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Palais Piosasque de Non um 1890

Rokoko-Palais, Theatinerstraße 16

Herausragendes Rokokopalais erbaut von François de Cuvilliés in den Jahren 1726-1732 für den bayerischen Feldmarschall und Diplomaten Joseph Graf Piosasque de Non. Zerstört im 2. Weltkrieg. Der Kunsthistoriker Cornelius Gurlitt nannte das Palais "wohl eine der graziösesten Schöpfungen Münchner Architektur" und schrieb darüber:

"Die Meisterschaft im Ornamentalen und der in München vorherrschende Zug für reiche Formensprache scheint jedoch Cuvilliés bald dazu gebracht zu haben, sich von der Strenge Blondel’scher Regel ab und freien Gestaltungen zuzuwenden. Dafür gibt das prächtige Palais Piosasque de Non (jetzt Eichthal), Theatinerstraße, rühmliche Kunde, wohl eine der graziösesten Schöpfungen Münchner Architektur. Unverkennbar sieht man an der Façadenbildung den Einfluß der Theatinerkirche, der für die Folge geradezu maßgebend wird. Auch hier gliedert sich das Mittelrisalit durch zwei seitliche Vorsprünge. Im Erdgeschoß finden wir im Mittel das schlicht rusticirte Rundbogenportal mit prächtig geschnitzter Thüre und reichem schmiedeeisernen Oberlichtgitter, zur Seite je ein hier nur dekorativ wirkendes jonisches Dreiviertel-Säulenpaar. Ueber das Gesims desselben zieht sich die Balustrade des Balkons hin. Im ersten Obergeschoß stehen zu Seiten der von je einem Stichbogenfenster unterbrochenen Risalite zwei korinthische Säulen als Umrahmung des mittleren Rundbogenfensters, über dem zweiten Obergeschoß verkröpft sich das Konsolengesims um die Vorsprünge, so daß auch hier das Wappen den Zwischenraum bis zur Spitze des Giebels füllt. An den je dreifenstrigen Flügelbauten sind die Fenster durchweg von anderer Form als im Mittelrisalite, so daß, abgesehen von dem zierlichen Ornament, den Konsolen, Anschwüngen, Emblemen, auch in den Grundformen sich ein überaus lebendiges Spiel geltend macht, ohne daß der Charakter des Vornehmen beeinträchtigt wäre. Wie die Façade, so hat auch der Grundriß ganz außerordentliche Schönheiten. Er entspricht dem Münchner Typus in seiner Anlage um einen kleinen Hof. Das erste Vestibül mit seiner eleganten, jonischen Pilasterordnung, ein sich anschließender und gegen den Hof mit zwei Säulen öffnender Rundraum bilden die Durchfahrt. Man wendet sich zur Rechten in ein weiteres Vestibül von quadratischer Grundform, mit konkav abgestumpften Ecken, um zu der stattlichen, einarmigen Treppe zu gelangen, die den rechten Hofflügel füllt. Im Hauptgeschoß ist vorn eine Flucht von vier Räumen angeordnet, an die sich über dem zweiten Vestibül ein Vorzimmer mit geschickt angelegten Nebentreppen, dann der runde Speisesaal und im linken Hofflügel die größeren Festräume anschließen. Leider ist die alte Dekoration verschwunden und erinnert nur die geschickte und bequeme Anlage an die Hand des französischen Baukünstlers." (Geschichte der Neueren Baukunst: Fünfter Band: Geschichte des Barockstiles, des Rococo und des Klassicismus. Zweiter Teil: Deutschland. Stuttgart 1889)
Dabei ist nur zu berichtigen, dass die Fassade der Theatinerkirche keinen Einfluss auf die Fassade des Palais Piosasque de Non ausgeübt haben kann, da erstere erst zwischen 1766 und 1768 errichtet wurde, also rund 100 Jahre nach dem eigentlichen Bau der Kirche und 40 Jahre nach dem Bau des Palais Piosasque de Non (übrigens ebenfalls von François de Cuvilliés, der sich dabei aber auf frühere Entwürfe von Agostino Barelli und Enrico Zuccalli gestützt hat).

Weitergehende Informationen und Grundriss des Palais: https://de.wikipedia.org/wiki/Pa...

Das Foto von ca. 1890 zeigt den mittleren Teil des Gebäudes (links und rechts fehlt jeweils eine Fensterachse) im Originalzustand vor Veränderung der Erdgeschoßzone im Jahre 1897.

Quellen:
Konstantin Köppelmann, Dietlind Pedarnig: Münchner Palais. München 2016
Cornelius Gurlitt: Geschichte der Neueren Baukunst: Fünfter Band: Geschichte des Barockstiles, des Rococo und des Klassicismus. Zweiter Teil: Deutschland. Stuttgart 1889
Stefan Nadler: Die Münchner Theatinerkirche und ihre Vollendung, in: François de Cuvilliés - Rokoko-Designer am Münchner Hof. München 2018 

Ort München
Autor leonardo
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Suchbegriffe / Tags
Rokoko
Palais
Cuvilliés
Theatinerstraße
Barock
Lizenz Unbeschränktes Nutzungsrecht (Public Domain)
Bildquelle
Aus „Münchener Architektur des 18. Jahrhunderts" (1892) von Otto Aufleger (Herausgeber)
Urheber
Fotograf: Joseph Albert
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