Alte Synagoge Regensburg 1519
Die alte mittelalterliche Synagoge
Der Begriff Synagoge stammt vom griechischen Wort für Zusammenkunft und ist eine Übersetzung des hebräischen Beth Knesset (=Haus der Versammlung). 1227 wurde die Synagoge in Regensburg fertiggestellt und war nach Köln, Trier, Speyer und Worms erst die fünfte im Reich. Sie schrieb Architekturgeschichte, da sie erstmals im gesamten Donauraum sowohl Gotik als auch die zweischiffige Hallenkirche einführte. Sie hatte einen trapezförmigen Grundriss, die Längswände maßen 16,20 Meter, die Westwand 6,30 Meter und die Ostwand (mit dem Toraschrein) 9,20 Meter.
Im jüdischen Religionsgesetzbuch, der sogenannten Halacha, gibt es genaue Vorschriften, wie eine Synagoge zu errichten ist. So besteht sie aus einem Zentralraum und einem Vorderhaus, von dem aus man zur Straße kommt. Den Vorschriften nach darf sie nicht an andere Häuser angrenzen. Betritt man eine Synagoge, so fällt sofort auf, dass sie in zwei Teile geteilt ist: einen Bereich für Männer und einen für Frauen. Man war der Meinung, dass der notwenige Ernst im Gottesdienst und die gebührende Aufmerksamkeit gestört wird, wenn Männer und Frauen im gleichen Raum zusammensitzen.
In der Mitte der Synagoge erhebt sich ein Podest, die Bima. Von dort aus wird die Thora, die an die Menschen gerichtete Lehre Gottes, vorgelesen. Diese Lesung bildet den wesentlichen Mittelpunkt jedes Gottesdienstes. Um die Bima herum versammelten sich die Gläubigen.
Die Thora ist eine Gesetzesrolle und jede Synagoge besitzt mehrere solcher Schriftrollen. Sie sind der am meisten geschätzte Besitz der Gemeinde. Ihnen wird ein eigener Platz zugewiesen: die Bundeslade, wie sie früher hieß, heute der Thoraschrein. Er liegt stets an der Ostwand des Gebetshauses. Dafür wird in die Wand eine Nische gebaut oder ein Schrank an die Wand gestellt.
Die beiden dargestellten Skizzen sind einmalig. Sie wurden 1519 von Albrecht Altdorfer gefertigt.
Das erste Bild zeig die Vorhalle. An der Stirnseite ist ein Rundfenster mit gotischem Maßwerk zu sehen, ein Sechspass, der einem sechsstrahligen Stern ähnelt – dieses Motiv war auf dem Siegel der Regensburger Synagogengemeinde dargestellt.
Ihre Beischrift lautet: PORTICUS. SINAGOGAE / JUDAICAE. RATISPONEN(SIS) / FRACTA .21. DIE FEB(RUARII). / ANN(O) 1519.
Auf dem zweiten Bild ist die Innenansicht der Synagoge dargestellt.
Ihre Beischrift lautet: ANNO. D(OMI)NI. (M) D XIX. / IVDAICA RATISPONA / SYNAGOGA. IVSTO / DEI IVDICIO. FUNDIT(V)S / EST. EVERSA.
Fragen und Arbeitsaufträge
1) Beschreibe die beiden Radierungen. Was ist zu erkennen? Wie wirken die Zeichnungen auf Dich?
2) Übersetze die Beischriften. Geben sie Hinweise auf die weitere Geschichte der jüdischen Gemeinde?
Tipp: Hier ist eine kleine Tabelle mit den verwendeten römischen Ziffern!
Zeichen I V X L C D M
Wert 1 5 10 50 100 500 1000
Literaturhinweise
Dittscheid, Hans Christoph: Die Synagogenbauten der Oberpfalz vom Mittelalter zur Moderne, in: Brenner, Michael/ Höpfinger, Renate (Hg.): Die Juden in der Oberpfalz. München 2009, S. 27–52.
Noll, Thomas: Albrecht Altdorfers Radierungen der Synagoge in Regensburg, in: Grenzmann, Ludger u. a. (Hg.): Wechselseitige Wahrnehmung der Religionen im Spätmittelalter und in der Frühen Neuzeit, Bd. 1. Konzeptionelle Grundfragen und Fallstudien (Heiden, Barbaren, Juden). Berlin/New York 2009, S. 189–230.
(CD)
| Ort | Regensburg |
| Autor | Stadtgeschichte... |
| Kategorien | Stadtbild Erinnern Synagoge |
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| Lizenz | Unbeschränktes Nutzungsrecht (Public Domain) |
| Bildquelle | Vorhalle |
| Urheber | Albrecht Altdorfer |
| Zugeordnete Touren | Jüdisches Regensburg |