Rudi Hell Aalschokker
Griether Fischerei und der letzte Aalschokker von NRW
Früher zogen Rheinfischer Aale und Lachse ohne Mühe an Land. Prall gefüllt war der Rhein mit diesen Fischarten. Heute ist das ganz anders. Vor allem die Verschmutzung des Rheinwassers hat dafür gesorgt, dass Artenvielfalt und Fischmengen sich drastisch verringert haben. Die Folge: hauptberufliche Rheinfischer gibt es nicht mehr.
Grieth hat eine fast 500 Jahre dauernde Fischereitradition. Um 1900 gab es noch 35 bis 40 Berufsfischer. Vollzeit beschäftigt davon waren zwei, nämlich die Familien van Elsbergen und Hell. Die Anderen waren Tagelöhner, die nebenher auch in der Landwirtschaft tätig waren. Alle mussten ihre Arbeit als Fischer in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg aufgeben. Die Giftkatastrophe des Rheins 1969 bedeutete das definitive Aus der beruflich betriebenen Rheinfischerei. Für Berufe, die von der Fischerei abhängig waren, wie zum Beispiel Fassmacher, war das ein herber Schlag. Aber auch für die Essgewohnheiten der Griether. Eine beliebte Mahlzeit war eingekochter Aal in Gelee, der mit Weiß- oder Schwarzbrot gegessen wurde. Der „Eimer voller Maifische“, für nur 50 Pfennig zu haben, verschwand auch vom Griether Speiseplan.
Um 1900 gab es auf dem Rhein noch etwa 200 aktive Aalschokker. Heute sind zwischen Basel und Emmerich noch genau zwei unterwegs: im Mittelrheintal und eben einer in Grieth. Letzterer ist Pensionär, aber seine Liebe zur Fischerei lässt ihn weitermachen.
Der letzte Griether Rheinfischer ist Rudi Hell, über 85 Jahre alt und immer noch täglich aktiv als naturverbundener Mensch. Mit ihm geht eine lange Familientradition zu Ende: nachweislich 300 Jahre lebten die Hells vom Fischereiberuf.
Rudi Hell ist seit seinem 13. Lebensjahr auf dem Rhein unterwegs; erst als Schiffsjunge auf den unterschiedlichsten Booten, später war er Baggermeister. Seit 2002 verbringt er sein Leben als Fischer auf dem Aalschokker Anita II, einen holländischen “Schokker” aus dem Jahre 1934. Er liegt 30 Meter entfernt vom linksseitigen Griether Rheinufer. Das Netz ist etwa 30 Meter lang und 6 Meter tief und reicht bis auf den Grund. Mit einer Seilwinde kann er das Netz an Deck ziehen, um die Fische herauszuholen. Seine Netze fangen alle heute im Rhein vorkommenden Fischarten, zum Beispiel Zander, Forelle, Wels, Hecht, Lachs und Maifische. Seine Hauptbeute sind aber Aale.
Dazu liegt sein Netz im stärksten Strömungsabschnitt. Wenn die ausgewachsenen Aale zurück in die Nordsee schwimmen, lassen sie sich gerne in der Uferströmung treiben, um Kraft zu sparen. Denn lang und gefährlich ist die Reise, die Aale vor sich haben. Einmal quer über den Atlantik müssen sie, zurück zu ihrem Geburtsort - der Sargassosee - nahe dem Golf von Mexico. Nach dem Laichen sterben sie, die jungen Glasaale schwimmen von dort zu Milliarden nach Europa, wachsen dann in dem Süßwasser europäischer Flüsse heran, um dann, wie ihre Gene es vorschreiben, nach 15 bis 20 Jahren zum Laichen wieder an ihren Geburtsort zurück zu schwimmen.
Rudi Hell’s gefangene Aale sind nicht nur zum Verzehr da, sondern dienen auch wissenschaftlichen Zwecken. Er arbeitet mit mehreren Universitäten und der Landesfischereianstalt in NRW zusammen. Deren Ziel ist es, Erkenntnisse über das Laich- und Zugverhalten von Aalen und Lachsen und die Artenvielfalt von Fischen im Rhein zu gewinnen.
Rudi Hell will weiter fischen, so lange es ihm körperlich gegönnt ist.
Text: Jan Kramer
| Ort | Kalkar |
| Autor | Grieth am Rhein |
| Kategorien | Tourismus Erinnern Brücke/Fluss |
| Suchbegriffe / Tags | |
| Lizenz | Unbeschränktes Nutzungsrecht (Public Domain) |
| Bildquelle | Förderverein Hansestadt Grieth |
| Urheber | K. Hamacher |
| Urheber Vergleichsbild | |
| Lizenz Vergleichsbild | Alle Rechte vorbehalten |
| Zugeordnete Touren | Geschichte |