Anti-Atom-Protest 1982
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Gummern war in den frühen 1980er-Jahren wiederholt Schauplatz von Protestaktionen gegen das geplante Endlager für hochradioaktive Abfälle in Gorleben. Im Januar 1982 sowie im Sommer 1983 besetzten Atomkraftgegner den Grenzstreifen am sogenannten Wildschweineck hinter der Ortslage von Gummern. Das Gebiet vor dem ersten Grenzzaun, häufig als „Niemandsland“ bezeichnet, gehörte völkerrechtlich bereits zum Staatsgebiet der DDR.
Am 27. Januar 1982 überschritten rund 60 Demonstranten bei Gummern die westlichen Warnschilder und begaben sich am Wildschweineck auf den Grenzstreifen unmittelbar vor dem DDR-Grenzzaun. Sie errichteten Lagerfeuer, stellten Transparente auf und richteten sich auf einen längeren Aufenthalt ein. Die Teilnehmer betonten wiederholt, ihr Protest richte sich nicht gegen die DDR oder deren Grenztruppen, sondern gegen das geplante Endlager in Gorleben und die fehlenden Fluchtmöglichkeiten für die Bevölkerung im Falle eines atomaren Unfalls.
Die DDR-Grenztruppen registrierten den Grenzübertritt detailliert und beobachteten die Situation zunächst ohne unmittelbares Eingreifen. Erst am Nachmittag forderten sie die Besetzer auf, den Grenzstreifen zu verlassen. Auf westlicher Seite waren Polizei und Bundesgrenzschutz im Einsatz, konnten jedoch rechtlich nicht einschreiten. In der Nacht bereitete sich die DDR-Seite auf eine mögliche Räumung des Geländes vor; Selbstschussanlagen am Wildschweineck wurden vorsorglich abgeschaltet. Am Morgen des 28. Januar verließen die Demonstranten den Grenzstreifen freiwillig und kehrten auf westliches Gebiet zurück. Strafrechtliche Folgen hatte die Aktion für sie nicht.
Weitere Fotos können hier eingesehen werden: Gorleben-Archiv
Der Grenzabschnitt „Wildschweineck“ hat seinen umgangssprachlichen Namen aus dem Umstand, dass dort in den siebziger und achtziger Jahren durch die DDR-Grenztruppen verlegte Landminen häufig nachts durch Wildwechsel detonierten und die Tiere dort verendeten.
Im Sommer 1983 kam es am Wildschweineck erneut zu einer ähnlichen Protestaktion. Rund 40 Atomkraftgegner errichteten ein Camp auf dem Grenzstreifen, um auf die aus ihrer Sicht unzureichende Vorsorge für den Katastrophenfall in Gorleben aufmerksam zu machen. Auch diesmal reagierten die DDR-Grenztruppen mit wiederholten Aufforderungen zum Verlassen des Geländes und einer umfassenden Dokumentation der Ereignisse. Der Bundesgrenzschutz war auf westlicher Seite präsent, blieb jedoch in seinen Handlungsmöglichkeiten eingeschränkt. Nach mehreren Tagen beendeten die Demonstranten die Aktion und zogen sich zurück.
Die Besetzungen am Wildschweineck bei Gummern verdeutlichen die besondere politische und geografische Situation des Wendlands während der deutschen Teilung. Der Protest machte die Auseinandersetzung mit der Energiepolitik ebenso sichtbar wie die Spannungslage an der innerdeutschen Grenze. Heute sind die Grenzanlagen verschwunden und das Gelände überwuchert.
© 2026 Stephan Prieß
In the early 1980s, Gummern was the scene of repeated protests against the planned final storage facility for highly radioactive waste in Gorleben. In January 1982 and summer 1983, opponents of nuclear power occupied the border strip at the so-called Wildschweineck behind the town of Gummern. The area in front of the first border fence, often referred to as “No Man's Land”, was already part of the GDR's territory under international law.
On January 27, 1982, around 60 demonstrators crossed the western warning signs near Gummern and went to the border strip directly in front of the GDR border fence at Wildschweineck. They built campfires, put up banners and prepared for a longer stay. The participants repeatedly emphasized that their protest was not directed against the GDR or its border troops, but against the planned final storage facility in Gorleben and the lack of escape options for the population in the event of a nuclear accident.
The GDR border troops recorded the border crossing in detail and initially observed the situation without taking immediate action. It was only in the afternoon that they asked the occupiers to leave the border strip. Police and federal border guards were deployed on the western side, but were unable to take legal action. During the night, the GDR side prepared for a possible evacuation of the area; Self-firing systems at Wildschweineck were switched off as a precaution. On the morning of January 28, the demonstrators voluntarily left the border strip and returned to western territory. The action had no criminal consequences for her.
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The border section “Wildschweineck” gets its colloquial name from the fact that landmines laid there by the GDR border troops in the 1970s and 1980s often detonated at night due to animal crossings and the animals died there.
In the summer of 1983 there was another similar protest at Wildschweineck. Around 40 opponents of nuclear power set up a camp on the border strip to draw attention to what they saw as inadequate preparedness for a disaster in Gorleben. This time too, the GDR border troops responded with repeated requests to leave the area and comprehensive documentation of the events. The Federal Border Guard was present on the western side, but remained limited in its options for action. After several days, the demonstrators ended the action and withdrew.
The occupations at Wildschweineck near Gummern illustrate the special political and geographical situation of the Wendland during the division of Germany. The protest made the debate over energy policy just as visible as the tension at the inner-German border. Today the border fortifications have disappeared and the area is overgrown.
© 2026 Stephan Prieß
| Ort | Schnackenburg |
| Autor | Stephan |
| Kategorien | Erinnern Stadttor/-mauer Platz/Park Abriss |
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| Bildquelle | Gorleben-Archiv |
| Urheber | Günter Zint |
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