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Zeuge der Teilung

Der ehemalige Grenzturm in Bömenzien

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Die Region zwischen dem altmärkischen Bömenzien und dem wendländischen Nienwalde blickt auf eine jahrhundertelange Geschichte als Grenzraum zurück. Was einst historische Verwaltungsgrenzen waren, wandelte sich nach dem Zweiten Weltkrieg zu einer tiefen Trennlinie. Mit der Aufteilung Deutschlands in Besatzungszonen fiel Bömenzien in den sowjetisch verwalteten Sektor, während das benachbarte Nienwalde Teil der britischen Zone wurde. Aus der anfänglichen Demarkationslinie entwickelte sich ab 1952 ein hochgerüstetes, von der DDR rigoros überwachtes Sperrsystem.

Inmitten dieser Kulisse entstand der Grenzturm nahe Bömenzien auf einer Anhöhe am Nienwalder Weg. Der als Postenpunkt 25 (PP 25) geführte Wachturm diente den Grenztruppen der DDR zur lückenlosen Überwachung des umliegenden Terrains. Während die erste Generation dieser Anlage noch provisorisch aus Holz errichtet worden war, folgte später der Aufbau eines robusten, standardisierten Quadratturms aus Betonfertigteilen (Typ BT-9). Von hier aus hatten die Posten freie Sicht auf die Grenzanlagen, die in diesem Abschnitt aus zwei 2,40 Meter hohen Streckmetallzäunen sowie einem dazwischenliegenden Minenfeld bestanden. Ergänzt wurde die Überwachung durch benachbarte Postenpunkte am Zehrengraben beziehungsweise Seege-Durchstich (PP 24) und am Dannenberger Weg (PP 26).

Fluchtversuche im Keim zu ersticken, war das primäre Ziel des DDR-Grenzregimes. Etwa 500 Meter vor dem eigentlichen Grenzverlauf verlief ein Grenzsignalzaun, der bei Berührung Alarm in den Führungsstellen auslöste. Zudem war dem Grenzgebiet eine fünf Kilometer tiefe Sperrzone vorgelagert, die nur mit einem speziellen Passierschein betreten werden durfte. Die zugehörigen Kontrollstellen der Volkspolizei mit entsprechenden Schlagbäumen befanden sich im Hinterland bei Wanzer und Drösede. Auf der gegenüberliegenden, westdeutschen Seite in Nienwalde wurde die Demarkationslinie wiederum durch Pfähle sowie Hinweistafeln markiert und ab Ende der 1940er Jahre durch den Zollgrenzschutz, den Bundesgrenzschutz sowie sporadisch durch das britische Militär beobachtet.

Nach dem Mauerfall im Jahr 1989 wurden die massiven Grenzbefestigungen fast vollständig zurückgebaut. Der Grenzturm von Bömenzien blieb jedoch als eines der wenigen architektonischen Denkmale des Eisernen Vorhangs in der Region erhalten. Das ehemals unzugängliche und von Menschenhand über Jahrzehnte isolierte Grenzgebiet entwickelte sich derweil zum „Grünen Band“ – einem wertvollen, zusammenhängenden Biotopverbund, in dem seltene Tier- und Pflanzenarten einen ungestörten Rückzugsraum fanden.

© 2026 Stephan Prieß

 

The region between Bömenzien (in the Altmark) and Nienwalde (in the Wendland) looks back on centuries of history as a borderland. What were once historical administrative boundaries transformed into a deep dividing line after the Second World War. With the division of Germany into occupation zones, Bömenzien fell into the Soviet-administered sector, while neighboring Nienwalde became part of the British zone. From 1952 onwards, the initial demarcation line evolved into a heavily fortified barrier system, rigorously monitored by the GDR.

Against this backdrop, the border tower near Bömenzien was erected on a rise along Nienwalder Weg. Designated as "Postenpunkt 25" (PP 25), the watchtower enabled GDR border troops to maintain unbroken surveillance of the surrounding terrain. While the first version of the facility was a makeshift wooden structure, it was later replaced by a robust, standardized square tower made of precast concrete (Type BT-9). From this vantage point, guards had a clear view of the border installations, which in this section consisted of two 2.40-meter-high expanded-metal fences with a minefield situated between them. Surveillance was supplemented by neighboring guard posts at the Zehrengraben/Seege-Durchstich (PP 24) and at Dannenberger Weg (PP 26).

Thwarting escape attempts at the outset was the primary objective of the GDR border regime. A border signal fence ran approximately 500 meters ahead of the actual border line; contact with it triggered an alarm at the command posts. Furthermore, a five-kilometer-deep restricted zone lay in front of the border itself, accessible only with a special pass. The corresponding People's Police (Volkspolizei) checkpoints and barriers were located further inland near Wanzer and Drösede. On the opposite, West German side in Nienwalde, the demarcation line was marked by posts and signs; from the late 1940s onwards, it was monitored by the Customs Border Service and the Federal Border Guard, as well as sporadically by the British military.

Following the fall of the Wall in 1989, the massive border fortifications were almost entirely dismantled. However, the border tower at Bömenzien was preserved as one of the few architectural monuments of the Iron Curtain in the region. Meanwhile, the border area—formerly inaccessible and isolated from human activity for decades—evolved into the "Green Belt," a valuable, contiguous network of biotopes providing an undisturbed refuge for rare animal and plant species.

© 2026 Stephan Prieß

Ort Zehrental
Autor Stephan
Kategorien
Erinnern
Stadttor/-mauer
Suchbegriffe / Tags
Schnackenburg
Bömenzien
Grenze
DDR
Zoll
Bundesgrenzschutz
Wendland
Altmark
Lizenz Alle Rechte vorbehalten
Bildquelle
Urheber
Stephan Prieß
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