Die Lagertorinschrift 179
„Der Imperator Caesar Marcus Aurelius Antoninus Augustus […] und sein Sohn […] haben die Umwehrung mit Toren und Türmen für die 3. Italische Legion […] machen lassen.“
Das Gründungsdatum
Die Stadt Regensburg kann ihr Alter mit einer originalen Inschrift nachweisen. Die Gründung des Castra Regina sowie dessen Gründungsinschrift lassen sich aufgrund relativ genauer Angaben über ausgeführte Ämter des damaligen Kaisers Mark Aurel rekonstruieren: Marcus Aurelius war zu diesem Zeitpunkt „zum 36. Mal [richtig wäre: zum 33. Mal] Tribun, Feldherr zum neunten Mal und Konsul zum dritten Mal“. Anders als heutzutage erfolgte die Datierung also nicht nach christlicher Jahreszählung, sondern nach den Regierungsjahren der Herrscher. Berücksichtigt man diesen Aspekt, landet man in der ersten Hälfte des Jahres 179 n. Chr. Auch die Namen des Kaisers Mark Aurel und seines Mitregenten sind auf den gefundenen Teilen der Inschrift nicht enthalten. Vielmehr mussten auch sie erst rekonstruiert werden, und zwar anhand der erhaltenen Aufzählung ihrer Vorgänger (z. B. „des göttlichen Hadrianus Enkel“). [1]
Die Wiederentdeckung der Inschrift
Im Jahre 1873 wurden Fragmente der Inschrift gefunden. Dies geschah im Zuge der Anlage eines Kellers der ehemaligen Karmelitenbrauerei, am heutigen Dachauplatz. [2] Sie befand sich dort, wo 1700 Jahre früher das Osttor (porta principalis dextra) des ehemaligen Legionslagers stand, auf dem die Inschrift angebracht war. Der noch erhaltene Text auf zwei mächtigen Steinquadern ist 3,25 m breit; durch begründete Erschließung des Restes der Inschrift kann eine Gesamtlänge von ca. 9 m angenommen werden. [3] Aufgrund von Farbresten kann man darauf schließen, dass die Tafel wohl einst rot bemalt war und die Buchstaben in weißer Farbe nachgezogen wurden. [4] Heute steht das Original im Historischen Museum der Stadt Regensburg.
Besonderheiten der Lagertorinschrift
Trotz dieser imposanten Größe ist die Inschrift jedoch nicht ganz fehlerfrei: Wie oben bei der Ämterauflistung schon angedeutet, war der Kaiser damals nicht zum 36. Mal („XXXVI“), sondern zum 33. Mal („XXXIII“) Volkstribun. Der Steinmetz hat anscheinend seine Textvorlage nicht genau genug gelesen, die ersten zwei der drei Striche aus „XXXIII“ sind wohl schnell zu einem „V“ verschmolzen. Wer genau hinsieht, erkennt zudem, dass die dritte der insgesamt fünf Zeilen der Inschrift deutlich tiefer liegt als die übrigen vier. Das liegt daran, dass der ursprüngliche Text sorgfältig ausgemeißelt und geglättet wurde. Dies nennt man eine „Rasur“.
Aber was steckt hinter diesem kleinen Geheimnis? Nachdem Kaiser Mark Aurel im Jahre 180 n. Chr. aufgrund einer Krankheit verstorben ist, wurde sein Sohn Commodus Alleinherrscher. Bereits im Jahre 177 wurde er zum formal gleichberechtigten Kaiser neben seinem Vater ausgerufen. Nachdem Commodus im Jahre 182 die germanischen Buren besiegt hatte, wollte dieser sich als „Germanicus maximus “ (etwa: „größter Germanensieger“) im Gedächtnis der Römer verankern – also wurde die Tafel um diesen neu erworbenen Siegestitel aktualisiert. [5]
Wer mehr zu Inschriften wie der des Lagertores wissen möchte, kann den Tourpunkt „Lateinische Inschriften“ (https://www.future-history.eu/de/node/2904) aufrufen!
Jetzt bist du dran! – Fragen und Arbeitsaufträge
1) Du frägst dich bestimmt, wieso man die nicht erhaltenen Teile der Inschrift so gut rekonstruieren, also wiederherstellen konnte. Findest du selbst mögliche Gründe dafür? Beziehe in deine Überlegungen Merkmale der Arbeit von Historiker*innen mit ein!
2) Den erhaltenen Teilen der Inschrift und den nachträglich begründeten Ergänzungen ist zu entnehmen, dass Mark Aurel u. a. „Sohn des göttlichen Antonius Pius“ („Divi Antonini Pii filius “) „Oberster Priester“ („PONTIFEX MAXIMUS “), „Germanensieger“ („GERMANICUS “) sowie „Vater des Vaterlandes“ („pater patriae “) gewesen ist. Kannst du dir vorstellen, warum die Inschrift so einen „Rattenschwanz“ an Ämtern und Titeln des Kaisers hat? Vergleiche das mit der heutige Zeit: Werden bei Nennungen von wichtigen bzw. bekannten Menschen auch so viele persönliche Anmerkungen gemacht? Würdest du es mögen, wenn man dich so beschreibt?
3) Mache dir Gedanken darüber, wie wahrscheinlich es wohl ist, in heutiger Zeit noch so bedeutende Überreste aus der Römerzeit zu finden. Welche Schwierigkeiten könnten dabei für Historiker*innen und Archäolog*innen auftreten?
Wenn du willst, kannst du dafür auch nochmal zu Tourpunkt „Stadtarchäologie" (https://www.future-history.eu/de/node/2903) zurückspringen!
Quellen-/Literaturhinweise:
[1] Dietz, Karlheinz/Fischer, Thomas: Die Römer in Regensburg. Regensburg 1996, S. 86.
[2] Gauer, Werner: „Castra Regina und Rom – Zu Ursprung und Erneuerung der europäischen Stadt.“, in: Bonner Jahrbücher (Bd. 181), Köln 1981, S. 65.
[3] Boos, Andreas/Dallmeier, Lutz-Michael: Castra Regina – Das römische Legionslager von Regensburg. Regensburg (Stadt Regensburg, Kulturreferat) 2018, S. 44.
[4] Historisches Museum Regensburg, Informationstafel „Gründungsinschrift von Regensburg – Die Lagertorinschrift“ (Stand: Juli 2020).
[5] Dietz/Fischer (1996), S. 84f.
(Eintrag erstellt von: Jonas Schmitt)
| Ort | Regensburg |
| Autor | Stadtgeschichte... |
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| Bildquelle | Wiederentdeckter Abschnitt der Lagertorinschrift |
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