wurden bereits zwei Tafeln an den beiden Enden des Denkmals aufgestellt. Außerdem sollen sie Fundamentreste der alten Synagoge künftig in einem NS–Dokuzentrum ausgestellt werden.
Die verlinkten Internetseiten dienen als Quelle für den Artikel.
| Ort | Freiburg im Breisgau |
| Autor | GLGSFR |
| Kategorien | Stadtbild Erinnern Synagoge |
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