Haupteingang Kaserne um 1975
Im Augsburger Stadtteil Pfersee, im Westen der Stadt, entstand nach dem Zweiten Weltkrieg ein riesiges Areal, das aus drei ehemaligen Wehrmachtskasernen, der General-Kneußl-Kaserne, der Heeresnachrichten-Kaserne und der Luftnachrichten-Kaserne, zusammengefasst wurde. Die Amerikaner gaben dem Komplex 1953 den Namen "Sheridan-Kaserne", nach dem im Krieg gefallenen Soldaten Carl V. Sheridan.
Sie war mit 67 Hektar die größte Kaserne in Augsburg. Die Amerikaner übernahmen das Gelände fast unbeschädigt und bauten es weiter aus. Es entstanden unter anderem Gästehäuser, eine Kirche, ein Ballsaal, eine Sporthalle und eine Bowlinghalle.
Nach dem Krieg waren hier zunächst die Besatzungstruppen von Infantry Divisionen stationiert. Später kamen Einheiten der Militärpolizei, das 5th Regiment hinzu. Im Koreakrieg und im Kalten Krieg wurden hier vor allem Truppen der Nationalgarde stationiert.
Ab 1956 waren in der Sheridan-Kaserne große Teile von Fallschirmspringertruppen untergebracht. In den folgenden Jahrzehnten waren hier verschiedene Artillerieeinheiten, das 3. Bataillon des 63. Panzerregiments sowie Sicherheits- und Nachrichtendienste (Horch- und Guckabteilungen) stationiert. Eine besondere Einheit war die Naval Security Group Activity Augsburg, eine nachrichtendienstliche Einheit der US-Marine, die von 1973 bis 1996 in der Kaserne ansässig war.
Die Sheridan-Kaserne hatte einen besonderen Ruf. Im Offizierskasino fanden viele Feiern statt, bei denen wichtige Entscheidungen getroffen wurden. Die große Wiese im Süden der Kaserne wurde für Paraden, Hubschrauberübungen und sportliche Aktivitäten genutzt.
Die Sheridan-Kaserne sah nach und nach so aus, wie es sich die ursprünglichen Planer vorgestellt hatten. Der dichte Grünbestand und die militärischen Gebäude schufen eine einzigartige Atmosphäre. Die Amerikaner fühlten sich hier wohl und für viele Soldaten und ihre Familien wurde die Sheridan-Kaserne zu einem Stück Heimat.
Die Kaserne hatte zwei bewachte Zugänge, eines nach Osten, das Pfersee Gate (Bild) und eines nach Westen, das Stadtbergen Gate. Bis spät in die 1980er Jahre war es Nichtamerikanern nur unter Ausweisvorlage möglich in die Kaserne zu gelangen, Taxifahrer wurden früher davon ausgenommen, denn die GI waren außer im Manöver, keine großen Fußgänger. Meist ließen sie sich an den Unterkunftsgebäuden abholen, selbst dann wenn sie nur kurze Strecken auch in der Kaserne zurücklegten. Der günstige Dollarwechselkurs ermöglichte dies.
Der Grasige Weg war ursprünglich eine (grasige) Feldwegverbindung zwischen Pfersee und dem südöstlichen Gemeindebereich von Stadtbergen. Mit der Errichtung der nationalsozialistischen Kasernen in Pfersee in den 1930er Jahren nahm er die Trennlinie zwischen der Luftnachrichtenkaserne im Süden und der General Kneussl Kaserne sowie Heeresnachrichtenkaserne im Norden ein. Dazu erfolgte eine Straßenbefestigung für die seitlichen Kasernenzufahrten mit Granitpflaster.
Die 700 Meter lange Kasernenstraße erhielt beidseitig eine Baumbepflanzung. Die sich daraus entwickelte Allee wurde von den Amerikanern erhalten und gepflegt. An heißen Tagen diente der Grasiger Weg als geschätzte Schattenzufahrt zu den auf beiden Seiten befindlichen Kasernenteilen. Während der Grasiger Weg in der Wehrmachtszeit als offene Zufahrt zu den einzelnen Kasernen diente, riegelten die Amerikaner nach der Zusammenfassung aller Kasernenteile zur neu benannten Sheridan-Kaserne die Straße auf beiden Seiten mit Kontrollposten ab. So entstanden Ost Gate in Pfersee und West Gate am Rande Stadtbergens. Der Grasiger Weg prägte mit seiner prachtvollen Allee den Charakter der Sheridan-Kaserne. Wer als Außenstehender die Kasernenanlage betrat, fühlte sich durch sie in einer anderen Welt.
| Ort | Augsburg |
| Autor | Regio Augsburg ... |
| Kategorien | Stadtbild Erinnern |
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