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1897 2020
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Kornhausbrücke 1897

Kornhausbrücke mit Baugerüst

Die Stadt Bern hatte beim Bau dieser Brücke [àzeigen] zum ersten Mal selber die Zügel in der Hand. Die Stadt kämpfte um die Jahrhundertwende mit einer wahren Bevölkerungsexplosion und damit verbundener Wohnungsnot. Darum sollte nun auch das Land nördlich der Aare mit einer Brücke erschlossen werden.

Schnell bildeten sich Komitees für drei verschiedene Standorte der Brücke zwischen heutiger Kornhausbrücke und Lorrainebrücke. In diesen drei Gruppierungen sassen zahlreiche Bodenbesitzer, deren unbebautes Land durch das jeweilige Projekt am besten erschlossen worden wäre. Zudem gab es Leute, die nicht eigentlich für, sondern eher gegen eine bestimmte Brücke waren. Der Präsident des Waisenhaus-Comités engagierte sich für die Waisenhausbrücke (ein Stück weiter Aare-abwärts), weil seine Villa am Altenberghang genau dort stand, wo ein Pfeiler der künftigen Kornhausbrücke zu stehen kommen sollte.

Neben den Brückenprojekten wurden noch weitere Möglichkeiten diskutiert, die Aare nach Norden hin zu überwinden. So ging (1888) ein Konzessionsbegehren für die Erstellung einer „in der Luft schwebenden Drahtseilbahn vom Waisenhausplatz auf das Schänzli“ ein.

Die Interessengruppen und Komitees versuchten mit Leserbriefen und mit der Herausgabe von eigenen Zeitungen, die Stimmberechtigten der Stadt auf ihre Seite zu ziehen. Im Oktober 1892 kam es zur entscheidenden Abstimmung. Die Stimmberechtigten mussten sich zwischen der Waisenhaus- und der Kornhausbrücke entscheiden. Das Kornhausprojekt siegte deutlich. Wohl nicht zuletzt dank eines kleinen Tricks der Burgergemeinde. Diese erklärte nämlich, sie würde der Einwohnergemeinde das Spitalackerfeld auf der anderen Seite der Aare mit einem Rabatt von 500'000.- überlassen, falls die Kornhausbrücke gebaut würde. Das hohe ‚Bestechungsgeld‘ schmerzte die Burgergemeinde wohl kaum, denn die Kornhausbrücke erschloss weitere Felder, welche sich in burgerlichem Besitz befanden.

Nachdem die Standortfrage geklärt war, ging es nun um die Frage, wer die Brücke mit welchem Material bauen sollte. Wie sie sehen, war die Arbeiter-Union mit ihrer Initiative für eine steinerne Brücke nur bedingt erfolgreich. Ein Grund für den Entscheid nicht nur auf Eisen zu setzen, war wohl die damals in Bern verbreitete ‚Eisen-Angst‘. Die Pfeiler, welche die Kornhausbrücke tragen, sind aus einheimischem Stein gefertigt. Hier sehen Sie die Arbeiten an einem der Pfeiler [à Bild mit Arbeiter].

Bei der Eisenkonstruktion haben sich die Befürchtungen der Arbeiter-Union bestätigt: Die kleinen Bogen stammen aus Werkstätten in Kriens und sind damit immerhin ein inländisches Produkt. Mit der Fertigung des Hauptbogens hingegen wurde eine deutsche Firma beauftragt. Hier sehen sie das Lehrgerüst, welches während der Montage zur Stützung des Hauptbogens diente.

Die Kornhausbrücke ist somit ein politischer Kompromiss und kein modernes ästhetisches Statement wie die Kirchenfeldbrücke. Damit mag die Brücke wenig gewagt erscheinen. Wenn man sich aber den politischen Prozess und die Mitwirkung verschiedener Gruppierungen anschaut, kann man die Kornhausbrücke durchaus als modern bezeichnen.

 

Ort Bern
Autor StattLand
Kategorien
Stadtbild
Tourismus
Brücke/Fluss
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Lizenz Alle Rechte vorbehalten
Bildquelle
Stadtarchiv Bern (Stadtarchiv Bern, SAB_1003_3_7_5B)
Urheber
Andreas Blatter
Urheber Vergleichsbild
Karl Gotsch
Lizenz Vergleichsbild Alle Rechte vorbehalten
Bildquelle Vergleichsbild Brücken in Bern

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